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Prehnit

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Prehnit, veraltet auch als Aedelit, Chiltonit, Coupholit und Edelit[6] oder unter den Handelsbezeichnungen Kap-Chrysolith und Kap-Smaragd[7] bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca2Al[(OH)2|AlSi3O10][2]. Prehnit ist damit chemisch gesehen ein Calcium-Aluminium-Silikat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Das Mineral kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige bis prismatische Kristalle, kommt aber auch in Form blättriger, fächerförmiger oder traubiger bis kugeliger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist Prehnit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue oder gelbliche bis grünliche Farbe annehmen. Auch Prehnit-Katzenaugen sind bekannt.[8]

Etymologie und Geschichte

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Rötliche Prehnitnadeln auf Xonotlit aus der „N'Chwaning II Mine“ bei Kuruman, Südafrika

Prehnit ist das erste bekannte Mineral, das nach einer Person benannt ist.[9] Der holländische Baron und Colonel Hendrik von Prehn (1733–1785)[4] brachte 1783 einige Proben aus der Kapprovinz (Kap der guten Hoffnung) mit und ließ sie durch Abraham Gottlob Werner analysieren. Dieser erkannte das Material als neue Mineralart und benannte es nach seinem Finder.[10]

Als genaue Typlokalität gilt heute die Dolerit-Lagerstätte von Karoo bei Cradock in der Provinz Ostkap von Südafrika.[11]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Prehnit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Übergangsstrukturen zu Schichtsilikaten (Phyllosilikaten)“, wo er gemeinsam mit Ferrokarpholith, Karpholith und Lorenzenit sowie im Anhang mit Joesmithit in der „Karpholith-Ramsayit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/D*.03 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/G.07-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Übergangsstrukturen von Ketten- zu Schichtsilikaten“, wo Prehnit zusammen mit Alflarsenit, Amstallit, Bavenit, Bohseit, Chiavennit, Ferrochiavennit, Rudenkoit und Tvedalit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/G.07 bildet.[12]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Prehnit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatkomplexe. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau ebenfalls in der Unterabteilung „Übergangsstrukturen Ketten- und Bandsilikate – Schichtsilikate“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.DP.20 bildet.[13]

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Prehnit die System- und Mineralnummer 72.01.03.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate: Zweidimensionale unbegrenzte Lagen mit anderen als sechsgliedrigen Ringen“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 72.01.03.

Kristallstruktur

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Wasserklarer, ideal orthorhombisch-pyramidal gewachsener Prehnit mit perlmuttglänzender Oberfläche

Prehnit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P2cm (Raumgruppen-Nr. 28, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/28.4 mit den Gitterparametern a = 4,65 Å; b = 5,48 Å und c = 18,49 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Prehnitzwillinge nach (100) sind pyroelektrisch in Richtung der a-Achse. Vor dem Lötrohr schmilzt Prehnit leicht und blättert bzw. bläht sich dabei auf. Erst bei hoher Temperatur bildet sich auch Wasser.[14]

Prehnit ist zwar relativ unempfindlich gegen Säuren und wird von ihnen erst nach dem Glühen vollständig zerstört[14], reagiert aber sehr empfindlich schon auf geringen Wärmeeinfluss.[15]

Gelegentlich zeigt Prehnit bei kurzwelligem UV-Licht blauweiße oder pfirsichfarbene und bei langwelligem UV-Licht gelbe Fluoreszenz.[3]

Bildung und Fundorte

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Kugeliger Prehnit auf Epidot

Prehnit entsteht entweder sekundär aus anderen Mineralen oder durch hydrothermale Vorgänge in Klüften, Gängen und Geoden innerhalb von magmatischen oder metamorphen Gesteinen (z. B. Gabbro, Diabas, Melaphyr, kristallinem Schiefer). Prehnit findet sich oft in Paragenese mit Apophyllit, Calcit, Datolith, Epidot, gediegen Kupfer, Pektolith und verschiedenen Zeolithen. Außerdem bildet er unter anderem Pseudomorphosen nach Analcim, Laumontit und Natrolith.[14]

Als häufige Mineralbildung ist Prehnit an vielen Fundorten anzutreffen. Weltweit sind bisher rund 2400 Vorkommen dokumentiert (Stand: 2026).[16] In Deutschland konnte das Mineral vor allem in Bayern, genauer im Schwarzwald, Fichtelgebirge, Spessart, Bayerischen Wald, in Schwaben und der Oberpfalz; im hessischen Lahn-Dill-Kreis und Odenwald; im Harz (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt); im Sauerland (Nordrhein-Westfalen); im rheinland-pfälzischen Hunsrück, Niederkirchen und Wolfstein; im Erzgebirge und der Oberlausitz in Sachsen; bei Elmshorn und Lübeck in Schleswig-Holstein sowie im Thüringer Wald und bei Wurzbach gefunden werden.

In Österreich fand sich Prehnit in vielen Regionen von Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark, Tirol, Oberösterreich und im Vorarlberg. In der Schweiz wurde Prehnit in mehreren Regionen der Kantone Graubünden, Tessin, Uri und Wallis gefunden.

Weitere Fundorte sind Ägypten, Antarktis, Argentinien, viele Regionen in Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Costa Rica, Ecuador, Finnland, mehrere Regionen in Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Irland, Island, Israel, viele Regionen in Italien, Japan, mehrere Regionen von Kanada, den Kanalinseln, Kasachstan, Kenia, Kolumbien, Kroatien, Madagaskar, Mali, Marokko, Mexiko, Mongolei, Namibia, Neuseeland, Nordkorea, viele Regionen in Norwegen, Oman, Pakistan, Papua-Neuguinea, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Réunion, einige Regionen in Russland, mehrere Regionen in Schweden, Slowakei, einige Regionen in Spanien, mehrere Regionen in Südafrika, Südkorea, Tansania, Trinidad und Tobago, mehrere böhmische und mährische Regionen in Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, auf den United States Virgin Islands (Amerikanische Jungferninseln), viele Regionen des Vereinigten Königreichs (Großbritannien) und sehr viele Regionen in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[17]

Auch in Gesteinsprobem des Mittelatlantischen Rückens, genauer der „Markov-Tiefe“ innerhalb der Sierra-Leone-Bruchzone, sowie des Indischen Ozeans, genauer des zentralindischen Rückens, konnte Prehnit nachgewiesen werden.[17]

Verwendung als Schmuckstein

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Prehnit im „Smaragd-Schliff“

Bisher wird Prehnit ausschließlich, wenn auch nicht sehr häufig, zu Schmucksteinen verarbeitet und je nach Qualität in verschiedenen Schliffarten und -formen angeboten. Aufgrund farblicher Ähnlichkeit besteht Verwechslungsgefahr unter anderem mit Apatit, Brasilianit, Chrysopras, Jade, Peridot, Periklas und Serpentin.[8]

  • Mineralsystem des Herrn Inspektor Werners mit dessen Erlaubnis. In: Alexander Willhelm Köhler, C. A. S. Hoffmann (Hrsg.): Bergmannisches Journal. Crazische Buchhandlung, Freiberg 1789, S. 369–398 (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 7. August 2024 im Internet Archive) [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 15. September 2026]).
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 248.
Commons: Prehnite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 15. September 2026]).
  2. 1 2 3 4 5 6 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 654 (englisch).
  3. 1 2 David Barthelmy: Prehnite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 15. September 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 Prehnite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 76 kB; abgerufen am 15. September 2026]).
  5. 1 2 3 4 5 Prehnite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. September 2026 (englisch).
  6. ↑ Prehnit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
  7. ↑ Namenssuche. Handelsnamen und was sie bedeuten. EPI – Institut für Edelsteinprüfung, abgerufen am 15. September 2026 (Eingabe von Kap-Chrysolith bzw. Kap-Smaragd nötig).
  8. 1 2 Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 204 (englisch).
  9. ↑ Thomas Witzke: Benennung der Minerale. 3. nach Personen. In: strahlen.org/tw. Abgerufen am 15. September 2026.
  10. ↑ Albert Huntington Chester: A dictionary of the names of minerals including their history and etymology. 1. Auflage. John Wiley & Sons, New York 1896, S. 217 (online verfügbar bei archive.org – Internet Archive).
  11. ↑ Karoo dolerites, Cradock, Inxuba Yethemba Local Municipality, Chris Hani District Municipality, Eastern Cape, South Africa. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. September 2026 (englisch, Typlokalität für Prehnit).
  12. ↑ Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  13. ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  14. 1 2 3 Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 737–738 (Erstausgabe: 1891).
  15. ↑ Edelstein-Knigge von Prof. Leopold Rössler: Prehnit (Memento vom 17. Februar 2010 im Internet Archive)
  16. ↑ Localities for Prehnite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. September 2026 (englisch).
  17. 1 2 Fundortliste für Prehnit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 15. September 2026.
Prehnit
Blättriger Prehnit (bläulichgelb) auf Quarz (farblos) aus Imilchil im Atlasgebirge, Marokko (Größe: 10 × 6,1 × 4,1 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Prh[1]

Chemische Formel Ca2Al[(OH)2|AlSi3O10][2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/D*.03
VIII/G.07-030

9.DP.20
72.01.03.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2[3]
Raumgruppe P2cm (Nr. 28, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/28.4[2]
Gitterparameter a = 4,65 Å; b = 5,48 Å; c = 18,49 Å[2]
Formeleinheiten Z = 2[2]
Zwillingsbildung feinlamellar
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6,0 bis 6,5[4]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,80 bis 2,95; berechnet: [2,90][4]
Spaltbarkeit gut nach {001}; undeutlich nach {110}[4]
Bruch; Tenazität uneben
Farbe farblos, weiß, grau, gelblich, rosa, hell- bis dunkelgrün
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, schwacher Perlmuttglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,611 bis 1,632[5]
nβ = 1,615 bis 1,642[5]
nγ = 1,632 bis 1,665[5]
Doppelbrechung δ = 0,021 bis 0,033[5]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 64 bis 70° (gemessen); 58 bis 68° (berechnet)[5]