Bohseit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt in der Regel fächerartige Mineral-Aggregate von weniger als einen Zentimeter Größe aus tafeligen, parallel geschichteten und gestreiften Kristallen. In reiner Form ist Bohseit wäre farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung ist er jedoch praktisch immer durchscheinend weiß. Selten kann er durch Fremdbeimengungen auch eine orange Farbe[6] annehmen. Die Strichfarbe von Bohseit ist jedoch immer weiß.
Entdeckt wurde Bohseit zuerst in Mineralproben aus dem Ilimmaasaq-Komplex nahe Narsaq an der Südwestspitze Grönlands. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral von Henrik Friis, Emil Makovicky, Mark T. Weller und Marie-Hélène Lemée-Cailleau. Sie benannten das Mineral nach dem dänischen Mineralogen Henning Bohse (*1942), um dessen 40 Jahre umfassenden Arbeiten auf dem Gebiet der Mineralogie und Geologie des Ilimmaasaq-Komplexes zu ehren.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 2010 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 2010-026[1]), die den Bohseit als eigenständige Mineralart anerkannte.
Spätere Analysen, die ein internationales Forschungsteam, bestehend aus E. Szełeg, B. Zuzens, F. C. Hawthorne, A. Pieczka, A. Szuszkiewicz, K. Turniak, K. Nejbert, S. S. Ilnicki, H. Friis, E. Makovicky, M. T. Weller und M. H. Lemée-Cailleau, an chemisch sehr ähnlichem Material aus dem Steinbruch Piława Górna (deutschOber Peilau) in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien durchführten, machten eine Neudefinition der chemischen Formel nötig (Antrag IMA 14-H). Die Neudefinition wurde im Februar 2015 von der IMA anerkannt.[7] Seitdem gelten beide Fundorte als Typlokalität für Bohseit[8][9] und er wird in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „2015 s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Bohseit lautet „Bhs“.[2]
Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation in der 9. Auflage (auch Strunz-mindat) ordnet den Bohseit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikate (Inosilikate)“. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatketten und das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Mehrfachketten“ (englischInosilicates with 2-periodic multiple chains) mit der Systemnummer 9.DF. zu finden. Eine weitere Einordnung in eine bestimmte Gruppe mit chemisch und/oder strukturell verwandten Mineralen wurde bisher nicht vorgenommen[13] (vergleiche dazu auch gleichnamige Unterabteilung in der Klassifikation nach Strunz (9. Auflage)).
Von dem sehr seltenen Mineral sind bisher nur wenige Proben aus weltweit weniger als 10 Vorkommen gefunden worden. Seine Typlokalitäten Ilimmaasaq und Piława Górna sind dabei die bisher einzigen bekannten Fundorte in Grönland beziehungsweise Polen.[14]
Daneben fand man Bohseit noch am Berg Ulyn Khuren des Khaldzan-Buragtag-Massivs (Altai) der Provinz Chowd (englischKhovd) in der Mongolei, im Steinbruch Nedre Lapplægeret bei Drag in der Provinz Nordland und in den Pegmatiten um Tørdal in der Kommune Drangedal in der Provinz Telemark in Norwegen, in der Beryllium-Lagerstätte Ermakovskoe (auch Yermakovskoe oder Jermakovskoe) bei Ulan-Ude in der Republik Burjatien (Ferner Osten) und in der Smaragd- und Alexandrit-Mine Izumrudnye Kopi bei Malyschewa (auch Malyshevo) in der Oblast Swerdlowsk (Ural) in Russland und in den Pegmatiten um Maršíkov (Marchendorf, Gemeinde Velké Losiny) in Tschechien.[14]
P. A. Williams, F. Hatert, Marco Pasero, S. J. Mills:IMA Commission on new minerals, nomenclature and classification (CNMNC) Newsletter 4. New minerals and nomenclature modification approved in 2010. In: Mineralogical Magazine. Band74, 2010, S.797–800 (englisch, rruff.info[PDF; 99kB; abgerufen am 14.Juli 2025]).
U. Hålenius, F. Hatert, Marco Pasero, S. J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 24. New minerals and nomenclature modifications approved in 2015. In: Mineralogical Magazine. Band79, 2015, S.247–251 (englisch, rruff.info[PDF; 80kB; abgerufen am 14.Juli 2025]).
D. I. Belakovskiy, F. Cámara, O. C. Gagne, Y. Uvarova:New mineral names. In: American Mineralogist. Band102, 2017, S.1961–1968 (englisch, rruff.info[PDF; 396kB; abgerufen am 14.Juli 2025]).
E. Szełeg, B. Zuzens, F. C. Hawthorne, A. Pieczka, A. Szuszkiewicz, K. Turniak, K. Nejbert, S. S. Ilnicki, H. Friis, E. Makovicky, M. T. Weller, M. H. Lemée-Cailleau:Bohseite, ideally Ca4Be4Si9O24(OH)4, from the Piława Górna quarry, the Góry Sowie Block, SW Poland. In: Mineralogical Magazine. Band81, 2017, S.35–46 (englisch, rruff.info[PDF; 314kB; abgerufen am 14.Juli 2025]).
Bohseite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 14.Juli 2025(englisch).
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Bohseite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 335kB; abgerufen am 14.Juli 2025]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789E. Szełeg, B. Zuzens, F. C. Hawthorne, A. Pieczka, A. Szuszkiewicz, K. Turniak, K. Nejbert, S. S. Ilnicki, H. Friis, E. Makovicky, M. T. Weller, M. H. Lemée-Cailleau:Bohseite, ideally Ca4Be4Si9O24(OH)4, from the Piława Górna quarry, the Góry Sowie Block, SW Poland. In: Mineralogical Magazine. Band81, 2017, S.35–46 (englisch, rruff.info[PDF; 314kB; abgerufen am 14.Juli 2025]).Referenzfehler: Unbekannter Parameter „"“ im <ref>-Element. Die unterstützten Parameter sind: details, dir, follow, group, name.
↑U. Hålenius, F. Hatert, Marco Pasero, S. J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 24. New minerals and nomenclature modifications approved in 2015. In: Mineralogical Magazine. Band79, 2015, S.247–251 (englisch, rruff.info[PDF; 80kB; abgerufen am 14.Juli 2025]).