Helvin (gelb) mit Muskovit (grau) auf Feldspat (weiß) aus der „Wushan Spessartine Mine“, Tongbei, Yunxiao, Provinz Fujian, China (Größe: 3,5 × 3,1 × 1,3 cm)
Das Mineral ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt meist isometrische, tetraedrische und dodekaedrische oder pseudo-oktaedrischeKristalle, findet sich aber auch in Form körniger oder sphärolithischer Mineral-Aggregate. Seine Farbe variiert meist zwischen einem hellen Graugelb bis Grünlichgelb. Aufgrund seiner Mischkristallbildung mit Danalith und Genthelvin sowie verschiedener Fremdbeimengungen kann er aber auch eine rote bis braune Farbe annehmen. Die Kristallflächen weisen einen fettigen Glasglanz auf.
Mit einer Mohshärte von 6 bis 6,5 gehört Helvin noch zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Orthoklas (6) mit einer Stahlfeile ritzen lassen.
Hellgelber Helvin aus der Typlokalität Breitenbrunn im Erzgebirge (Sichtfeld 1,5cm)
Seinen bis heute gültigen Namen Helvin erhielt das Mineral 1817 durch Abraham Gottlob Werner, der es aufgrund seiner überwiegend gelben Farbe nach dem griechischen Wort ἥλιος (helios) für Sonne benannte.[8]
Bekannt und beschrieben wurde Helvin allerdings schon vor Werners Aufzeichnungen, unter anderem durch Friedrich Mohs (als Anhang beim Granat; vergleiche auch das 1829 beschriebene Mineralkabinett des Wiener Bankiers Van der Nüll[9] Abteilung I, S. 92–93[10]) und durch Johann Carl Freiesleben in seinen „Geognostischen Beiträgen“ (Band 5, S. 126 f.).[8]
Da der Helvin bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Helvin als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[14] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Helvin lautet „Hlv“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.12-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Helvin zusammen mit Danalith und Genthelvin eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/J.12 bildet.[3]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Helvin die System- und Mineralnummer 76.02.04.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter, Feldspatvertreter und verwandte Arten“ in der „Helvingruppe“, in der auch Danalith und Genthelvin eingeordnet sind.
Beim Erhitzen bläht sich Helvin auf und schmilzt zu einem gelblichbraunen, undurchsichtigen Glas. Das Mineral ist löslich in Salzsäure, wobei Schwefelwasserstoff freigesetzt wird.[16]
Helvin (gelb) auf Rhodonit (rosa) aus Pachapaqui, Provinz Bolognesi, Peru (Sichtfeld8mm)Fast schwarzer Helvin mit goldgelbem Spessartin auf weißem Orthoklas aus der „Wushan Spessartine Mine“, Tongbei, Yunxiao, Fujian, China (Größe: 5,1×4,0×2,3cm)In Quarzeingeschlossener, gelber Helvin aus der „Yaogangxian Mine“, Yizhang, Hunan, China (Größe: 6,7×4,2×3,7cm)
Als eher seltene Mineralbildung kann Helvin an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 260 Vorkommen dokumentiert.[17] Neben seiner Typlokalität, den Gruben „Brüder Lorenz“ und „Friedefürst“ bei Breitenbrunn trat das Mineral in Deutschland noch in weiteren Gruben in Sachsen wie unter anderem „Unverhofft Glück an der Achte“ bei Antonsthal und „Gelbe Birke“ bei Beierfeld sowie bei Johanngeorgenstadt und Königshain. Daneben konnte Helvin noch in einigen Steinbrüchen in der Umgebung von Tittling in Bayern sowie im Steinbruch Henneberg bei Weitisberga in Thüringen gefunden werden.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Helvinfunde sind unter anderem die „Sawtooth Batholithe“ in den Sawtooth Mountains (Sawtooth Range) im Boise County des US-Bundesstaates Idaho, wo kubische Helvinkristalle mit einem Durchmesser von bis zu 2,5 Zentimeter entdeckt wurden.[18] Allerdings sollen an anderen Fundorten auch schon bis zu 12 Zentimeter große Kristalle gefunden worden sein.[6]
In Österreich kennt man Helvin bisher nur vom Doppelbachgraben (Tobelbachgraben) bei Maiersch in Niederösterreich, vom Friedlkogel und Kaskogel am Kaiblinggraben bei Kleinveitsch in der Steiermark und vom Oberschrammachgletscher am Schrammacher im Tiroler Zillertal.
In der Schweiz konnte das Mineral bisher nur am Forno und am Pizzi dei Rossi im Val Forno, einem Nebental des Val Bregaglia (Bergell) im Kanton Graubünden gefunden werden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Brasilien, Bulgarien, China, Frankreich, Grönland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Malawi, Mexiko, Namibia, Norwegen, Pakistan, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Spanien, Südafrika, Tschechien, im Vereinigten Königreich (England) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Alaska, Arizona, Arkansas, Colorado, Idaho, Kalifornien, Montana, Nevada, New Hampshire, New Mexico, North Carolina, Texas, Utah, Virginia, Wisconsin).[19]
A. G. Werner:Abraham Gottlob Werner’s Letztes Mineral-System. Graz und Gerlach, Carl Gerold, Freiberg und Wien 1817, S.29, 9) Helvin (englisch, rruff.info[PDF; 104kB; abgerufen am 23.November 2024]).
Helvine search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 23.November 2024(englisch).
12345678Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.699 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Helvite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 23.November 2024(englisch).
12
Helvite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 72kB; abgerufen am 23.November 2024]).
↑Helvine.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 23.November 2024(englisch).
12A. G. Werner:Abraham Gottlob Werner’s Letztes Mineral-System. Graz und Gerlach, Carl Gerold, Freiberg und Wien 1817, S.29, 9) Helvin (englisch, rruff.info[PDF; 104kB; abgerufen am 23.November 2024]).
↑Heinz Meixner:Die Mineralsammlung der Grafen Thurn-Valsassina auf Schloß Bleiburg. 1. Teil: Zur Geschichte einer alten Sammlung. In: Carinthia II. Jahrgang 150/70, 1960, S.112 (zobodat.at[PDF; 12,3MB; abgerufen am 23.November 2024]).
12Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.545.
↑Localities for Helvine.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 24.November 2024(englisch).
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.270.
↑
Fundortliste für Helvin beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 23. November 2024.