Nosean entwickelt meist nur kleine, dodekaedrischeKristalle bis etwa zwei Millimetern Größe, kommt aber auch in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist er farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine blaue, grüne oder graubraune bis schwarze Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Erstmals entdeckt wurde Nosean in Mineralproben von der Sandkaule (auch Sandkuhle) bei Maria Laach in der zur rheinland-pfälzischen Vulkaneifel gehörenden Verbandsgemeinde Brohltal. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1808 durch Karl Wilhelm Nose, der das Mineral als Spinellan bezeichnete, da er es für ein der Spinellgruppe verwandtes Mineral hielt. Herausgegeben wurde diese Beschreibung durch Johann Jacob Nöggerath in dessen Werk Mineralogische Studien über die Gebirge am Niederrhein.[10]
1815 konnte Martin Heinrich Klaproth durch genauere Analysen die vermutete Verwandtschaft mit den Spinellen widerlegen. Er schlug daher vor, das Mineral umzubenennen und nach seinem Erstbeschreiber als Nosean (in erster Publikation zunächst Nosian) zu bezeichnen.[2][11]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[12]
Da der Nosean bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Nosean als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[4] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Nosean lautet „Nsn“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.11-020. Dies entspricht der ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Nosean zusammen mit Bicchulith, Haüyn, Hydrosodalith, Kamaishilith, Lasurit, Sodalith, Tsaregorodtsevit, Tugtupit und Vladimirivanovit die „Sodalithgruppe“ mit der Systemnummer VIII/J.11 bildet.[5]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[13]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Nosean in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und das Mineral ist entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zusätzlichen Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Bicchulith, Danalith, Genthelvin, Haüyn, Helvin, Kamaishilith, Lasurit, Sodalith, Tsaregorodtsevit und Tugtupit die „Sodalith-Danalith-Gruppe“ mit der Systemnummer 9.FB.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Nosean die System- und Mineralnummer 76.02.03.02. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter, Feldspatvertreter und verwandte Arten“ in der „Sodalithgruppe“, in der auch Sodalith, Haüyn, Lasurit, Bicchulith, Kamaishilith, Tugtupit und Tsaregorodtsevit eingeordnet sind.
Reiner Nosean ist farblos. Er kann jedoch aufgrund von Gitterbaufehlern, mikrokristalliner Ausbildung oder Verzwillingung und der damit verbundenen hohen Lichtstreuung weiß bis grau erscheinen. Durch Fremdbeimengungen von Kalium und Eisen bzw. teilweisen Ersatz des [SO4]2−-Komplexes durch Cl− kann das Mineral auch eine bläuliche, grünliche oder bräunliche Farbe annehmen.
Im Dünnschliff ist das Mineral farblos bis grau; idiomorphe Kristalle sind häufig. Wie bei dem verwandten Haüyn sind sehr oft Einschlüsse in den Kristallen zu finden, die oft zonenartig angeordnet sind („Trauerränder“). Unter gekreuzten Polarisatoren erscheint das optisch isotrope Material dunkel.[14]
Noseankristalle, Dünnschliff, linear-polarisiertes Licht: Die idiomorphen Kristalle zeigen im Inneren Einschlüsse und „Trauerränder“. Katzenbuckel, Deutschland.
Unter gekreuzten Polarisatoren bleibt das isotrope Mineral dunkel.
Ittnerit (asch- bis blaugrau) und Skolopsit (lichtgrau bis fleischrot) sind zwei in verschiedenem Grade zeolithisierte Noseane und gelten als Varietäten von diesem.[15]
Als seltene Mineralbildung konnte Nosean nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 100 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2024).[16] Außer an seiner Typlokalität, der Sandkaule (auch Sandkuhle) bei Maria Laach, konnte das Mineral in der Verbandsgemeinde Brohltal noch am Schellkopf bei Brenk, im heutigen Naturschutzgebiet Dachsbusch der Gemeinde Glees, in den Bimsgruben und am Kunkskopf in der Gemeinde Wassenach sowie am Kappiger Ley und im Wehrer Kessel entdeckt werden. Weitere bekannte Vorkommen in Rheinland-Pfalz sind der Landkreis Mayen-Koblenz wie Mendig, Pellenz und Ettringen sowie Emmelberg, der Vulkankomplex Rockeskyll, der Steinbruch Stolz (auch Graulai oder Graulay) bei Hillesheim und der Niveligsberg bei Drees. Daneben trat das Mineral in Deutschland noch am Horberig nahe Oberbergen, am Hohenkrähen, Mägdeberg und Hohentwiel im Landkreis Konstanz, im Steinbruch „Am Michelsberg“ am Osthang des Katzenbuckels, im Urach-Kirchheimer Vulkangebiet in der Schwäbischen Alb und der Grabenstetter Steige bei Grabenstetten in Baden-Württemberg auf.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist der Stradner Kogel im Südosten der Steiermark.
Martin Heinrich Klaproth:Chemische Untersuchung des Spinellan's. In: Beiträge zur Chemischen Kenntniss der Mineralkörper. Band6, 1815, S.371–376 (rruff.info[PDF; 419kB; abgerufen am 25.August 2024]).
J. K. Van Peteghem, B. J. Burley:Studies on solid solution between sodalite, nosean and hauyne. In: The Canadian Mineralogist. Band7, 1963, S.808–813 (englisch, rruff.info[PDF; 249kB; abgerufen am 25.August 2024]).
Ishmael Hassan, H. Douglas Grundy:The structure of nosean, ideally Na8[Al6Si6O24]SO4·H2O. In: The Canadian Mineralogist. Band27, 1989, S.165–172 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 25.August 2024]).
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.268.
Martin Okrusch, Siegfried Matthes:Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u.a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S.109,124,156,157.
Nosean search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 25.August 2024(englisch).
123Martin Heinrich Klaproth:Chemische Untersuchung des Spinellan's. In: Beiträge zur Chemischen Kenntniss der Mineralkörper. Band6, 1815, S.371–376 (rruff.info[PDF; 419kB; abgerufen am 25.August 2024]).
123Arisleidy Stolzenberger-Ramirez:Nosean.In:geodz.com.Abgerufen am 25.August 2024.
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.699 (englisch).
↑David Barthelmy:Nosean Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 25.August 2024(englisch).
123
Nosean. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 72kB; abgerufen am 25.August 2024]).
↑Nosean.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 25.August 2024(englisch).