Phenakit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige bis langprismatische Kristalle, kommt aber auch in Form radialstrahliger oder körniger Mineral-Aggregate vor. Reiner Phenakit ist farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine gelbe, rosarote oder braune Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Benannt wurde das Mineral aufgrund seiner Ähnlichkeit und damit Verwechslungsgefahr zu Quarz nach dem altgriechischen Wort φέναξ [pʰénax] für „Täuscher“, das möglicherweise mit φαίνω [pʰai̯nɔː] „(er)scheinen, kundtun“ (wohl aus *φάνjω *[pʰáni̯ɔː]; vgl. ai. vibhāva; verwandt mit φημί [pʰɛːmí] „sagen“– von myk.<pa-si>, mögliche Transkription: /pʰaːsí/ „er sagt“, vgl. lat. fārī „sprechen“, altsl. bajo „erzählen“, anord. bōn und ags. boen „Gebet“) verwandt ist.
Erstmals entdeckt wurde Phenakit in Mineralproben aus der Smaragd Mine im Gebiet von „Izumrudnye Kopi“ bei Malyschewa in der russischen Oblast Swerdlowsk. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1833 (publiziert 1834) durch den finnischen Mineralogen und Reisenden Nils Gustaf Nordenskjöld (1792–1866).[8]
Da der Phenakit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Phenakit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Phenakit lautet „Phk“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/A.01-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Inselsilikate mit [SiO4]-Gruppen“, wo Phenakit zusammen mit Eukryptit und Willemit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/A.01 bildet.[4]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Phenakit die System- und Mineralnummer 51.01.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in [4]-Koordination“ in der „Phenakitgruppe“, in der auch Willemit und Eukryptit eingeordnet sind.
Die Kristallstruktur von Phenakit besteht aus SiO4- und BeO4-Tetraedern, die eckenteilend miteinander verknüpft sind und dadurch ein Gerüst mit 6- und 4-gliedrigen Kanälen bilden. Phenakit ist isostrukturell mit dem Zinksilikat Willemit und dem Lithium-Aluminium-Silikat Eukryptit.[3]
Als relativ seltene Mineralbildung kann Phenakit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 300 Vorkommen für Phenakit dokumentiert (Stand2025).[12] Außer an seiner Typlokalität im Gebiet von „Izumrudnye Kopi“ bei Malyschewa sowie an weiteren Orten in der Oblast Swerdlowsk trat das Mineral in Russland noch in mehreren Lagerstätten der Republik Karelien (Nordwestrussland), der Oblast Tscheljabinsk (Ural) sowie der Republik Burjatien und der Region Primorje (Ferner Osten) auf.
Bekannt durch Funde besonders großer oder gut entwickelter Kristalle wurde vor allem Kragerø in Telemark (Norwegen) mit Kristallfunden bis 25cm Länge und Rio Piracicaba in Minas Gerais (Brasilien), wo bis zu 10cm lange Kristalle zutage traten.[13] In Sri Lanka wurden auch Phenakite mit Katzenaugeneffekt gefunden.[14]
Phenakit wird ausschließlich als Schmuckstein verwendet. Trotz seiner guten physikalischen (hohe Härte) und optischen Eigenschaften – sein klarer, lebhafter Glasglanz lässt sich geschliffen und poliert auf Fettglanz steigern – ist er nur selten im Handel zu finden. Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit der farblosen Varietät des Quarzes, dem Bergkristall, aber auch mit Beryll, Beryllonit, Cerussit, Danburit und Topas. Je nach fundortabhängigen Zusammensetzungen können farbige Steine allerdings unter Lichteinfluss mit der Zeit ausbleichen.[15]
Nils Nordenskjöld:Beskrifning på Phenakit, ett nytt Mineral från Ural. In: Kongliga Svenska Vetenskaps-Akademiens Handlingar för år 1833. 1834, S.160–165 (schwedisch, rruff.info[PDF; 434kB; abgerufen am 8.September 2025]).
Nils Nordenskjöld:Beschreibung des Phenakits, eine neuen Minerals aus dem Ural. In: Annalen der Physik und Chemie. Band21, 1834, S.57–62 (rruff.info[PDF; 313kB; abgerufen am 8.September 2025]).
W. H. Zachariasen:Refined crystal structure of phenacite, Be2SiO4. In: Soviet Physics – Crystallography. Band16, 1971, S.1021–1025 (englisch, rruff.info[PDF; 305kB; abgerufen am 8.September 2025]).
Phenakite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 8.September 2025(englisch).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.535 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Phenakite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 31.Dezember 2018(englisch).
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Phenakite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 69kB; abgerufen am 8.September 2025]).
123Phenakite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 8.September 2025(englisch).
↑Nils Nordenskjöld:Beskrifning på Phenakit, ett nytt Mineral från Ural. In: Kungl. Svenska vetenskapsakademiens handlingar. 1834, S.160–165 (schwedisch, rruff.info[PDF; 434kB; abgerufen am 8.September 2025]).
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16. überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.196.