vor dem Lötrohr schmelzbar, Schmelzkugel gelatiniert in Salzsäure
Danburit ist ein Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“, das an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein kann, insgesamt aber wenig verbreitet ist. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca[B2Si2O8][2] und entwickelt meist prismatische bis säulige Kristalle bis etwa 50cm Länge, aber auch körnige oder massige Mineral-Aggregate.
Reiner Danburit ist durchsichtig und farblos. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder multikristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch verschiedene Fremdbeimengungen eine graue, grünliche, rötliche, gelbliche oder bräunliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß. Sichtbare Kristallflächen weisen einen glas- bis fettähnlichen Glanz auf, massige Aggregate sind dagegen eher matt.
Mit einer Mohshärte von 7 bis 7,25 gehört Danburit zu den harten Mineralen und ist wie das Referenzmineral Quarz in der Lage, Fensterglas zu ritzen. Danburit zeigt nur eine undeutliche Spaltbarkeit nach {001} und einen unebenen bis schwach muscheligen, spröden Bruch.
Danburitzwilling nach {010} aus der „San Sebastian Mine“, Charcas, Mun. de Charcas, San Luis Potosí, Mexiko
Erstmals entdeckt wurde Danburit bei Danbury im Fairfield County im US-Bundesstaat Connecticut und beschrieben 1839 durch Charles Upham Shepard, der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.08-020. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Danburit zusammen mit Maleevit, Pekovit und Reedmergnerit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/J.08 bildet.[6]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Danburit die System- und Mineralnummer 56.03.01.01. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Si2O7 mit Boratgruppen“ in der „Danburitgruppe“, in der auch Maleevit und Pekovit eingeordnet sind.
Vor dem Lötrohrphosphoresziert Danburit und schmilzt langsam zu einer weißen, blasigen, durchscheinenden Glas. Mit Borax schmilzt er unter Aufbrausen zu einer durchscheinenden Perle. In pulverisiertem Zustand zersetzt sich Danburit langsam in Salzsäure.
Obwohl Danburit bei guter Qualität je nach Farbe verschiedenen Edelsteinen wie unter anderem dem Phenakit, Quarz (vor allem der Varietät Citrin) oder dem Topas sehr ähnlich sehen kann und sich aufgrund seiner großen Härte und geringer Spaltneigung auch gut schleifen lässt, wird er nur gelegentlich als Schmuckstein verwendet. Seine große Empfindlichkeit gegenüber Hitze, wie sie z.B. bei Lötarbeiten an Schmuckstücken mit Danburiten entstehen, würden den Stein schnell zum Schmelzen bringen. Das macht ihn zu einem schwierig zu handhabenden Stein.[9]
Charles Upham Shepard: Der Danburit, eine neue Mineralspecies (PDF; 105kB), in: J. C. Poggendorf (Hrsg.): Annalen der Physik und Chemie, Band 50, Verlag Johann Ambrosius Barth, Berlin-Leipzig 1840, S. 182 (Auszug aus Silliman's Journal, Band XXV, S. 138)
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S.267 (Dörfler Natur).
Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S.198.
C.U. Shepard (1839): AMERICAN JOURNAL OF SCIENCE AND ARTS 35, 137
M.W. Phillips, G.V. Gibbs, P.H. Ribbe (1974): The crystal structure of Danburite: A comparison with Anorthite, Albite, and Reedmergnerite, AMERICAN MINERALOGIST 59, 1–2, 79–85
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.697.
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.