Beryllonit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige bis kurzprismatische Kristalle und Zwillinge, kommt aber auch in Form sphärolithischer, faseriger oder körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist Beryllonit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine gelbliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Unverletzte Kristallflächen weisen einen glas- bis diamantähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttartig.
Mit einer Mohshärte von 5,5 bis 6 gehört Beryllonit zu den mittelharten Mineralen, das sich etwas leichter als das Referenzmineral Orthoklas (6) mit einer Stahlfeile ritzen lässt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/A.01-030. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate [PO4]3−, ohne fremde Anionen“, wo Beryllonit zusammen mit Alarsit, Berlinit, Hurlbutit, Lithiophosphat, Minjiangit, Nalipoit, Olympit, Rodolicoit und Strontiohurlbutit die Gruppe der „Kleine Kationen (Li-Be-Al-Fe3+)“ mit der Systemnummer VII/A.01 bildet.[4]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Beryllonit die System- und Mineralnummer 38.01.05.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 38.01.05.[8]
Die Kristallstruktur von Beryllonit besteht aus je drei BeO4- und PO4-Tetraedern, die zu einem Netz aus Sechserringen verbunden und parallel der b-Achse übereinander geschichtet sind. Die Ringe und Schichten sind ähnlich wie bei Schichtsilikaten über gemeinsam genutzte Ecken miteinander verbunden, wobei parallel der b-Achse Kanäle entstehen, in denen die Natriumionen untergebracht sind.[2][9]
Faseriger, weißer Beryllonit aus dem Pegmatitfeld Darra-i-Pech, Provinz Nangarhar, Afghanistan (Größe: 7 cm × 6,4 cm × 4,1 cm)Beryllonit (gelblichweiß) und Elbait (rosa) aus der Paprok Mine, Distrikt Kamdesh, Provinz Nuristan, Afghanistan (Größe: 5,9 cm × 5,5 cm × 4 cm)
Als seltene Mineralbildung konnte Beryllonit nur an wenigen Orten nachgewiesen, wobei weltweit bisher rund 50 Fundstätten dokumentiert sind (Stand 2022).[10] Neben seiner Typlokalität McKean Mountain trat das Mineral noch an der Fundstätte „Mcallister“ und im Steinbruch „Lord Hill“ nahe Stoneham auf. In der Umgebung von Stoneham wurden auch die bisher größten bekannten Kristalle und Zwillinge mit Durchmessern von bis zu 15 Zentimetern gefunden,[11] allerdings sollen auch schon Kristalle von bis zu 25 Zentimetern Größe entdeckt worden sein.[3] Des Weiteren kennt man das Mineral in den Vereinigten Staaten unter anderem noch aus weiteren Orten im Oxford County von Maine sowie aus verschiedenen Fundstätten in den Bundesstaaten Nevada und New Hampshire.
Weitere bisher bekannte Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Brasilien, China, Finnland, Frankreich, Kanada, Pakistan, Portugal, Schweden, Tschechien und im Vereinigten Königreich (UK).[12]
Beryllonit ist aufgrund seiner vollkommenen Spaltbarkeit und Brüchigkeit für eine kommerzielle Nutzung als Schmuckstein zu empfindlich, das heißt, er könnte bei den für Löt- und Fassarbeiten nötigen Wärme-, Schlag- und Druckbelastungen leicht zerstört werden. Wegen seiner relativ geringen Mohshärte ist er auch als Ring- und Armschmuck nicht geeignet, da er schnell verkratzen würde.[13]
Edward S. Dana:Preliminary notice of beryllonite, a new mineral. In: American Journal of Science. Band136, 1888, S.290–291 (englisch, rruff.info[PDF; 223kB; abgerufen am 10.Oktober 2022]).
Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.206.
Cally Hall:Edelsteine: mehr als 130 Arten aus aller Welt. Dorling Kindersley, Starnberg 2006, ISBN 978-3-8310-0891-9, S.118 (englisch: DK Handbooks: Gemstones. Übersetzt von Eva Dempewolf, Naturbibliothek).
Beryllonite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 10.Oktober 2022(englisch).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.425 (englisch).
123456789
Beryllonite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 10.Oktober 2022]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Beryllonite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 10.Oktober 2022(englisch).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason und Abraham Rosenzweig:Danas New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, 1997, ISBN 0-471-19310-0 (englisch).