Eosphorit bildet mit Childrenit (Fe2+Al[(OH)2|PO4]·H2O) eine Mischkristall-Reihe, daher ist bei natürlich gebildetem Eosphorit meist ein geringer Anteil des Mangans durch Eisen ersetzt (substituiert), weshalb die Formel in verschiedenen Quellen auch mit (Mn,Fe)Al[(OH)2|PO4]·H2O[8] angegeben wird.
In reiner Form ist Eosphorit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine rosa bis bräunliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Auf der Strichtafel hinterlässt er jedoch immer einen weißen Strich. Das Mineral entwickelt kurz- bis langprismatische Kristalle, die eine Länge von bis zu 20Zentimetern[5] erreichen können und deren Oberflächen einen glas- bis fettähnlichen Glanz aufweisen. Meist sind die Kristalle zu radialstrahligen bis kugeligen Mineral-Aggregaten gruppiert, ebenso kann das Mineral auch in derben, massigen Aggregaten auftreten.
Erstmals entdeckt wurde Eosporit im Steinbruch Branchville im Fairfield County des US-Bundesstaates Connecticut und beschrieben 1878 durch George Jarvis Brush und Edward Salisbury Dana, die das Mineral in Anlehnung an seine überwiegend rosa Farbe nach dem altgriechischen Wort Ἑωσφόρος [Eosphoros] („Bringer der Morgendämmerung“) für den Morgenstern benannten (siehe dazu auch Eos, griechische Göttin der Morgenröte und Mutter des Morgensterns)
Da der Eosporit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Eosporit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[10] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Eosporit lautet „Eos“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.14-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Eosphorit zusammen mit Childrenit und Ernstit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/D.14 bildet.[11]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Eosphorit die System- und Mineralnummer 42.07.01.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)5(XO4)3Zq × x(H2O)“ in der „Childrenitgruppe“, in der auch Childrenit, Ernstit und Sinkankasit eingeordnet sind.
Als Childro-Eosphorit wird ein Mischkristall aus Childrenit und Eosphorit bezeichnet, bei dem das Mischungsverhältnis 1:1 beträgt. Beschrieben wurde diese Varietät aus Hagendorf nahe der Marktgemeinde Waidhaus in Bayern.[13]
Als eher seltene Mineralbildung kann Eosphorit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand 2013) rund 120 Fundorte.[14] Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Eosphoritfunde ist unter anderem die Grube „João Modesto dos Santos“ in der Gemeinde Mendes Pimentel im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, wo gut ausgebildete Kristalle von bis zu 10Zentimeter Länge zutage traten.[15]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Argentinien, Australien, Brasilien, Finnland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Mosambik, Namibia, Pakistan, Portugal, Russland, Ruanda, Schweden, Spanien, Tschechien, Uganda und in weiteren Bundesstaaten der USA.[16]
Einige rosafarbene, geschliffene Eosphorite aus Brasilien
Eosphoritkristalle sind nur selten qualitativ hochwertig und mit einer Mohshärte von 5 auch nicht hart genug für eine kommerzielle Verwendung als Schmuckstein. Für Sammler werden sie dennoch gelegentlich in verschiedenen Schliffformen angeboten.[17]
George Jarvis Brush, Edward Salisbury Dana:On a new and remarkable mineral locality in Fairfield County, Connecticut; with a description of several new species occurring there. In: American Journal of Science and Arts. Band116, 1878, S.33–46 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 20.Juni 2025]).
Eosphorite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 20.Juni 2025(englisch).
12 Die ehemalige Bezeichnung dieser Raumgruppe lautete Ccma.
12345Giacomo Diego Gatta, Gwilherm Nénert, Pietro Vignola:Coexisting hydroxyl groups and H2O molecules in minerals: A single-crystal neutron diffraction study of eosphorite, MnAlPO4(OH)2·H2O. In: American Mineralogist. Band98, 2013, S.1297–1301, doi:10.2138/am.2013.4438 (englisch, Preprint bei minsocam.org[PDF; 882kB; abgerufen am 20.Juni 2025]).
123456
Eosphorite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 20.Juni 2025]).
123456Eosphorite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 20.Juni 2025(englisch).
↑Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.504 (englisch).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.635.
↑Localities for Eosphorite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 20.Juni 2025(englisch).
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8.
↑
Fundortliste für Eosphorit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 20. Juni 2025.
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.234.