Pollucit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt selten kubische, dodekaedrische oder trapezförmigeKristalle bis zu 12cm Größe, meist aber abgerundete, massive Körner und ist farblos, weiß oder grau, manchmal auch pink, violett oder blau gefärbt.
Pollucit wurde erstmals 1846 von August Breithaupt in der TyplokalitätSan Piero in Campo auf der italienischen Insel Elba gefunden. Er nannte das Mineral nach der griechischen Sagengestalt Pollux zunächst Pollux, später wurde der Name auf Pollucit geändert. Der Grund für die Wahl dieses Namens liegt darin, dass das Mineral stets mit Petalit vergesellschaftet ist, das er dementsprechend Kastor nannte.[5] Das Mineral wurde von C.F. Plattner auch chemisch untersucht, da jedoch das enthaltene Element Caesium noch nicht bekannt war, bestimmte er das Mineral irrtümlich als stark kaliumhaltig.[6]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Pollucit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Analcim, Hsianghualith, Leucit und Wairakit sowie dem 1997 diskreditierten Viséit die „Analcim-Leucit-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/F.02 bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/J.27-20. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Pollucit zusammen mit Analcim, Faujasit-Ca, Faujasit-Mg, Faujasit-Na, Kirchhoffit, Paulingit-Ca, Paulingit-K, Paulingit-Na und Wairakit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.[3]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[7]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Pollucit in die neue und präziser definierte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach Struktur der Silikat-Gerüste, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten von einfach verbundenen Vierer-Ringen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Ammonioleucit, Analcim, Hsianghualith, Leucit, Lithosit und Wairakit die „Analcimgruppe“ mit der System-Nr. 9.GB.05 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Pollucit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier ist er zusammen mit Analcim, Hsianghualith, Laumontit und Wairakit in der „Analcim und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Echte Zeolithe“ zu finden.
Da Pollucit zu den eher seltenen Mineralbildungen gehört, kann er an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 170 Fundstätten dokumentiert (Stand 2022).[8]
Pollucite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 113kB]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.703 (englisch).
↑C. F. Plattner:Chemische Untersuchung zweier neuen, vom Herrn Prof. Breithaupt mineralogisch bestimmten Mineralien von der Insel Elba. In: Annalen der Physik und Chemie. Band69, 1846, S.443–447 (gallica.bnf.fr[abgerufen am 7.September 2022]).