Karpholith kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem entwickelt feinnadelige bis prismatische Kristalle, die meist in büscheligen bis radialstrahligen Mineral-Aggregaten angeordnet sind, was auch die Ursache für den seidenähnlichenGlanz des Minerals ist. Die Kristalle selbst sind durchscheinend und von strohgelber Farbe, die gelegentlich ins Wachsgelbe bis Bräunlichgelbe übergeht. Aufgrund der Aggregatbildung erscheint das Mineral allerdings undurchsichtig.
Erstmals entdeckt wurde Karpholith bei Horní Slavkov (deutsch Schlaggenwald) in der tschechischen Region Karlovarský kraj (Karlsbad, Böhmen) und beschrieben 1817 durch Abraham Gottlob Werner. Er benannte das Mineral aufgrund seiner charakteristischen Farbe und seiner büscheligen Aggregatform nach den altgriechischen Worten χαρφος karphos für Stroh und λίθος lithos für Stein, daher auch das deutsche SynonymStrohstein.[10]
Da der Karpholith bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Karpholith als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Karpholith lautet „Car“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Karpholith die System- und Mineralnummer 65.01.05.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ in der „Karpholithgruppe“, in der auch Ferrokarpholith, Magnesiokarpholith, Balipholit, Kaliumkarpholith und Vanadiokarpholith eingeordnet sind.
Vor dem Lötrohr bläht sich Karpholith auf, wenn die Flamme an die Enden der Fasern gehalten wird. Zudem ist das Mineral sehr spröde und zerspringt leicht mit splitterigem Bruch.[10]
Karpholith ist auch in konzentrierter und erhitzter Salzsäure unlöslich.[14]
Als seltene Mineralbildung konnte Karpholith nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher knapp 30 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2014).[16] Außer an seiner Typlokalität Horní Slavkov (Schlaggenwald) trat das Mineral in Tschechien nur noch im nahe gelegenen Schacht „Huber“ bei Krásno nad Teplou (deutsch Schönfeld) auf.
In Deutschland kennt man Karpholith bisher nur aus dem Sengelbachtal bei Biesenrode und aus Wippra (Sangerhausen) in Sachsen-Anhalt. Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist die Tea Alp nahe Martina GR im Kanton Graubünden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Belgien, Brasilien, China, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Kasachstan, Polen, Rumänien, Spanien, der Türkei, im Vereinigten Königreich (England) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Idaho).[17]
Abraham Gottlob Werner:Abraham Gottlob Werner’s letztes Mineral-System. Aus dessen Nachlasse auf oberbergamtliche Anordnung herausgegeben und mit Erläuterungen versehen. Hrsg.: Johann Carl Freiesleben. Craz und Gerlach und Carl Gerold, Freiberg und Wien 1817, S.43–44, 38) Karpholith (rruff.info[PDF; 166kB; abgerufen am 10.Dezember 2024]).
Josef Steinmann:Chemische Untersuchung des Karpholiths. In: Johann Salomo Christoph Schweigger (Hrsg.): Neues Journal für Chemie und Physik in Verbindung mit mehreren Gelehrten herausgeben. Band25, Heft 1. Schrag’sche Buchhandlung, Nürnberg 1819, S.413–424 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
W. Lindemann, R. Wögerbauer, P. Berger:Die Kristallstruktur von Karpholith (Mn0.97Mg0.08FeII0.07)(Al1.90FeIII0.01)Si2O6(OH)4. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1979, S.282–287.
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.527.
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.237.
Carpholite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 11.Dezember 2024(englisch).
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.622 (englisch).
12 Die ehemalige Bezeichnung dieser Raumgruppe lautete Ccca.
12345
Carpholite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 76kB; abgerufen am 10.Dezember 2024]).
1234Carpholite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 10.Dezember 2024(englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.527.
12Abraham Gottlob Werner:Abraham Gottlob Werner’s letztes Mineral-System. Aus dessen Nachlasse auf oberbergamtliche Anordnung herausgegeben und mit Erläuterungen versehen. Hrsg.: Johann Carl Freiesleben. Craz und Gerlach und Carl Gerold, Freiberg und Wien 1817, S.43–44, 38) Karpholith (rruff.info[PDF; 166kB; abgerufen am 10.Dezember 2024]).
↑Josef Steinmann:Chemische Untersuchung des Karpholiths. In: Johann Salomo Christoph Schweigger (Hrsg.): Neues Journal für Chemie und Physik in Verbindung mit mehreren Gelehrten herausgeben. Band25, Heft 1. Schrag’sche Buchhandlung, Nürnberg 1819, S.413–424;hier:415 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 10.Dezember 2024]).