Chloritoid kristallisiert je nach Polytyp im triklinen oder monoklinen Kristallsystem und entwickelt durch Zwillingsbildung pseudohexagonale tafelige Kristalle. Meist bildet er eher grobblättrige Mineral-Aggregate mit gekrümmten oder gebogenen Kristallblättern aus. In seltenen Fällen können diese auch zu rosettenförmigen Aggregaten angeordnet sein. Daneben findet sich auch derbe Massen.
Das durchscheinende Mineral ist von dunkelgrauer oder grünlichgrauer bis grünlichschwarzer Farbe. Im Dünnschliff kann er auch farblos wirken. Im Gegensatz zu seiner Körperfarbe ist seine Strichfarbe jedoch weiß bis gräulich und allenfalls sehr blass grünlich.
Entdeckt wurde das Mineral erstmals durch den deutschen Mineralogen Karl Gustav Fiedler, als er während einer Studienreise zum Ural in Russland auf der Suche nach dem dortigen Fundort von Diaspor war. In einigen Klüften und Gängen im Marmor-Steinbruch (Mramorne), der sich einige Werst von Kosoibrod (auch Kosoi Brod)[2.1] und Jekaterinburg entfernt in der Oblast Swerdlowsk befand, konnte Fiedler neben Diaspor, Pyrophyllit und Monazit auch ein bisher unbekanntes Mineral sammeln, das sich auf den Proben verwachsen mit Diaspor zeigte. Da es dem bereits bekannten Chlorit farblich sehr ähnlich sieht (griechischχλωρόςchloros „grün“), in seinen Eigenschaften aber eher zu den „Spaten“ (Gruppe leicht spaltbarer Minerale) gehörte, bezeichnete Fiedler das neue Mineral entsprechend als Chloritspath.[2.2]
Seinen bis heute gültigen Namen Chloritoid erhielt das Mineral 1835 von August Breithaupt, der es in seiner Abhandlung Neue specifische Gewichte von Mineralien und anderen Körpern als „Fiedler’s Chloritoid“ bezeichnete.[9]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[10]
Da der Chloritoid bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Chloritoid als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Chloritoid lautet „Cld“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/B.24-020. Dies entspricht der Abteilung „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen“, wo Chloritoid ebenfalls zusammen mit Magnesiochloritoid und Ottrélith eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/B.24 bildet.[5]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Chloritoid die System- und Mineralnummer 52.03.03.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und O, OH, F und H2O“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen nur in [6]-Koordination“ in der „Chloritoidgruppe“, in der auch Magnesiochloritoid, Ottrélith und Carboirit eingeordnet sind.
In der idealen, chemisch reinen Zusammensetzung von Chloritoid (FeAl2O(SiO4)(OH)2) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Eisen (Fe) und Silicium (Si) sowie je zwei Teilen Aluminium (Al) und Wasserstoff (H) und sieben Teilen Sauerstoff (O) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 22,169Gew.-%Fe, 21,422Gew.-%Al, 11,149Gew.-%Si, 44,459Gew.-%O und 0,800Gew.-%H.[12]
In natürlichen Chloritoid-Proben kann allerdings je nach Bildungsbedingungen und Stofftransport die Zusammensetzung der Hauptkomponenten in geringem Umfang abweichen. Zudem kann Chloritoid geringe Anteile an formelfremden Beimengungen enthalten wie Magnesium, Mangan und/oder Titan.[7]
Chloritoid-2M kristallisiert in der monoklinen RaumgruppeC2/c(Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a=9,48Å; b=5,48Å; c=18,18Å und β=101,7° sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6]
Als relativ seltene Mineralbildung kann Chloritoid an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 400 Vorkommen für Chloritoid dokumentiert (Stand 2025).[14] Außer an seiner Typlokalität in der Grube Kosoibrod oder Kosoi Brod in der Oblast Swerdlowsk trat das Mineral in Russland noch am Bolschoi-Schatak-Kamm nahe Belorezk in der Republik Baschkortostan, an mehreren Stellen im Maldynyrd-Gebirge in der Republik Komi, in der Goldmine Olimpiada im Jenissei-Gebirge in der Region Krasnojarsk, in der Kupfer-Gold-Silber-Lagerstätte Orojok im Rajon Srednekanski (russischСреднека́нский райо́н) in der Oblast Magadan und in den aluminiumhaltigen Glimmerschiefern des Keiwy-Gebirges auf der Halbinsel Kola in der Oblast Murmansk auf.
In Deutschland sind Chloritoidfunde bisher nur aus dem Tuff-Steinbruch Hüttenberg bei Glees im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, am Hochblauen bei Badenweiler in Baden-Württemberg, in der niedrig-metamorphen Wippraer Zone bei Sangerhausen und im Sengelbachtal bei Biesenrode im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt sowie in der Drandorf-Fundgrube an der Morgenleithe bei Lauter-Bernsbach in Sachsen dokumentiert.
In der Schweiz wurde Chloritoid an wenigen Stellen in der Region Surselva (Guraletschhorn, Ilanz/Glion, Medel-Curaglia) im Kanton Graubünden, am Lukmanierpass im Val Santa Maria und auf der Alpe Sponda im Val Chironico nahe Faido im Kanton Tessin sowie am Brunegg-Pass im Turtmanntal und an mehreren Orten in den Bezirken Goms und Visp im Kanton Wallis entdeckt.
Weitere Fundorte liegen unter anderen in Afghanistan, der Antarktis, Argentinien, Australien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Burundi, China, Ecuador, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Iran, Italien, Jamaika, Japan, Kanada, Kuba, Marokko, Neukaledonien, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Polen, Portugal, Ruanda, Rumänien, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tansania, Tschechien, Türkei, Uganda, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland) und den Vereinigten Staaten (Alaska, Arizona, Kalifornien, Massachusetts, Michigan, New Hampshire, New Mexico, North Carolina, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, Vermont, Virginia, Wisconsin und andere).[15]
Gustav Rose:Mineralogisch-geognostische Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere. Verlag der Sanderschen Buchhandlung, Berlin 1837, S.252–254, Der Chloritoid (online verfügbar bei archive.org– Internet Archive[abgerufen am 23.November 2025]).
R. H. Hanscom:Refinement of crystal structure of monoclinic chloritoid. In: Acta Crystallographica. B31, 1975, S.780–784 (englisch).
R. Hanscom:The structure of triclinic chloritoid and chloritoid polymorphism. In: American Mineralogist. Band65, 1980, S.534–539 (englisch, minsocam.org[PDF; 830kB; abgerufen am 17.November 2025]).
Chloritoid search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 17.November 2025(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.552 (englisch).
123456789
Chloritoid. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; abgerufen am 17.November 2025]).
123456Chloritoid.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 17.November 2025(englisch).
↑J. F. A. Breithaupt:Neue specifische Gewichte von Mineralien und anderen Körpen. In: Journal für Praktische Chemie. Band4, 1835, S.272–278;hier:276, 70) 3,557 Fiedler’s Chloritoid (online verfügbar bei archive.org– Internet Archive[abgerufen am 23.November 2025]).