Die Ortschaft Faido liegt auf 721m ü.M. am linken Ufer des Ticino (Fluss) und an der Strasse Airolo-Bellinzona in der Valle Leventina (Livinental). Es existiert eine Station der Gotthardbahn. Die Gemeinde umfasste bis vor wenigen Jahren nur den Talboden; inzwischen haben aber sämtliche früheren Gemeinden der mittleren Valle Leventina unterhalb des Piottino bis zur Biaschina mit Faido fusioniert.
Faido, historisches Luftbild von 1931, aufgenommen von Walter MittelholzerDer Bahnhof Faido gegen Ende des 19. JahrhundertsFaido. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1964)
Der Ort wurde 1171 als Faedo erstmals erwähnt. Entscheidend für die Entwicklung des Ortes sind die Lage in der Mitte der Leventina – dem Südzugang zum Gotthardpass – sowie zugleich am Fuss der Piottino-Schlucht, eines natürlichen Hindernisses, das beim Personen- und Warentransport einen Halt erforderte. Schon zur Zeit der Herrschaft Uris über die Leventina im 15. bis 18.Jahrhundert fungierte Faido als Hauptort des Tales – und bis heute ist es das Zentrum des Bezirks Leventina.
Im Frühjahr 2004 haben die Einwohner von Faido die Fusion ihrer Gemeinde mit Mairengo, Osco, Calpiogna, Campello, Rossura, Chiggiogna, Calonico, Anzonico, Cavagnago und Sobrio in einer Volksabstimmung angenommen. Da die meisten Gemeinden das Fusionsbegehren verwarfen, wurde die neue Gemeinde zunächst nur aus Faido, Chiggiogna, Rossura[5] und Calonico gebildet. Am 5. Juni 2005 wurde die neue Fusionsvorlage in einer Volksabstimmung angenommen, und auf den 29. Januar 2006 erfolgte der rechtskräftige Zusammenschluss.
Nachdem klar wurde, dass die Eigenständigkeit der weiteren Gemeinden wirtschaftlich nicht mehr tragbar war (Campello mit dem Skigebiet wurde direkt durch den Kanton verwaltet), fusionierte Faido am 1. April 2012 mit den verbliebenen Gemeinden Mairengo, Osco, Calpiogna, Campello, Chironico sowie mit Anzonico und Cavagnago. Durch die Fusion erhöhte sich die Einwohnerzahl von 1527 Einwohnern (Stand Ende 2005, alte Gemeinde) auf etwa 3000 Einwohner (neue Gemeinde Faido). Am 10. April 2016 fusionierte Faido mit Sobrio, das wie Anzonico und Cavagnago bisher im Kreis Giornico lag – womit nun alle ehemaligen Gemeinden der von Lavorgo her erschlossenen «Traverse» zu Faido gehören.
Faido bildet nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.[6][7] Auch die Fraktion Gribbio bildet eine eigenständige Bürgergemeinde.[8] In Calpiogna und Campello besteht die Degagna di Fichengo weiter.[9]
Der Bau der Nationalstrasse N2 (Autobahn A2) stellte die Gemeinde vor eine Bewährungsprobe, denn das offizielle Projekt sah eine offene Linienführung zwischen dem Dorfkern und dem Spital vor. Unterstützt durch Robert Steiner, Bauberater des Schweizerischen Heimatschutzes und Hans Marti, Delegierter für die Stadtplanung der Stadt Zürich, beide in der Kommission Hürlimann, gelang es, bei BundesratHans-Peter Tschudi eine Tunnellösung zu erwirken. Bei der Eröffnung wurden Bundesrat Roger Bonvin zum Ehrenbürger und Hans Marti zum Ehrengast ernannt.[12]
Grössere Arbeitgeber sind die Cooperativa Elettrica Faido (Elektrizitätsgenossenschaft)[13] – Faido war 1889 die erste Tessiner Gemeinde, die elektrisches Licht einführte – und die AlpTransit San Gottardo SA[14].
Marina Bernasconi Reusser: Monumenti storici e documenti d’archivio. I «Materiali e Documenti Ticinesi» (MDT) quali fonti per la storia e le ricerche sull’architettura e l’arte medievale delle Tre Valli. In: Archivio Storico Ticinese. 2. Serie, Nummer 148, Casagrande, Bellinzona 2010, S.215 Note, 223, 225, 232, 241.
Piero Bianconi, Arminio Janner: Faido. In: Arte in Leventina. Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1939, S.26, 30, 48, 63, 67; derselbe (Hrsg.): Faido. In: Inventario delle cose d’arte e di antichità. Le Tre Valli Superiori. Leventina, Blenio, Riviera. Grassi & Co., Bellinzona 1948, S.77, 79.
Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S.223, 298, 327, 402.
↑Bisher bei Rossura gehört gehört seit 2005 auch das Bergdorf Aldescio (Audesc) auf 1550mü.M. am Südhang oberhalb von Chiggiogna zu Faido.Mario Fransioli:Faido. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12.Januar 2017, abgerufen am 4.Februar 2020.
↑Faido.In:Bundesinventar der schützenswerter Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung.Bundesamt für Kultur BAK,2003,abgerufen am 30.Januar 2025.
12345Simona Martinoli u.a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S.129–131.