Da bei natürlich entstandenen Ottrélithen ein Teil des Mangans durch Eisen und/oder Magnesium ersetzt (substituiert) sein kann, wird die Formel gelegentlich auch mit (Mn2+,Fe2+,Mg)Al2[O|(OH)2|SiO4][4] angegeben, wobei die in den runden Klammern angegebenen Elemente sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten können, jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals stehen.
Ottrélith kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt nur selten gut ausgebildete, hexagonal-tafelige und durchscheinende Kristalle bis etwa vier Millimeter Größe. Meist findet er sich in Form unregelmäßiger Körner oder körniger Aggregate von grünlicher bis dunkelgrauer Farbe, die gelegentlich auch als Pistaziengrün beschrieben wird. Auch seine Strichfarbe ist grünlichgrau. Unverletzte Kristallflächen zeigen einen glasähnlichen Glanz. Auf Spaltflächen kann dieser allerdings fast diamantähnlich sein.
Benannt wurde das Mineral nach seiner Typlokalität Ottré und dem altgriechischen Wort λίθος lithos für „Stein“.
Da der Ottrélith bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Ottrélith als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Ottrélith lautet „Otr“.[1]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Ottrélith zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen (Neso-Subsilikate)“, wo er zusammen mit Chloritoid und Magnesiochloritoid die „Chloritoidgruppe“ mit der System-Nr. VIII/A’.10 bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/B.24-030. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen“, wo Ottrélith zusammen mit Chloritoid und Magnesiochloritoid die unbenannte Gruppe VIII/B.24 bildet.[5]
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Ottrélith in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und O, OH, F und H2O“ ein. Hier ist er zusammen mit Chloritoid, Magnesiochloritoid und Carboirit in der „Chloritoidgruppe“ mit der System-Nr. 52.03.03 innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen nur in [6]-Koordination“ zu finden.
Als seltene Mineralbildung konnte Ottrélith nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 60 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2023).[12] Neben seiner Typlokalität Ottré trat das Mineral in Belgien noch im Steinbruch „Tier des Carrières“ und bei Bihain (Gemeinde Vielsalm) im Stavelot-Massiv und im Steinbruch „Sur les Roches“ bei Bastogne in der Provinz Luxemburg sowie bei Rahier (Gemeinde Stoumont) in der Provinz Lüttich auf.
David Barthelmy:Ottrélite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 15.März 2023(englisch).
Ottrélite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF),abgerufen am 15.März 2023(englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.491.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.552 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678
Ottrélite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 80kB; abgerufen am 15.März 2023]).
12345Ottrélite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 15.März 2023(englisch).
↑Vaughan D. C. Daltry, Michel Deliens:The type mineralogy of Belgium. In: Annales de la Société géologique de Belgique. Band116, 1993, S.15–28 (englisch, popups.uliege.be[PDF; 1,2MB; abgerufen am 15.März 2023] Ottrélith/Ottrelite ab S. 20).