Dickit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt kleine, tafelige und pseudohexagonale Kristalle von wenigen Millimetern Durchmesser. Meist findet er sich in Form plattiger, erdiger oder massiger Mineral-Aggregate, wobei die aufeinander gestapelten Kristalltäfelchen gelegentlich ein bücherähnliches Aussehen haben. In reiner Form ist Dickit farblos und durchsichtig. Da es allerdings überwiegend in polykristalliner Ausbildung vorkommt, erscheint er aufgrund vielfacher Lichtbrechung meist weiß mit seidenähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Durch Fremdbeimengungen kann er aber auch eine gelbliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Erstmals entdeckt wurde Dickit im Bergwerk „Pant-y-Gaseg“ bei Amlwch auf der vor der Nordwestküste von Wales liegenden Insel Anglesey. Beschrieben wurde das Mineral erstmals durch den schottischen Metallurgen und Chemiker Allan Brugh Dick (1833–1926), der sich allgemein mit den Mineralen von Anglesey beschäftigte und deren Eigenschaften ausführlich beschrieb. 1930 griffen Clarence S. Ross und Paul F. Kerr seinen Bericht auf und benannten das neu entdeckte Mineral nach seinem Erstbeschreiber.
Da der Dickit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Dickit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Dickit lautet „Dck“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht bekannt.[6][8]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/H.25-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Dickit zusammen mit Halloysit, Kaolinit und Nakrit die „Kaolinitgruppe“ mit der Systemnummer VIII/H.25 bildet.[4]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Dickit die System- und Mineralnummer 71.01.01.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 1:1-Lagen“ in der „Kaolinitgruppe“, in der auch Kaolinit, Nakrit, Halloysit, Endellit und Odinit eingeordnet sind.
Dickit bildet mit Halloysit, Kaolinit und Nakrit eine polymorphe Serie[6], das heißt alle Minerale haben zwar dieselbe chemische Zusammensetzung, kristallisieren jedoch in unterschiedlichen Kristallsystemen oder innerhalb eines Kristallsystems in unterschiedlichen Raumgruppen.
Dickit bildet sich in Hohlräumen hydrothermalerGänge, wo er meist in Paragenese mit Quarz oder dessen Varietät Chalcedon sowie mit verschiedenen Carbonaten und/oder Sulfiden auftritt.
Als eher seltene Mineralbildung kann Dickit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher über 700 Vorkommen dokumentiert.[11] Neben seiner Typlokalität „Pant-y-Gaseg“ bei Amlwch (Wales) trat das Mineral im Vereinigten Königreich unter anderem noch an mehreren Stellen in den englischen Grafschaften Cornwall und Cumbria (England), bei Lochgilphead in der schottischen Region Strathclyde sowie an weiteren Orten in Wales wie beispielsweise im Neath Port Talbot und Rhondda Cynon Taf auf.
Bedeutende Mengen des Minerals wurden unter anderem bei Kara Čeku in Zentralkasachstan entdeckt.[12]
In Deutschland konnte das Mineral unter anderem im Wildschapbachtal und bei Triberg im Schwarzwald in Baden-Württemberg, bei Sankt Andreasberg in Niedersachsen, an mehreren Stellen im Bergischen Land, dem Ruhrgebiet, im Sauerland und Siegerland in Nordrhein-Westfalen, an vielen Stellen in der Eifel von Nordrhein-Westfalen bis Rheinland-Pfalz, an einigen Stellen im sächsischen Erzgebirge (Altenberg, Schneeberg) sowie bei Ronneburg und Weida in Thüringen gefunden werden.
In der Schweiz fand man das Mineral bisher in der Gemeinde Scuol, in Splügen (Gemeinde Rheinwald) und dem Val Renastga im Kanton Graubünden, in der „Grube Lengenbach“ im Binntal im Kanton Wallis und in Gesteinsproben nahe Airolo, die beim Bau des Gotthardtunnels untersucht wurden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Argentinien, Armenien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Ecuador, Frankreich, Georgien, Griechenland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, im Kosovo, in Kirgisistan, Luxemburg, Malaysia, Marokko, Mexiko, der Mongolei, den Niederlanden, in Neuseeland, Norwegen, Panama, Papua-Neuguinea, Peru, den Philippinen, in Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Serbien, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tadschikistan, der Türkei, Tschechien, der Ukraine, in Ungarn, Usbekistan, dem Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[13]
Clarence S. Ross, Paul F. Kerr:Dickite, a kaolin mineral. In: American Mineralogist. Band15, 1930, S.34–39 (englisch, rruff.info[PDF; 317kB; abgerufen am 30.Juni 2024]).
Cliff T. Johnston, Jozef Helsen, Robert A. Schoonheydt, David L. Bish, Stephen F. Agnew:Single-crystal Raman spectroscopic study of dickite. In: American Mineralogist. Band83, 1998, S.75–84 (englisch, rruff.info[PDF; 148kB; abgerufen am 2.Juli 2024]).
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.257.
Dickite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 1.Juli 2024(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.675 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Dickite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 30.Juni 2024(englisch).
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Dickite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 81kB; abgerufen am 1.Juli 2024]).
12345Dickite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 1.Juli 2024(englisch).
↑Localities for Dickite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 1.Juli 2024(englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.565.
↑
Fundortliste für Dickit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 1. Juli 2024.