Nakrit entwickelt meist erdige, schuppige oder massige Aggregate, selten auch kleine, tafelige, unregelmäßig pseudohexagonale Kristalle von weißer, grauer oder gelblichbrauner Farbe und perlmuttartigem Glanz.
In der Montanlandschaft Brand-Erbisdorf wurde mindestens seit dem 17. Jahrhundert nach Silber geschürft und 1850 wurde der Hörnigschacht (1518 erstmals erwähnt) zusammen mit anderen Gruben zur „Einigkeit Fundgrube“ zusammengeschlossen. Von der mittlerweile geschlossenen Grubenanlage existiert nur noch das zu einem Museum umgebaute Huthaus.[9] Neben Silber und Nakrit wurden in der Typlokalität noch weitere 25 Minerale entdeckt wie unter anderem die Bleiminerale Galenit und Pyromorphit, die Antimonsilberblende Pyrargyrit, der Antimonglanz Stibnit, die Zinkblende Sphalerit sowie die Schmuckminerale Opal, Quarz, Rhodochrosit und Schörl. Daneben fand man als Quarz-Varietäten noch den Chalcedon und dessen Untervarietät Jaspis.[10]
Da der Nakrit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Nakrit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Nakrit lautet „Ncr“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist bisher nicht dokumentiert (Stand 2024).[11]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/H.25-030. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Nakrit zusammen mit Dickit, Halloysit und Kaolinit die „Kaolinitgruppe“ mit der Systemnummer VIII/H.25 bildet.[7]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Nakrit die System- und Mineralnummer 71.01.01.03. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 1:1-Lagen“ in der „Kaolinitgruppe“, in der auch Dickit, Kaolinit, Halloysit, Endellit und Odinit eingeordnet sind.
Als seltene Mineralbildung konnte Nakrit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 130 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2024).[14] Neben seiner Typlokalität Grube Einigkeit bei Brand-Erbisdorf trat das Mineral in Deutschland noch in einigen weiteren Bergwerken im sächsischen Erzgebirge zutage. Weitere Fundorte sind unter anderem Schweighausen im Schwarzwald in Baden-Württemberg; Bad Berneck, Joditz und Wölsendorf (Schwandorf) in Bayern, Sankt Andreasberg im niedersächsischen Harz, die Zechen Zollverein, Julia und Wilder Mann in Nordrhein-Westfalen, Bad Ems und Dannenfels in Rheinland-Pfalz, die Grube Korb bei Eisen (Nohfelden) im Saarland sowie Ronneburg und im Steinbruch Henneberg bei Weitisberga in Thüringen.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Algerien, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, China, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, der Demokratischen Republik Kongo, Mexiko, Namibia, Polen, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien, Ukraine, Ungarn, in Großbritannien (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[15]
Auch in Mineralproben vom Schlotfeld „Seven Sisters“ am Kolbeinsey-Rücken nahe dem gleichnamigen vulkanischen Felsen nördlich von Island konnte Nakrit nachgewiesen werden.[15]
Nacrite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 6.Juli 2024(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.675 (englisch).
↑David Barthelmy:Nacrite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 3.Mai 2019(englisch).
1234
Nacrite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 75kB; abgerufen am 6.Juli 2024]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Nacrite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 6.Juli 2024(englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.565.
↑Localities for Nacrite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 6.Juli 2024(englisch).
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Fundortliste für Nakrit (Nacrite) beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 6. Juli 2024.