Olivenit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist kurz- bis langprismatische Kristalle mit einem glas- bis diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Er kommt aber auch in Form nadeliger, radialstrahliger oder massiger Mineral-Aggregate vor. Das durchscheinende bis undurchsichtige Mineral ist meist von olivgrüner Farbe, kann aber je nach Fremdbeimengungen auch eine grünlichbraune bis braune, graugrüne bis graue oder grauweiße Farbe annehmen. In faseriger Ausbildung kann Olivenit auch eine strohgelbe Farbe annehmen und schimmert eher seiden- bis perlmuttähnlich. Im Gegensatz zu seiner Körperfarbe ist seine Strichfarbe immer hellgrün.
Mit einer Mohshärte von 3 gehört Olivenit zu den mittelharten Mineralen, die sich wie das Referenzmineral Calcit (Härte 3) mit einer Kupfermünze ritzen lassen.
Dunkelolivgrüner, nadelig ausgebildeter Olivenit aus der Typlokalität Carharrack (Größe5,4cm×4,5cm×2,9cm)
Erstmals entdeckt wurde Olivenit in der „Carharrack Mine“ bei Gwennap in der englischen Grafschaft Cornwall (Vereinigtes Königreich).
Analysiert und beschrieben wurde das Mineral erstmals 1786 durch Martin Heinrich Klaproth, der es zunächst nur als Arseniksaures Kupfererz bezeichnete.[9] Auch Abraham Gottlob Werner beschrieb dieses „aus Cornwall“ stammende Mineral 1789 und gab ihm den Namen Olivenerz in Anlehnung an dessen oft charakteristisch olivgrüne Farbe, die der gleichnamigen Frucht im unreifen Stadium gleicht.
Seinen bis heute gültigen Namen erhielt der Olivenit erst 1820 durch Robert Jameson, der den von Werner gewählten Namen internationalisierte.
Da der Olivenit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Olivenit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Olivenit lautet „Oli“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial ist nicht dokumentiert.[10]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Olivenit die System- und Mineralnummer 41.06.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)2(XO4)Zq“ in der „Olivenitgruppe“ mit der Systemnummer 41.06.06, in der auch Libethenit, Adamin, Eveit, Zincolibethenit und Zinkolivenit eingeordnet sind.
Strohgelber Olivenit in nadeliger, radialstrahliger Ausbildung aus der Typlokalität „Carharrack Mine“ (Sichtfeld etwa 1 × 0,7mm)Olivenit (schwarzgrün) und Duftit (hellgrün) aus der Tsumeb Mine, Namibia (Größe: 5,6 × 3,3 × 2,1cm)
Als relativ seltene Mineralbildung kann Olivenit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 600 Vorkommen für Olivenit dokumentiert (Stand 2025).[12] Außer an seiner Typlokalität in der „Carharrack Mine“ bei Gwennap trat das Mineral im Vereinigten Königreich (Großbritannien) noch an vielen weiteren Orten und Minen in der Grafschaft Cornwall auf, so unter anderem bei Callington, Gunnislake, Camborne, Illogan, Redruth, Liskeard, St Hilary, St Austell, St Just in Penwith und Wadebridge. Weitere Fundorte in England befinden sich in Cheshire, Cumbria, Devon und Leicestershire. Auch bei Leadhills in Schottland sowie in Ceredigion und Powys in Wales fand sich Olivenit.[13] Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Olivenitfunde sind zudem Wheal Gorland in Cornwall und Tavistock in Devon, wo perfekt ausgebildete Kristalle mit bis zu einem Zentimeter Durchmesser zutage traten.[14]
In Österreich wurde das Mineral unter anderem in den Karawanken in Kärnten, im Schwarzleograben der Salzburger Gemeinde Leogang, in der Kupferlagerstätte der steiermarker Gemeinde Flatschach sowie an mehreren Orten im nördlichen Tirol gefunden.
O. M. R. Klaproth:Chemische Untersuchung der Arseniksauren Salzsauren und Phosphorsauren Kupfererze. In: Der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin, neue Schriften. Band3. Berlin 1801, S.307 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 12.September 2025]).
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.161.
Olivenite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 12.September 2025(englisch).
12Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.444 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Olivenite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 11.September 2025(englisch).
1234Chen Li, Hexiong Yang and Robert T. Downs:Redetermination of olivenite from an untwinned single-crystal. In: Acta Crystallographica. E64, 2008, S.i60–i61 (englisch, rruff.info[PDF; 247kB; abgerufen am 11.September 2025]).
12345678
Olivenite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 12.September 2025]).
12345Olivenite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 11.September 2025(englisch).
↑Arseniksaures Kupfererz. A synonym of Olivenite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 12.September 2025(englisch,References: Klaproth (1786): Schriften der Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin: 7: 160).