Tarbuttit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt meist flächenreiche, isometrische bis kurzprismatische oder pseudokubische Kristalle bis etwa zwei Zentimeter Größe. Er kommt aber auch in Form garbenförmiger Mineral-Aggregate und krustiger Überzüge vor. In reiner Form ist Tarbuttit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine gelbliche, rötliche, grünliche oder bräunliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttartig.
Fast farbloser Tarbuttitkristall aus der Typlokalität „Kabwe Mine“ (Broken Hill Mine), Sambia (Gesamtgröße: 2,6×2,2×1,7cm)
Erstmals entdeckt wurde Tarbuttit in der „Kabwe Mine“ (Broken Hill Mine) nahe der gleichnamigen Stadt Kabwe in der Zentralprovinz von Sambia und beschrieben 1907 durch Leonard James Spencer (1870–1959), der das Mineral nach Percy Coventry Tarbutt benannte. Tarbutt war zu dieser Zeit Direktor der „Broken Hill Exploration Company“ und entdeckte das Mineral in der Nähe einer Höhle mit eiszeitlichen Mammutknochen.
Da der Tarbuttit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Tarbuttit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Tarbuttit lautet „Tbt“.[1]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Tarbuttit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen (OH etc.) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.):RO4 „kleinergleich“ 1:1“ zu finden ist, wo es als Namensgeber die „Tarbuttitgruppe“ mit der System-Nr. 8.BB.35 und dem weiteren Mitglied Paradamin bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Tarbuttit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er zusammen mit Paradamit in der „Tarbuttitgruppe“ mit der System-Nr. 41.06.07 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)2(XO4)Zq“ zu finden.
In der (theoretisch) idealen Zusammensetzung von Tarbuttit (Zn2[OH|PO4]) besteht das Mineral im Verhältnis aus je zwei Zink-Kationen (Zn2+) sowie einem Phosphat-Anion ((PO4)3−) mit je einem Phosphor- (P) und vier Sauerstoff-Atomen (O) und einem Hydroxidion ((OH)−) mit einem Sauerstoff- und einem Wasserstoff-Atom (H).
Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 53,88Gew.-%Zn, 12,76Gew.-%P, 32,95Gew.-%O und 0,42Gew.-%H[11] oder in der Oxidform von 67,05Gew.-%Zinkoxid (ZnO), 29,024Gew.-%Phosphorpentoxid (P2O5) und 3,71Gew.-%Wasser (H2O).[5]
Die Analyse des Typmaterials der natürlichen Mineralbildung ergab dagegen eine leicht abweichende Zusammensetzung von 66,6Gew.-%ZnO, 29,2Gew.-%P2O5 und 3,8Gew.-%H2O, was der empirischen Formel Zn1,98(PO4)0,99(OH)1,02 entspricht.
Eine chemisch ähnliche Mineralprobe, die am Reaphook Hill in der Flinderskette in Südaustralien gesammelt wurde, ergab die Zusammensetzung 66,9Gew.-%ZnO, 30,3Gew.-%P2O5 und 2,6Gew.-%H2O sowie zusätzlich geringe Fremdbeimengungen von 0,06Gew.-%Siliciumdioxid (SiO2), 0,04Gew.-%Calciumoxid (CaO), 0,03Gew.-%Magnesiumoxid (MgO), 0,02Gew.-%Eisen(II)-oxid (FeO), 0,01Gew.-%Mangan(II)-oxid (MnO) und 0,01Gew.-%Schwefeltrioxid (SO3). Ermittelt wurden diese Werte mithilfe der Elektronenstrahlmikroanalyse anhand von 10 Messungen und die daraus resultierende empirische Formel unter Vernachlässigung der Beimengungen ergibt sich zu Zn1,96(PO4)0,96(OH)0,70.[6]
Die Kristallstruktur besteht aus Ketten kantenverknüpfter Baugruppen von ZnO3(OH)2, die trigonale Dipyramiden parallel [010] bilden sowie Dimere von zwei kantenverknüpften ZnO3(OH) trigonalen Dipyramiden. Beide Baugruppen und das RO4-Tetraeder sind über die Ecken miteinander verbunden und bilden ein 3-dimensionales Gerüst.
Rosettenförmiger, grüner Tarbuttit aus der „Skorpion Mine“, Rosh Pinah, Namibia (Sichtfeld 3 cm)Pseudomorphose von Skorpionit nach Tarbuttit aus der „Skorpion Mine“, Rosh Pinah, Namibia (Größe: 3,2×2,9×1,8cm)
Als sehr seltene Mineralbildung konnte Tarbuttit bisher nur in wenigen Proben aus weltweit rund 10 Fundorten nachgewiesen werden (Stand 2023).[12] Seine Typlokalität „Kabwe Mine“ ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Sambia.
L. J. Spencer:Societies and Academies: Mineralogical Society. In: Nature. Band76, 1907, S.215 (englisch, rruff.info[PDF; 148kB; abgerufen am 19.September 2023]).
L. J. Spencer:On hopeite and other zinc phosphates and associated minerals from Broken Hill mines, North-Western Rhodesia. In: Mineralogical Magazine. Band15, 1908, S.1–38 (englisch, rruff.info[PDF; 1,8MB; abgerufen am 19.September 2023]).
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.645.
Tarbuttite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 19.September 2023(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.444 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Tarbuttite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 19.September 2023]).
12345Tarbuttite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 19.September 2023(englisch).