Messelit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt tafelige bis lamellenförmige Kristalle mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Meist sind diese zu radialstrahligen, halbkugel- bis kugeligen oder garbenförmigen Mineral-Aggregaten bis etwa 1,5cm Größe angeordnet. Das Mineral kann aber auch in körnigen Massen auftreten.
In reiner Form kann Messelit farblos und durchsichtig sein. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung ist er jedoch überwiegend durchscheinend weiß oder nimmt durch Fremdbeimengungen eine blassgrünlichweiße, grünlichgraue oder rosa Farbe an.
Entdeckt wurde Messelit zuerst im ehemaligen Ölschiefer-Tagebau und der heute als Fossilienfundort bekannten Grube Messel im hessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1889 durch Wilhelm Muthmann, der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte.
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[9]
Da der Messelit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Messelit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Messelit lautet „Msl“.[1]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Messelit in die Abteilung der „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplexe zum Wassergehalt, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen; RO4:H2O=1:1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Anorthoroselith, Cassidyit, Collinsit, Fairfieldit, Gaitit, Hillit, Nickeltalmessit, Parabrandtit und Talmessit die „Fairfielditgruppe“ mit der Systemnummer 8.CG.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Messelit die System- und Mineralnummer 40.02.02.02. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“, wo das Mineral zusammen mit Anorthoroselith, Cassidyit, Collinsit, Fairfieldit, Gaitit, Hillit, Nickeltalmessit, Parabrandtit und Talmessit die „Fairfieldit-Untergruppe (Triklin: P1)“ bildet.
Bei natürlichen Messeliten, in deren Zusammensetzung ein Teil des Eisens durch Mangan (Mn) ersetzt ist, weicht der Massenanteil der Komponenten entsprechend ab. Bei einem Verhältnis von Fe:Mn=3:1 betragen die Massenanteile beispielsweise 52,63Gew.-%O, je 10,53Gew.-%Ca und P, 3,95Gew.-%Fe, 1,32Gew.-%Mn und 21,05Gew.-%H.[11]
Daneben können bei natürlichen Messelitfunden auch Fremdbeimengungen wie unter anderem Magnesium (Mg) enthalten sein.[4]
Die Verbindung Ca2Fe2+(PO4)2·2H2O[2] (andere Schreibweise auch Ca2Fe(PO4)2(H2O)2) ist dimorph und kommt in der Natur neben dem triklin kristallisierenden Messelit noch als ebenfalls triklin, aber mit anderen Gitterparametern kristallisierender Dondoellit (IMA2021-048[3]) vor.
Daneben existiert mit Anapait (Ca2Fe2+(PO4)2·4H2O[3]) noch ein höher wasserhaltiges Mineral, genauer ein Tetrahydrat des Calcium-Eisen-Phosphats.
Radialstrahliges Kristall-Aggregat aus der Grube MesselWeißer Messelit mit grünem Arrojadit-(KFe) aus der Palermo-Mine Nr. 1 bei Groton (New Hampshire), USA
Als seltene Mineralbildung konnte Messelit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 50 Vorkommen dokumentiert sind.[12] In Deutschland trat das Mineral außer an seiner Typlokalität in der Grube Messel noch in der nahe gelegenen Grube Prinz von Hessen sowie im Corneliaschacht Hagendorf-Süd (auch Grube Cornelia) in der Oberpfalz und am Hennenkobel (auch Hühnerkobel) nahe Zwiesel (Bayerische Wald) in Niederbayern auf.[13]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Brasilien, Finnland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Marokko, Norwegen, Russland, Schweden, Spanien, Tschechien, der Ukraine und in den Vereinigten Staaten von Amerika (Connecticut, Maine, New Hampshire, North Carolina, South Dakota, Utah).[13]
W. Muthmann:Messelit, ein neues Mineral. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band17, 1890, S.93–94 (rruff.info[PDF; 197kB; abgerufen am 7.November 2024]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band44, 1959, S.464–470, New Data. Messelite, Neomesselite (englisch, rruff.info[PDF; 444kB; abgerufen am 7.November 2024]).
F. Čech, K. Padera:Messelit aus den Phosphatnestern im Granit bei Přibyslavice (Böhmen) und das Messelitproblem. In: Chemie der Erde. Band19, Nr.4, 1958, S.436–449.
Messelite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 7.November 2024(englisch).
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Messelite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; abgerufen am 7.November 2024]).
12Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.483 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Michel Fleck, Uwe Kolitsch:Natural and synthetic compounds with kröhnkite-type chains. An update. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band218, 2003, S.553–567, doi:10.1524/zkri.218.8.553.20689 (englisch).
12345Messelite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 7.November 2024(englisch).