In reiner Form ist Goyazit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine graue, rosa bis violette, zitronengelbe, orange oder braune Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist jedoch immer weiß.
Flagge des namensgebenden brasilianischen Bundesstaates Goiás (ehemals Goyaz)
Goyazit wurde erstmals bei Diamantina im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais entdeckt. Analysiert und beschrieben wurde das Mineral 1884 von Augustin Alexis Damour, der es nach der benachbarten, für ihre diamanthaltigen Flusssande bekannte Provinz Goiás (ehemals Goyaz) benannte.[10]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht bekannt.[11]
Ein von L. van Wambeke erstbeschriebenes Mineral mit dem Namen Lusungit stellte sich bei neueren Analysen des Typmaterials zur Erstbeschreibung von Kintoreit 1995 als identisch mit Goyazit heraus und wurde diskreditiert.[12] Ebenfalls identisch mit Goyazit ist das 1905 von Richard Harrison Solly (1851–1925)[13] erstbeschriebene Mineral Bowmanit (nach Professor Herbert Lister Bowman, 1874–1942).[14] Ähnliches gilt für den Hamlinit, der von William Earl Hidden (1853–1918)[15][16] und Samuel Lewis Penfield 1890 nach Augustus Choate Hamlin (1839–1905) benannt[17] und 1915 von Waldemar Theodore Schaller in Goyazit umbenannt wurde.[18] Alle drei Namen gelten seitdem als Synonym für Goyazit.
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Goyazit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Crandallit, Dussertit, den hier noch als ein Mineral geltenden Florencit, Gorceixit, Plumbogummit und Waylandit die „Crandallit-Reihe“ mit der System-Nr. VII/B.15 bildete.
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte[19]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Goyazit in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen(OH usw.) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen; (OH usw.):RO4=3:1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Arsenocrandallit, Arsenogorceixit, Arsenogoyazit, Benauit, Crandallit, Dussertit, Gorceixit, Kintoreit, Philipsbornit, Plumbogummit, Segnitit und Springcreekit die „Crandallitgruppe“ mit der System-Nr. 8.BL.10 bildet.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Crandallit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Auch hier in der „Crandalitgruppe“ mit der System-Nr. 42.07.03 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)5(XO4)3Zq×x(H2O)“ zu finden.
Goyazit und Siderit (dunkelgrau) aus Rapid Creek, Yukon, KanadaPerfekt ausgebildeter, pseudokubischer und zitronengelber Goyazit aus Ilfeld im Thüringer Harz (Sichtfeld: 0,4 mm)
Als eher seltene Mineralbildung kann Goyazit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 200 Fundstätte dokumentiert (Stand2022).[20] Außer an seiner Typlokalität in der Umgebung von Diamantina trat das Mineral in Brasilien noch an mehreren Stellen des Jequitinhonha-Tals, den Alkali-Komplexen in der Gemeinde Poços de Caldas und bei Barreiro in Minas Gerais, in der Serra da Vereda bei Boquira in Bahia, in den Karbonatiten der Gruben von Catalão in Goiás, in der Phosphat-Lagerstätte „Pirocaua“ bei Godofredo Viana in Maranhão sowie in den Gemeinden Viseu in Pará, Frei Martinho in Paraíba und Correia Pinto in Santa Catarina auf.
In Österreich wurde das Mineral bisher unter anderem in den Gemeinden Reißeck (Kolbnitz, Penk) und Spittal an der Drau (Liesertal, Wolfsberg) in Kärnten, am Katschberg zwischen Kärnten und Salzburg sowie an mehreren Stellen in der Gemeinde Krieglach und am Galgenberg bei Leoben in der Steiermark gefunden.
In der Schweiz trat Goyazit bisher nur in einer Topasfundstelle im Val Renastga (Surselva) im Kanton Graubünden, bei Aquila und auf der Alp Robièi im Kanton Tessin sowie in der Umgebung von Termen, am Ofenhorn und bei Fäld (Grube Lengenbach) im Kanton Wallis auf.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Burundi, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Indonesien, Iran, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kenia, der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar, Malawi, Namibia, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Serbien, Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Tansania, Tunesien, Uganda, Ukraine, Usbekistan, Venezuela, im Vereinigten Königreich (England, Schottland), den Vereinigten Staaten von Amerika (Arkansas, Colorado, Kalifornien, Maine, New Hampshire, New Mexico, North Carolina, South Dakota, Utah, Virginia, Wyoming) und Vietnam.[21]
A. A. Damour:Note sur un nouveau phosphate d'alumine et de chaux, des terrains diamantifères. In: Bulletin de la Société Minéralogique de France. Band7, 1884, S.204–205 (französisch, rruff.info[PDF; 152kB; abgerufen am 1.Mai 2022]).
Toshio Kato:Further refinement of the goyazite structure. In: Mineralogical Journal. Band13, 1987, S.390–396 (englisch, rruff.info[PDF; 224kB; abgerufen am 1.Mai 2022]).
Goyazite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 1.Mai 2022(englisch).
12Charles Palache, Harry Berman, Clifford Frondel:The System of Mineralogy of James Dwight Dana and Edward Salisbury Dana. 7. Auflage. Band2. John Wiley & Sons, New York u. a. 1951, S.834–835.
↑P. Bayliss, Uwe Kolitsch, Ernest H. Nickel, A. Pring:Alunite supergroup: recommended nomenclature. In: Mineralogical Magazine. Band74, 2010, S.919–927 (englisch, rruff.info[PDF; 216kB; abgerufen am 1.Mai 2022]).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.462 (englisch).
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Goyazite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 66kB; abgerufen am 1.Mai 2022]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Goyazite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 5.Mai 2022(englisch).
↑A. A. Damour:Note sur un nouveau phosphate d'alumine et de chaux, des terrains diamantifères. In: Bulletin de la Société Minéralogique de France. Band7, 1884, S.204–205 (französisch, rruff.info[PDF; 152kB; abgerufen am 1.Mai 2022]).
↑A. Pring, W. D. Birch, J. Dawe, M. Taylor, M. Deliens, Kurt Walenta:Kintoreite, PbFe3(PO4)2(OH,H20)6, a new mineral of the jarosite-alunite family, and lusungite discredited. In: Mineralogical Magazine. Band59, März 1995, S.143–148 (englisch, rruff.info[PDF; 354kB; abgerufen am 2.Mai 2022]).
↑L. J. Spencer:Biographical notices of mineralogists recently deceased (Third series). In: Mineralogical Magazine. Band21, Nr.117, 1927, S.252 (englisch, rruff.info[PDF; 4,7MB; abgerufen am 2.Mai 2022]).
↑R. H. Solly:Some new minerals from the Binnenthal, Switzerland. In: Mineralogical Magazine. Band14, Nr.64, 1905, S.72–82 (englisch, rruff.info[PDF; 463kB; abgerufen am 2.Mai 2022] Bowmanit S. 80).
↑George F. Kunz:William Earl Hidden. In: American Mineralogist. Band4, Nr.8, 1919, S.100 (englisch, minsocam.org[PDF; 255kB; abgerufen am 4.Mai 2022]).
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↑William Earl Hidden, Samuel L. Penfield:On hamlinite, a new rhombohedral mineral from the herderite locality at Stoneham, Me. In: American Journal of Science. Band s3–39, Nr.234, 1890, S.511–513, doi:10.2475/ajs.s3-39.234.511 (englisch, online verfügbar bei semanticscholar.org[PDF; 103kB; abgerufen am 4.Mai 2022]).
↑Hamlinite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 4.Mai 2022(englisch).