Talmessit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt kleine Kristalle bis etwa drei Millimeter Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Meist findet er sich in radialstrahligen, faserigen Mineral-Aggregaten, stalaktitischen Formen oder krustigen Überzügen. In reiner Form ist Talmessit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen von Cobalt eine rosarote bis bräunlichrosa beziehungsweise von Nickel eine blassgrüne Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.
Erstmals entdeckt wurde Talmessit in der Talmessi Mine bei Anarak in der iranischen Provinz Isfahan. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch Pierre Bariand (1933–2021) und P. Herpin, die es nach dessen Typlokalität benannten. Nach Anerkennung durch die International Mineralogical Association (IMA) wurde die Erstbeschreibung 1960 im französischen Fachmagazin Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie veröffentlicht.
1956 veröffentlichten L. K. Jachontowa und G. A Sidorenko (russischЛ. К.Яхонтова, Г. А Сидоренко) die Erstbeschreibung zweier Minerale, die als Arsenat-Belovit und Phosphat-Belovit bezeichnet wurde. Die Bestätigung der Erstbeschreibung bei der Vorstellung der neuen Mineralnamen 1957 durch Michael Fleischer enthielt allerdings eine zur Diskussion gestellte Anmerkung, dass es offensichtlich gültige Mineralarten seien, die Daten jedoch nicht ausreichten, um sie der monoklinen Roselithgruppe oder der triklinen Fairfielditgruppe zuzuweisen. Auch sei die Nomenklatur völlig unbefriedigend, da die gewählten Namen bei isostrukturellen Mineralen verwendet werden sollten. Das Argument der Mineralverwandtschaft sei dagegen nicht überzeugend und es sei daher wünschenswert eine Entscheidung zu treffen, das eine Mineral als Belovit und das andere Mineral völlig anders zu bezeichnen.[11]
Spätere Analysen konnten zeigen, dass der von Bariand und Herpin beschriebene Talmessit mit dem von Jachontowa und Sidorenko als Arsenat-Belovit bezeichneten Mineral identisch waren. Da sie zudem mit dem von Nefedov 1953 beschriebenen Belovit übereinstimmten, wurden beide 1965 von der IMA diskreditiert.[12] Für den Talmessit wurde die Entscheidung revidiert, nachdem Formel und Struktur 1977 neu definiert wurden.[13] In dem 1987 herausgegebenen neuen „Verfahren der IMA-Kommission für neue Mineralien und Mineralnamen und Richtlinien zur Mineraliennomenklatur“ (englischProcedures involving the IMA Commission on New Minerals and Mineral Names and guidelines on mineral nomenclature) wurde eine Liste von zuvor von der IMA/CNMNC anerkannten und diskreditierten Mineralnamen angehängt. Diese bestätigte die offizielle Anerkennung von Talmessit und Diskreditierung von Arsenat-Belovit.[14] Talmessit wird seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1985s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[15]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Talmessit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen; RO4: H2O = 1: 1“ zu finden, wo es zusammen mit Anorthoroselith, Cassidyit, Collinsit, Fairfieldit, Gaitit, Hillit, Messelit, Nickeltalmessit und Parabrandtit die „Fairfielditgruppe“ mit der Systemnummer 8.CG.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Talmessit die System- und Mineralnummer 40.02.02.05. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O)“ in der „Fairfieldit-Untergruppe (Triklin: P-1)“, in der auch Fairfieldit, Messelit, Collinsit, Cassidyit, Gaitit, Anorthoroselith, Parabrandtit, Hillit und Nickeltalmessit eingeordnet sind.
Grünlicher, nickelhaltiger Talmessit aus Aït Ahmane, Distrikt Bou Azzer, Marokko (Sichtfeld5mm)Talmessit (kalkweise Kriställchen) auf Austinit (glänzende, graue Kristalle) aus der Gold Hill Mine, Deep Creek Mountains, Tooele County, Utah (Gesamtgröße:7,7cm×5,2cm×3,0cm)
Als seltene Mineralbildung konnte Talmessit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher etwas mehr als 50 Vorkommen[16] dokumentiert sind (Stand 2025). Seine Typlokalität Talmessi Mine bei Anarak ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort im Iran.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist Hirschentor, wo das Mineral bei einem Straßenaufschluss nahe Klippitztörl in Kärnten entdeckt wurde.
In der Schweiz kennt man das Mineral bisher nur aus der Grube Falotta bei Tinizong-Rona im Kanton Graubünden.
Л. К.Яхонтова, Г. А Сидоренко:О новом минерале арсенат-беловите. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band85, Nr.3, 1956, S.297–302 (russisch, englische Übersetzung: L. K. Yakhontova, G. A. Sidorenko: A new mineral – arsenate-belovite. In: Zapiski Vses. Mineralog. Obshch. (siehe Fleischer: New mineral names., 1957)).
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P. Bariand, P. Herpin:Un arséniate de calcium et de magnésium, isomorphe de la β rosélite. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band83, 1960, S.118–121 (französisch, rruff.info[PDF; 2,0MB; abgerufen am 13.August 2025]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band50, 1965, S.805–813;hier:813, Talmessite, Arsenate-belovite (both = Belovite of Nefedov, 1953) (englisch, rruff.info[PDF; 545kB; abgerufen am 13.August 2025]).
Michele Catti, Giovanni Ferraris, Gabriella Ivaldi:Hydrogen bonding in the crystalline state. Structure of talmessite, Ca2(Mg,Co)(AsO4)2·2H2O, and crystal chemistry of related minerals. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band100, 1977, S.230–236 (englisch, rruff.info[PDF; 570kB; abgerufen am 13.August 2025]).
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12345678Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.483 (englisch).
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123456Talmessite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 10.August 2025(englisch).
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