Hureaulith ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt meist tafelige bis kurzprismatische Kristalle mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen, kommt aber auch in Form faseriger oder massiger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist Hureaulith farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß oder grau erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine hellrosa bis rotviolette, bernsteinfarbene oder orange bis rote Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Das Typmaterial des Minerals wird in den Mineralogischen Sammlungen des Muséum national d’histoire naturelle (MHN) unter den Katalognummern 105.142 und 126.41 sowie der Mines ParisTech (auch École nationale supérieure des mines de Paris, ENSM) unter den Katalognummern 4526, 17704, 17706, 110.472, 50-387 und 105-54 aufbewahrt.[8][9]
Hureaulith war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Hureaulith theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. Die Schreibweise des Mineralnamens ist allerdings in älteren Publikationen uneinheitlich und oft in der Schreibweise mit Akut (Huréaulith) zu finden. Dies entspricht jedoch weder der ursprünglich von Aluaud publizierten Schreibweise des Namens noch den Vorgaben zur Mineralbenennung der IMA[10], nach der Minerale, die nach einem geographischen Fundort benannt wurden, darauf geachtet werden muss, dass die Schreibweise des Namens derjenigen an der Typlokalität entspricht. Mit der 2008 erfolgten Publikation „Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks“[11] wurden die unterschiedlichen Schreibweisen verschiedener Minerale bereinigt und die Schreibweise Huréaulith ist aufgrund des überflüssigen diakritischen Zeichens diskreditiert. Entsprechend wird das nun offiziell in Hureaulith (englischHureaulite) umbenannte Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 2007 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Hureaulith die System- und Mineralnummer 39.02.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige saure Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige saure Phosphate etc., H2(AB)5(XO4)4 × x(H2O)“ in der „Hureaulitgruppe“, in der auch Sainfeldit, Villyaellenit, Nyholmit und Miguelromeroit eingeordnet sind.
Als eher seltene Mineralbildung kann Hureaulith an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bisher (Stand 2014) gelten rund 120 Fundorte als bekannt.[13] Neben seiner Typlokalität Les Hureaux trat das Mineral in Frankreich noch in einigen Steinbrüchen bei Razès und bei Bessines-sur-Gartempe im Département Haute-Vienne (Region Limousin) zutage.
In Deutschland fand man Hureaulith unter anderem am Hennenkobel (Hühnerkobel) im Bayerischen Wald, bei Krennbruch im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau und bei Stützersdorf (Markt Tittling) im Landkreis Passau sowie in den Pegmatiten bei Hagendorf und in einer Silbergrube nahe Waidhaus im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab.
Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist das Ponte-Tal bei Brissago TI im Kanton Tessin.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Hureaulithfunde ist unter anderem Shingus in Pakistan, wo violette Kristalle von bis zu fünf Zentimeter Durchmesser entdeckt wurden.[14]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Brasilien, Finnland, Japan, Kasachstan, Madagaskar, Marokko, Mosambik, Namibia, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Ruanda, Spanien, Südafrika, Tschechien und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[15]
L. N. Vauquelin:Analyse de l’huraulite, minéral trouvé dans la commune d’Hureaux. In: Annales de Chimie et de Physique. Band3, 1825, S.302–307 (französisch, rruff.info[PDF; 344kB; abgerufen am 16.November 2022]).
F. Alluaud:Notices sur l'hétérosite, l'hureaulite (fer et manganèse phosphatés), et sur quelques autres minéraux du département de la Haute-Vienne. In: Anneles des Sciences Naturelles. Band8, 1826, S.334–354 (französisch, rruff.info[PDF; 703kB; abgerufen am 16.November 2022]).
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.640.
Hureaulite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 15.Mai 2026(englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.474 (englisch).
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Hureaulite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 16.November 2022]).
123456Hureaulite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 16.Dezember 2024(englisch).
↑Ernest H. Nickel, Joel D. Grice:The IMA Commission on New Minerals and Mineral Names: Procedures and Guidelines on Mineral Nomenclature. In: The Canadian Mineralogist. Band36, Nr.3, 1998, S.913–926, General Guidelines for Mineral Nomenclature (englisch, cnmnc.units.it[PDF; 336kB; abgerufen am 16.Dezember 2024]).
↑Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, 2008, S.133 (englisch, rruff.info[PDF; 2,8MB; abgerufen am 30.Mai 2019]).