stark:[5] X = grünlichgrau, grau bis rosarot Y, Z = tiefblutrot bis rotviolett Z = tiefblutrot bis rotviolett
Heterosit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der idealisierten Zusammensetzung Fe3+[PO4][2.1] und ist damit chemisch gesehen Eisen(III)-phosphat. Da Heterosit eine lückenlose Mischkristallreihe mit Purpurit (Mn3+[PO4][2.1]) bildet und deshalb in der Natur immer mit einem gewissen Anteil an Mangan in der Verbindung zu finden ist, wird die Formel von Heterosit allgemein auch mit (Fe3+,Mn3+)[PO4][6] angegeben.
Heterosit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, bildet jedoch keine sichtbaren Kristalle aus. Wie sein Verwandter Purpurit findet sich auch Heterosit üblicherweise in Form körniger bis massiger Aggregate von purpurrosa bis violetter, selten auch grünlichbrauner Farbe. Die Oberflächen frischer Proben weisen meist einen seidigenGlanz auf. Mit der Zeit kann die Farbe durch Verwitterung in ein dunkles Braun bis Bräunlichschwarz übergehen und die Oberflächen werden matt.
Erstmals entdeckt wurde Heterosit bei Les Hureaux nahe der Gemeinde Saint-Sylvestre im französischen Département Haute-Vienne. Wissenschaftlich beschrieben wurde er 1825 durch François Alluaud (1778–1866), der das Mineral nach dem griechischen Wort ἕτερος [heteros] für „abweichend“ benannte. Alluaud selbst gab keine Begründung für den gewählten Namen an. Da er allerdings zeitgleich ein weiteres, sekundäres Mangan-Eisen-Phosphat aus derselben Typlokalität beschrieb und offensichtlich nach dieser als Hureaulith ((Mn,Fe)5[(PO3OH)2|(PO4)2]·4H2O[2.2]) bezeichnete, wird vermutet, dass er den Heterosit in Anlehnung an seine abweichende chemische Zusammensetzung benannte.[4]
Da der Heterosit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Heterosit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[7] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Heterosit lautet „Het“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/A.02-050. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate [PO4]3−, ohne fremde Anionen“, wo Heterosit zusammen mit Ferrisicklerit, Karenwebberit, Lithiophilit, Marićit, Natrophilit, Purpurit, Sicklerit, Simferit und Triphylin eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/A.02 bildet.[3]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Heterosit in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Ferrisicklerit, Lithiophilit, Natrophilit, Purpurit, Sicklerit, Simferit und Triphylin die „Triphylingruppe“ mit der Systemnummer 8.AB.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Heterosit die System- und Mineralnummer 38.04.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., A+XO4“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 38.04.01, in der auch Purpurit eingeordnet ist.
In chemisch reiner Form von Heterosit (FePO4) besteht das Mineral aus je einem Teil Eisen (Fe) und Phosphor (P) sowie vier Teilen Sauerstoff (O) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 37,03Gew.-%Fe, 20,54Gew.-%P und 42,43Gew.-%O[11] oder in der Oxidform 52,94Gew.-%Fe2O3 und 47,06Gew.-%P2O5.[12]
Heterosit (violett) und Ferrisicklerit (braun) aus der Grube Palermo Nr. 1, Groton, Grafton County, New Hampshire, USAKristalline Masse aus Heterosit von seltener grünlichbrauner Farbe aus dem Steinbruch Black Mountain bei Rumford, Oxford County (Maine), USA (Größe48mm×42mm×18mm)
Heterosit bildet sich wie Purpurit überwiegend sekundär als krustenbildendes Oxidationsprodukt aus Triphylin (LiFe[PO3]) oder Lithiophilit (LiMn[PO3]). Selten kann er auch primär in Form körniger Massen in granitischen Pegmatiten entstehen.[13] Als Begleitminerale treten neben Triphylin bzw. Lithiophilit unter anderem noch Ferrisicklerit und viele andere sekundäre Phosphat-Minerale auf.
Als eher seltene Mineralbildung kann Heterosit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 230 Vorkommen dokumentiert (Stand 2025).[14] Neben seiner Typlokalität Les Hureaux trat das Mineral in Frankreich unter anderem noch an mehreren Orten nahe Razès, bei Montesquieu-des-Albères (Pyrénées-Orientales) sowie bei Auzat (Département Ariège) und im Vallée d’Aure (Département Hautes-Pyrénées) auf.
Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist das Pontetal nahe Brissago TI im Kanton Tessin.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Angola, Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Finnland, Italien, Kasachstan, Madagaskar, Marokko, Namibia, Polen, Portugal, Ruanda, Schweden, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[15]
F. Alluaud:Notices sur l'hétérosite, l'hureaulite (fer et manganèse phosphatés), et sur quelques autres minéraux du département de la Haute-Vienne. In: Anneles des Sciences Naturelles. Band8, 1826, S.334–354 (französisch, rruff.info[PDF; 721kB]).
L. C. Graton, W. T. Schauer:Über Purpurit, ein neues Mineral. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band9, 1906, S.433–438 (rruff.info[PDF; 342kB; abgerufen am 20.Oktober 2025]).
William Eventoff, Robert Martin, Donald R. Peacor:The crystal structure of heterosite. In: American Mineralogist. Band57, 1972, S.45–51 (englisch, rruff.info[PDF; 291kB; abgerufen am 20.Oktober 2025]).
Lyudmila M. Lyalina, Ekaterina A. Selivanova, Frédéric Hatert:Nomenclature of the triphylite group of minerals. In: European Journal of Mineralogy. Band35, 2023, S.427–437 (englisch, rruff.info[PDF; 1,5MB; abgerufen am 20.Oktober 2025]).
Heterosite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 20.Oktober 2025(englisch).
Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X (englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234567
Heterosite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 20.Oktober 2025]).
123456Heterosite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 20.Oktober 2025(englisch).