Reddingit ist das Mangan-Analogon zu Phosphoferrit (Fe2+3(PO4)2·3H2O[1]) und bildet mit diesem eine lückenlose Mischkristallreihe. Die Formel für Reddingit wird daher in verschiedenen Quellen auch mit (Mn,Fe2+)3[PO4]2·3H2O[3] angegeben. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente können sich dabei in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Das Mineral kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige oder pseudo-oktaedrischeKristalle, kommt aber auch in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle sind von hellrosa bis bräunlichgelber Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen glas- bis harzähnlichen Glanz. Selten werden auch farblose[8] bzw. durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung weiß erscheinende Reddingite gefunden. Auch die Strichfarbe des Minerals ist weiß.
Mit einer Mohshärte von 3 bis 3,5 gehört Reddingit zu den mittelharten Mineralen, dass sich ähnlich wie die Referenzminerale Calcit (Mohshärte 3) und Fluorit (4) mit einer Kupfermünze bzw. leicht mit einem Taschenmesser ritzen lässt.
Reddingit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Reddingit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1980 erfolgten Publikation Nomenclature of the phosphoferrite structure type von P. B. Moore, T. Araki und A. R. Kampf wurde unter anderem die Zusammensetzung von Reddingit neu definiert[10] und diese Neudefinition (englisch Redefinition, Rn) von der IMA/CNMNC anerkannt. Das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1980 s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Reddingit lautet „Rdd“.[2]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Reddingit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Landesit und Phosphoferrit die „Phosphoferrit-Reihe“ mit der System-Nr. VII/C.04 bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VII/C.08-020. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, ohne fremde Anionen“, wo Reddingit zusammen mit Correianevesit, Garyansellit, Kryzhanovskit und Phosphoferrit die unbenannte Gruppe VII/C.08 bildet.[4]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Reddingit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis vom Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex zum enthaltenen Kristallwasser, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; RO4:H2O=1:1,5“ zu finden ist, wo es zusammen mit Garyansellit, Kryzhanovskit, Landesit und Phosphoferrit die „Phosphoferritgruppe“ mit der System-Nr. 8.CC.05 bildet.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Reddingit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltige Phosphate etc.“ ein. Auch hier ist er in der „Phosphoferritgruppe“ mit der System-Nr. 40.03.02 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit (A2+)3(XO4)2 × x(H2O)“ zu finden.
Als seltene Mineralbildung konnte Reddingit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 30 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2023).[13] Neben seiner Typlokalität Branchville/Redding trat das Mineral in den Vereinigten Staaten (USA) noch im Steinbruch Strickland bei Collins Hill im Middlesex County in Connecticut sowie an verschiedenen Orten in den Bundesstaaten Maine, New Hampshire und South Dakota zutage.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind unter anderem die Ranquel Pegmatite im argentinischen Departamento Coronel Pringles, mehrere Orte im Docetal (Doce valley) des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais, die Viitaniemi Pegmatite in der Umgebung der ehemaligen Gemeinde Eräjärvi (heute Orivesi) in Finnland, die phosphatreichen Granitpegmatite bei Yukiiri nahe der Stadt Kasumigaura auf der japanischen Insel Honshū sowie Bendada (Guarda), Meixedo (Viana do Castelo) und Regada nahe der Stadt Mangualde (Viseu) in Portugal.[14]
George J. Brush, Edward S. Dana:On a new and remarkable mineral locality in Fairfield County, Connecticut; with a description of several new species occurring there. First Paper. In: American Journal of Science and Arts. Band116, 1878, S.33–46,114–123 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 17.März 2023]).
G. J. Brush, E. S. Dana, H. L. Wells:On the mineral locality at Branchville, Connecticut: Fifth paper. In: American Journal of Science. Band134, 1890, S.201–216 (englisch, rruff.info[PDF; 2,8MB; abgerufen am 17.März 2023]).
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.640.
Reddingite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 17.März 2023(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.477 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678
Reddingite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 17.März 2023]).
123456Reddingite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 17.März 2023(englisch).
↑P. B. Moore, T. Araki, A. R. Kampf:Nomenclature of the phosphoferrite structure type: refinements of landesite and kryzhanovskite. In: Mineralogical Magazine. Band43, 1980, S.789–795 (englisch, rruff.info[PDF; 427kB; abgerufen am 17.März 2023]).