Strengit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt unterschiedliche Kristallformen, wobei allerdings oktaedrische und nach der c-Achse gestreckte, leistenartige Formen dominieren. Diese können mehrere Zentimeter lang werden und zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz. Daneben finden sich auch faserige, traubige und kugelige Mineral-Aggregate.
In reiner Form ist Strengit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine rosa bis violette, pfirsichblüten- bis karminrote oder grünlichweiße Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.
Erstmals entdeckt wurde Strengit in Mineralproben aus der Grube Eleonore bei Gießen im Biebertal in Hessen. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral 1877 durch August Nies, der es nach seinem Lehrer und Professor der Mineralogie Johann August Streng benannte.
Da der Strengit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Strengit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[10] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Strengit lautet „Stg“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Strengit die System- und Mineralnummer 40.04.01.02. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“ Hier findet sich das Mineral in der „Variscitgruppe“, in der auch Skorodit, Mansfieldit, Variscit und Yanomamit eingeordnet sind.
Die Verbindung Fe3+[PO4]·2H2O ist dimorph und kommt neben der orthorhombischen Modifikation Strengit noch als monoklin kristallisierender Phosphosiderit vor.[7]
Kugeliger Strengit (rosa) und Rockbridgeit (grün) aus der Grube „Leveäniemi“ bei Svappavaara, Lappland, Schweden (Größe: 3,5 × 2,8 × 2,6 cm)Zartrosa leistenförmige Strengitkristalle auf „sonnenförmigen“ Kakoxenkristallen vom Indian Mountain, Cherokee County, Alabama, USA (Sichtfeld 6,1 × 4,6 mm)
In Österreich konnte Strengit bisher nur im Ganztal (Mürzzuschlag) und am Höllkogel in der Gemeinde Alpl (Krieglach) sowie am Herzogberg in der Gemeinde Edelschrott und der Umgebung der Rotte Teigitschgraben (beide Bezirk Voitsberg) in der Steiermark gefunden werden.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Strengitfunde ist unter anderem die „Bull Moose Mine“ bei Custer im US-Bundesstaat South Dakota, wo violette Kristalle von bis zu fünf Millimetern Größe zutage traten.[12]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Finnland, Frankreich und Französisch-Guayana, Iran, Italien, Japan, Kamerun, Kanada, Liberia, Madagaskar, Malaysia, Mali, Marokko, Mexiko, Namibia, Portugal, Ruanda, Rumänien, Russland, Schweden, Senegal, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien, Uruguay, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[13]
K. Taxer, H. Bartl:On the dimorphy between the variscite and clinovariscite group: refined finestructural relationship of strengite and clinostrengite, Fe(PO4)·2H2O. In: Crystal Research and Technology. Band39, Nr.12, 2004, S.1080–1088, doi:10.1002/crat.200410293 (englisch).
Strengite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 10.August 2026(englisch).
1234567Strengite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 10.August 2026(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.478 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Strengite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 10.August 2026(englisch).
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Strengite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 10.August 2026]).
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.174–175.
↑
Fundortliste für Strengit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 10. August 2026.