Yanomamit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt idiomorphe, dipyramidale Kristalle mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Meist findet er sich jedoch in Form krustiger Überzüge oder ist selbst epitaktisch mit Skorodit (Fe3+[AsO4]·2H2O[3]) überwachsen. In reiner Form ist Yanomamit farblos und durchsichtig. Durch Fremdbeimengungen nimmt er aber meist eine gelbe, gelblichgrüne oder hellgrüne Farbe an, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Gruppe von Yanomamitkristallen aus der Typlokalität „Mangabeira“
Erstmals entdeckt wurde Yanomamit in der Zinn-Indium-Lagerstätte „Mangabeira“ am Monte Alegre de Goiás im brasilianischen Bundesstaat Goiás. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Nilson F. Botelho, Guy Roger, Ferdinand d'Yvoire, Yves Moëlo und Marcel Volfinger, die das Mineral nach den im Amazonasbecken lebenden Yanomami-Indianern benannten, in dem auch das Fundgebiet liegt.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1990 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1990-052[1]), die den Yanomamit als eigenständige Mineralart anerkannte. Publiziert wurde die Erstbeschreibung 1994 im Fachmagazin European Journal of Mineralogy.
Das Typmaterial des Minerals wird im Mines ParisTech (auch École nationale supérieure des mines de Paris, ENSM) in Paris unter der Sammlungsnummer 54608 und in der Mineralogischen Sammlung des Instituto de Geociências der Universidade de Brasilia (Kürzel IGUB; Sammlungsnummer hier dokumentiert) aufbewahrt.[8][9]
Da der Yanomamit erst 1990 als eigenständige Mineralart anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Yanomamit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis vom Phosphat-, Arsenat- beziehungsweise Vanadatkomplex (RO4) zum Kristallwassergehalt (H2O), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; RO4:H2O=1:2“ zu finden, wo es zusammen mit Mansfieldit, Redondit, Skorodit, Strengit und Variscit die „Variscitgruppe“ mit der Systemnummer 8.CD.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Yanomamit die System- und Mineralnummer 40.04.01.05. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A3+XO4 × x(H2O)“ in der „Variscitgruppe“, in der auch Variscit, Strengit, Skorodit und Mansfieldit eingeordnet sind.
Yanomamitkristalle, überkrustet von einer dünnen Schicht aus klarem, grünem Skorodit. Dunkelbraune Kristalle sind Kassiterit. Die Matrix besteht aus Topas und Quarz. Länge der Matrix im Sichtbereich: 20 mm
Die bisher einzigen weiteren bekannten Vorkommen sind die Aveleiras Mine und die Tibães Mine in der Gemeinde Mire de Tibães im Norden Portugals (Stand 2024).[11]
Nilson F. Botelho, Guy Roger, Ferdinand d'Yvoire, Yves Moëlo, Marcel Volfinger:Yanomamite, InAsO4·2H2O, a new indium mineral from topaz-bearing greisen in the Goiás Tin Province, Brazil. In: European Journal of Mineralogy. Band6, 1994, S.245–254 (englisch, rruff.info[PDF; 902kB; abgerufen am 22.Februar 2024]).
Yanomamite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 22.Februar 2024(englisch).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.478 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678
Yanomamite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 22.Februar 2024]).
↑Yanomamite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 24.Februar 2024(englisch).
↑Nilson F. Botelho, Guy Roger, Ferdinand d'Yvoire, Yves Moëlo, Marcel Volfinger:Yanomamite, InAsO4·2H2O, a new indium mineral from topaz-bearing greisen in the Goiás Tin Province, Brazil. In: European Journal of Mineralogy. Band6, 1994, S.248 (englisch, rruff.info[PDF; 902kB; abgerufen am 22.Februar 2024]).