Der Ferrari Luce ist ein 2026 vorgestelltes Elektroautomobilmodell des italienischen Automobilherstellers Ferrari. Der Luce ist das erste vollelektrische Serienfahrzeug der Marke und zugleich ihr erstes Modell mit fünf Sitzplätzen.[1]
Der Luce wurde erstmals am 9. Oktober 2025 auf dem Capital Markets Day der Marke vorgestellt.[2] Das Modell stellt einen deutlichen Einschnitt für Ferrari dar, da die Marke über Jahrzehnte besonders mit benzinbetriebenen Sportwagen und deren Motorengeräusch verbunden war.[1] Ursprünglich als Elettrica bezeichnet, wurde am 9. Februar 2026 der offizielle Name Luce bestätigt.[3] „Luce“ bedeutet auf Italienisch „Licht“ und wird etwa „Luh-tsche“ ausgesprochen.[4] Mit der Bestätigung des Namens wurden auch einige Interieur-Details gezeigt.[5]
Das Exterieur wurde am 25. Mai 2026 in Rom enthüllt.[6] Bei der Gestaltung wich Ferrari von seiner jüngeren Praxis ab und holte externe Unterstützung durch LoveFrom ein, die 2019 von Jonathan Ive und Marc Newson gegründete Designagentur.[4] Die Entwicklungsziele wurden vom Ferrari Design Studio vorgegeben, das Design dann aber gemeinsam mit der kalifornischen Kreativwerkstatt LoveFrom entwickelt.[7] Einige Websites beschreiben den Luce als eine Mischung aus Shooting Brake, Kombi und Limousine; das Modell ist ein Viertürer mit gegenläufig öffnenden hinteren Türen.[8] Der Wagen verfügt über vier Türen und fünf Sitze, was ihn deutlich von Ferraris klassischen zwei- bis viersitzigen, zweitürigen Sportwagen abhebt.[9]
Technisch setzt der Luce auf eine neu entwickelte 800-Volt-Architektur und vier Elektromotoren.[9] Als maximale Leistung werden 772kW (1050PS) angegeben. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h, liegt bei rund 2,5 Sekunden; die Höchstgeschwindigkeit beträgt 310km/h.[10] Der Preis wurde bei der Öffnung der Bestellbücher mit rund 550.000 Euro beziehungsweise 640.000 US-Dollar angegeben.[4] Die Markteinführung ist für 2026 geplant.[11]
Chassis 0
Ferrari ordnete den Luce nicht als Ersatz für seine bisherigen Antriebskonzepte ein, sondern als zusätzliches Modell innerhalb einer weiterhin gemischten Strategie.[9] Vorstandschef Benedetto Vigna betonte nach der Kritik, Ferrari werde Verbrenner, Hybridfahrzeuge und Elektroautos parallel anbieten.[9] Bis 2030 erwartet Ferrari nach korrigierten Planungen, dass 20 Prozent der Modellpalette rein elektrisch und 40 Prozent hybrid sein werden; ein früheres Ziel hatte den Anteil rein elektrischer Modelle mit 40 Prozent angesetzt.[4] Nach Angaben des Unternehmens gab es unmittelbar nach der Vorstellung bereits starkes Interesse und Anzahlungen von Kunden.[9] Der erste Wagen (Chassis 0) wurde bei der Monterey Car Week im August 2026 für 40 Millionen US-Dollar durch Herbert Wertheim ersteigert.[12]
Die Vorstellung des Luce löste eine außergewöhnlich heftige öffentliche Debatte aus.[9] Die Kritik richtete sich vor allem gegen das Design, das wegen seiner rundlichen Form und der Abkehr vom typischen Ferrari-Erscheinungsbild polarisierte.[4] In sozialen Medien wurde der Luce unter anderem mit dem deutlich günstigeren Nissan Leaf und mit chinesischen Elektrofahrzeugen verglichen.[1] Der frühere Ferrari-Vorsitzende Luca Cordero di Montezemolo warnte, Ferrari riskiere damit die „Zerstörung einer Legende“.[4] Auch der italienische Verkehrsminister Matteo Salvini kritisierte das Modell öffentlich und stellte infrage, ob es noch wie ein Ferrari wirke.[1] Nach der Präsentation verlor die Ferrari-Aktie zeitweise mehr als acht Prozent.[9]
Gleichzeitig wurde der Luce nicht nur negativ aufgenommen: Einzelne Beobachter lobten etwa die Ingenieursleistung, das Interieur und die Beschleunigung des Modells.[4] Analysten deuteten den Luce als Versuch, neue Käufergruppen für die Marke zu erschließen, insbesondere jüngere Luxus-EV-Kunden sowie Kundschaft in China und im Technologieumfeld.[9] Die starke Polarisierung wurde auch als mögliches Kalkül interpretiert, weil das Modell Ferrari weltweit erhebliche Aufmerksamkeit verschaffte.[1]