Der Williams FW14B war seinem Vorgängermodell, dem Williams FW14 sehr ähnlich. Der Hauptunterschied lag darin, dass das Auto eine aktive Radaufhängung eingebaut hatte. Diese funktionierte am Anfang mechanisch, nach einer Weiterentwicklung elektronisch. Mit der elektronischen Variante war es möglich, die Bodenfreiheit während der Fahrt zu regulieren. Zudem konnte das Team, sobald die Fahrer Unter- oder Übersteuern plagte, die Einstellungen des Autos verändern.
Der deutlichste sichtbare Unterschied zwischen dem FW14 und dem FW14B waren zwei bauchige Auswölbungen an den vorderen Schubstreben, die die aktive Fahrwerkstechnologie enthielten.[1] Der FW14B hatte außerdem eine längere Nase.
Das Auto wurde von einem anfangs von einem Renault-R3S3-V10-Motor angetrieben, ab dem GP von Ungarn wurde das Nachfolgemodell RS4 eingesetzt.[1] Das Aggregat hatte einen Hubraum von 3,5 Litern und wog rund 140 Kilogramm. Er war gegenüber der Konkurrenz zwar schwerer, aber auch leistungsfähiger, hatte einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch, war einfach ins Auto einzubauen und sehr zuverlässig.
Der Williams FW14B besaß eine Traktionskontrolle, die über eine (für heute betrachtet) einfache Software gesteuert wurde. Weiters hatte der Wagen über ein halbautomatisches Sechsganggetriebe, welches man bereits im Vorgängermodell eingesetzt hatte. Anfangs war dieses Getriebe nicht sehr zuverlässig, aber es erwies sich nach dem Beheben der Probleme als nahezu unabdingbar, denn damit war es möglich, vier- bis fünfmal schneller den Gang zu wechseln.
Das Fahrzeug bestand aus einem Einrumpf-Chassis, das aus einem Verbundwerkstoff aus Kohlefasern und Kevlar angefertigt war. Das Chassis hatte deshalb wenig Gewicht, war trotzdem sehr solide und sorgte für gute Sicherheit der Fahrer. Der Anpressdruck wurde durch die leicht hochgezogene Front und die neu geformten Seitenkästen verbessert.
Die Lackierung des Fahrzeugs erfolgte in Weiß, Gelb und Blau der Sponsoren Canon, Labatt’s und Camel. Weitere Kleinsponsoren waren auf den Autos zu sehen. Mansell fuhr mit der roten Startnummer 5 (red five) und Patrese mit der weißen Nummer 6.
Der FW14B war in der Saison 1992 das dominierende Auto, und Mansell sicherte sich den Fahrertitel mit einem damaligen Rekord von neun Saisonsiegen, Patrese erzielte beim Großen Preis von Japan einen weiteren Sieg. Patrese gefiel das neue Auto nicht so gut wie der FW14, da er die passive Federung des alten Chassis bevorzugte, während der erhöhte Abtrieb des FW14B Mansells aggressivem Fahrstil viel besser entgegenkam. Das Auto war im Vorjahr beim Großen Preis von Australien erstmals einsatzbereit, doch Mansell hatte sich entschieden, dort im Rennen den regulären FW14 zu verwenden.
Die technische Überlegenheit des Williams FW14B führte dazu, dass es in der Saison 1992 viele Rennen gab, bei denen Mansell und Patrese vor allem in den ersten Runden zwei Sekunden pro Runde auf das restliche Feld gutmachten, wodurch der FW14B sogar dem nächst stärksten Auto, dem McLaren MP4/7A, weit überlegen war. Ein weiteres Beispiel für Williams’ Dominanz in diesem Jahr war das Qualifying zum Großen Preis von Großbritannien in Silverstone, wo Mansells Runde für die Pole-Position ganze zwei Sekunden schneller war als die von Patrese, der wiederum eine Sekunde schneller war als der drittplatzierte Ayrton Senna.
Nigel Mansell holte 108 Punkte und gewann überlegen vor Patrese (56 Pt.) mit dem FW14B den einzigen Weltmeistertitel seiner Karriere. Insgesamt stellte Mansell folgende Rekorde auf: Zu Beginn der Saison gewann er mit dem FW14B fünf Rennen in Folge, 14 Mal fuhr er Bestzeit im Qualifying und gewann insgesamt neun Große Preise. Williams war mit 164 Zählern (vor McLaren mit 99 Pt.) der klare Sieger der Konstrukteursmeisterschaft 1992.
Der Williams FW14B von Riccardo Patrese beim GP von Monaco (1992)