Sederholmit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem, konnte aber bisher nur erzmikroskopisch in Form von Körnern in Clausthalit sowie eng vergesellschaftet mit Wilkmanit in Penroseit-Clustern gefunden werden. Die Oberflächen des in jeder Form undurchsichtigen (opake) und kupferrosafarbenen, auf polierten Flächen auch gelb bis orangegelb erscheinenden, Minerals zeigen einen metallischen Glanz.
Als natürliche Mineralbildung wurde Sederholmit erstmals zusammen mit Kullerudit, Mäkinenit, Trüstedtit und Wilkmanit in Mineralproben aus dem Kitka-Tal nahe Kuusamo in der finnischen Landschaft Nordösterbotten entdeckt und 1964 durch Yrjö Vuorelainen (1922–1988), A. Huhma und T. A. Häkli beschrieben. Sie benannten das Mineral nach dem finnischen Petrologen Jakob Johannes Sederholm (1863–1934), dem früheren Direktor der Geological Survey of Finland.[11]
Die offizielle Bestätigung der International Mineralogical Association (IMA) von Sederholmit als eigenständige Mineralart erfolgte 1967 mit einer Zustimmung der Commission on new Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) von über 60%.[12]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht bekannt.[5][13]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[14]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Sederholmit ebenfalls in die Abteilung der „Metallsulfide, M:S=1:1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Nickel (Ni), Eisen (Fe), Cobalt (Co) usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Achávalit, Breithauptit, Hexatestibiopanickelit, Jaipurit, Kotulskit, Langisit, Nickelin, Freboldit, Sobolevskit, Stumpflit, Sudburyit, Vavřínit und Zlatogorit die „Nickelingruppe“ mit der System-Nr. 2.CC.05 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Sederholmit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er in der „Nickelingruppe (Hexagonal: P63/mmc)“ mit der System-Nr. 02.08.11 innerhalb der Unterabteilung der „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ zu finden.
Der idealen (theoretischen) Zusammensetzung von Sederholmit (NiSe) zufolge besteht das Mineral aus Nickel (Ni) und Selen (Se) im Stoffmengenverhältnis von 1:1. Dies entspricht einem Massenanteil von 42,64Gew.-% Ni und 57,36Gew.-% Se.[15][16]
Die Analyse des Typmaterials aus Kuusamo in Finnland ergab dagegen eine leicht abweichende Zusammensetzung von 36,8Gew.-% Ni und 61,3Gew.-% Se sowie zusätzliche Beimengungen von 1,9 Gew.-% Cobalt (Co).[5]
Die Verbindung NiSe ist trimorph und kommt in der Natur neben dem hexagonal kristallisierenden Sederholmit (β-NiSe) noch als trigonal kristallisierender Mäkinenit (γ-NiSe) vor. Die amorphe Modifikation α-NiSe[11] ist bisher nur synthetisch bekannt.
Außer seiner Typlokalität Kitka-Tal und der Umgebung der nahe gelegenen Stadt Kuusamo in Nordösterbotten, Finnland ist bisher kein weiterer Fundort für Sederholmit dokumentiert (Stand 2022).[19]
Y. Vuorelainen, A. Huhma, A. Häkli:Sederholmite, wilkmanite, kullerudite, mäkinenite, and trüstedtite, five new nickel selenide minerals. In: Comptes Rendus de la Société Géologique de Finlande. Band36, 1964, S.113–125 (englisch, rruff.info[PDF; 650kB; abgerufen am 9.August 2020]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band50, 1965, S.519–522 (englisch, rruff.info[PDF; 322kB; abgerufen am 9.August 2020]).
Erling Røst, Egil Vestersjø:On the system Ni-Se-Te. In: Acta Chemica Scandinavica. Band22, 1968, S.2118–2134, doi:10.3891/acta.chem.scand.22-2118 (englisch, actachemscand.org[PDF; 1,4MB; abgerufen am 9.August 2020]).
Fredrik Grønvold:Heat capacities and thermodynamic properties of the Ni1-xSe phase from 298–1050°K. In: Acta Chemica Scandinavica. Band24, 1970, S.1036–1050, doi:10.3891/acta.chem.scand.24-1036 (englisch, actachemscand.org[PDF; 1,4MB; abgerufen am 9.August 2020]).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.85 (englisch).
↑Sederholmite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 9.August 2020(englisch).
123456
Sederholmite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 57kB; abgerufen am 9.August 2020]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Johannes-Erich Hiller, W. Wegener:Untersuchungen im System Nickel-Selen. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Abhandlungen. Band94, 1960, S.1147–1159.
12Y. Vuorelainen, A. Huhma, A. Häkli:Sederholmite, wilkmanite, kullerudite, mäkinenite, and trüstedtite, five new nickel selenide minerals. In: Comptes Rendus de la Société Géologique de Finlande. Band36, 1964, S.113–125 (englisch, rruff.info[PDF; 650kB; abgerufen am 9.August 2020]).
↑
Commission on new minerals and mineral names. In: International Mineralogical Association (Hrsg.): Mineralogical Magazine. Band36, 1967, S.131–136, New names approved by a large majority (60% or more) of the Commission. Sederholmite (englisch, rruff.info[PDF; 210kB; abgerufen am 9.August 2020]).