Kotulskit ist ein relativ selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der vereinfachten chemischen Zusammensetzung Pd(Te,Bi)[4] und damit chemisch gesehen ein Palladium-Tellurid mit Anteilen von Bismut. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Kotulskit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form winziger Körner und als Einschlüsse in anderen Mineralen gefunden werden. Das Mineral ist vollkommen undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der stahlgrauen, im Auflicht auf polierten Flächen auch cremefarbenen oder hellgelben, Körner einen metallischen Glanz. Aufgrund der geringen Probengröße konnte bisher keine Strichfarbe ermittelt werden.
Das Mineralogenteam um Genkin schickte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen zur Prüfung bei der International Mineralogical Association (IMA) ein, die den Kotulskit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung erfolgte 1963 im russischen Fachmagazin Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa (russischЗаписки Всесоюзного Минералогического Общества, englischZapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva) und noch im gleichen Jahr als Kurzbeschreibung bei der Publikation der New Mineral Names im englischsprachigen Fachmagazin American Mineralogist.
Die Bestätigung der Anerkennung des Minerals durch die „Commission on New Minerals and Mineral Names“ der IMA erfolgte erst in einem 1967 erschienenen und 129 Erstbeschreibungen der Jahre 1961 bis 1964 zusammenfassenden Report.[10] Infolgedessen besitzt Kotulskit keine IMA-Nummer, sondern wird unter der Summenanerkennung „IMA 1967 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/C.20-80. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Sulfide mit [dem Stoffmengenverhältnis] Metall:S,Se,Te≈1:1“, wo Kotulskit zusammen mit Breithauptit, Freboldit, Hexatestibiopanickelit, Langisit, Nickelin, Sederholmit, Sorosit, Stumpflit, Sudburyit und Vavřínit sowie im Anhang mit Cherepanovit, Polarit, Ruthenarsenit, Sobolevskit und Wassonit bildet.[4]
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Kotulskit ebenfalls in die Abteilung der „Metallsulfide, M:S=1:1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Nickel (Ni), Eisen (Fe), Cobalt (Co) usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Achávalit, Breithauptit, Freboldit, Hexatestibiopanickelit, Jaipurit, Langisit, Nickelin, Sederholmit, Sobolevskit, Stumpflit, Sudburyit, Vavřínit und Zlatogorit ebenfalls die „Nickelin-Gruppe“ mit der System-Nr. 2.CC.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana ist Kotulskit ebenfalls als Namensgeber der „Nickelingruppe (Hexagonal: P63/mmc)“ mit der System-Nr. 02.08.11 innerhalb der Unterabteilung der „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ zu finden.
Als eher seltene Mineralbildung kann Kotulskit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher etwas mehr als 140 Fundorte dokumentiert.[12] Außer an seiner Typlokalität in den Kupfer-Nickel-Vererzungen der Montschetundra nahe Monchegorsk trat das Mineral noch an vielen Stellen in der Oblast Murmansk auf wie unter anderem im Fedorovo-Pansky-Massiv und der Voltschetundra (engl. Volchetundra) sowie in den Verwaltungsbezirken (Oblast) Amur, Irkutsk, Kamtschatka, Chabarowsk, Krasnojarsk, Swerdlowsk, Transbaikalien und der Republik Karelien auf.
In Österreich ist mit der ehemaligen Grube Gaiswand mit Sulfid-Erzen in Chloritschiefer am Haidbachgraben im Felbertal nahe Mittersill im Salzburger Land bisher nur ein Fundort bekannt.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Botswana, Brasilien, China, der Elfenbeinküste, Finnland, Griechenland, Grönland, Indien, Kanada, der Demokratischen Republik Kongo, Marokko, Norwegen, auf der zu den Philippinen gehörenden Insel Luzon, Schweden, Simbabwe, Südafrika, Tansania, im Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika.[13]
А. Д. Генкин, Н. Н. Журавлев, Е. М. Смирнова:Мончеит и Котульскит – Новые минералы и состав Майченерита. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band92, Nr.1, 1963, S.33–50 (russisch, rruff.info[PDF; 2,0MB; abgerufen am 20.Dezember 2020] englische Transliteration: A. D. Genkin, N. N. Zhuravlev, E. M. Smirnova: Moncheite and kotulskite – new minerals – and the composition of michenerite. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.89 (englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Kotulskite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 60kB; abgerufen am 20.Dezember 2020]).
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Typlokalität Cu-Ni-Lagerstätte Monchegorsk, Monche-Tundra, Murmansk, Russland beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 20. Dezember 2020.
↑International Mineralogical Association: Commission on new minerals and mineral names:Ohne. In: Mineralogical Magazine. Band36, Nr.1, 1967, S.131–136 (englisch, rruff.info[PDF; 210kB; abgerufen am 20.Dezember 2020]).