Cherepanovit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, konnte bisher aber nur in Form winziger Körner bis etwa 0,5mm Größe gefunden werden. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der hellgrauen bis grauweißen Körner einen metallischen Glanz. Im Auflichtmikroskop erscheint die Farbe von Cherepanovit weiß mit orangem Stich. Seine Strichfarbe ist dagegen grauschwarz.
Erstmals entdeckt wurde Cherepanovit in einer Seifenlagerstätte am Fluss Pekulnei im gleichnamigen Pekulnei-Gebirge im Autonomen Kreis der Tschuktschen innerhalb des russischen Föderationskreises Ferner Osten. Die Erstbeschreibung erfolgte 1985 durch N. S. Rudashevsky, A. G. Mochalov, N. V. Trubkin, N. I. Shumskaya, V. I. Shkursky und T. L. Evstigneeva (russisch: Н. С. Рудашевский, А. Г. Мочалов, Н. В. Трубкин, Н. И. Шумская, В. И. Шкурский, Т. Л. Евстигнеева), die das Mineral nach dem russischen Geologen und Mineralogen Wladimir Aleksandrowitsch Tscherepanow (russisch Владимир Александрович Черепанов, 1927–1983, englisch Cherepanov) benannten.
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Cherepanovit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Metallsulfide, M:S=1:1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Nickel (Ni), Eisen (Fe), Cobalt (Co) usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Modderit, Ruthenarsenit und Westerveldit die „Westervelditgruppe“ mit der System-Nr. 2.CC.15 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Cherepanovit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er nur zusammen mit Ruthenarsenit in der unbenannten Gruppe 02.08.17 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ zu finden.
In der idealisierten (theoretischen) Zusammensetzung von Cherepanovit (RhAs) besteht das Mineral aus Rhodium (Rh) und Arsen (As) im Stoffmengenverhältnis von 1:1. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichts-%) von 57,87Gew.-%Rh und 42,13Gew.-%As.[10]
Die Mikrosondenanalysen (insgesamt 16) an natürlichen Mineralproben aus der Typlokalität Pekulnei in Russland ergaben allerdings eine leicht abweichende Zusammensetzung von 54,6 bis 57,9Gew.-%Rh und 40,6 bis 43,0Gew.-%As sowie als Beimengungen 0,82 bis 2,14Gew.-%Ruthenium (Ru), 0,08 bis 0,94Gew.-%Platin (Pt), 0 bis 0,17Gew.-%Iridium (Ir) und 0,09 bis 0,34Gew.-%Nickel (Ni).[7]
Auf der Grundlage von einem Arsenatom wurde daraus die empirische Formel (Rh0,98Ru0,03Pt0,01Ni0,01)Σ=1,03As1,00 errechnet, die zur oben genannten Reinformel idealisiert wurde.[6]
Als seltene Mineralbildung konnte Cherepanovit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher 15 Fundstellen dokumentiert sind (Stand 2020).[11] Außer an seiner Typlokalität am Fluss Pekulnei im Pekulnei-Gebirge im Autonomen Kreis der Tschuktschen trat das Mineral in Russland noch in weiteren Seifenlagerstätten auf. Am Fluss Miass in der Oblast Tscheljabinsk fand es sich zusätzlich vergesellschaftet mit Hongshiit, rhodiumhaltigem Irarsit und Tulameenit und in der Ir-Rh-Ni-Sulfid-Lagerstätte Centralnoye II nahe Rai-Iz (Raiz) in der Oblast Tjumen konnten als weitere Begleiter noch Cuproiridsit, Erlichmanit, Kashinit und rhodiumhaltiger Pentlandit identifiziert werden.[6] Des Weiteren wurde Cherepanovit noch mit Gold und Platinmetallen am Fluss Koura in der Oblast Kemerowo im südlichen Sibirien und am Fluss Sisim – einem Nebenfluss des Kleinen Jenissei – in der südsibirischen Republik Tuwa sowie am „Goldfluss“ (Zolotaya river[12]) nahe dem Chankasee im östlichen Sibirien entdeckt.[13]
R. D. Heyding, L. D. Calvert:Arsenides of the transition metals IV. A note on the platinum metal arsenides. In: Canadian Journal of Chemistry. Band39, Nr.4, 1961, S.955–957, doi:10.1139/v61-118 (englisch, nrcresearchpress.com[PDF; 200kB; abgerufen am 21.September 2020]).
Н. С. Рудашевский, А. Г. Мочалов, Н. В. Трубкин, Н. И. Шумская, В. И. Шкурский, Т. Л. Евстигнеева:Черепановит RhAs – Новый Минерал. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva. Band114, 1985, S.464–469 (russisch, rruff.info[PDF; 661kB; abgerufen am 21.September 2020] englische Übersetzung: N. S. Rudashevsky, A. G. Mochalov, N. V. Trubkin, N. I. Shumskaya, V. I. Shkursky, T. L. Evstigneeva: Cherepanovite RhAs - A new mineral).
Frank C. Hawthorne, Kenneth W. Bladh, Ernst A. J. Burke, T. Scott Ercit, Edward S. Grew, Joel D. Grice, Jacek Puziewicz, Andrew C. Roberts, Robert A. Schedler, James E. Shigley:New mineral names. In: American Mineralogist. Band71, 1986, S.1543–1548 (englisch, rruff.info[PDF; 681kB; abgerufen am 21.September 2020]).
Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.59.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.87 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789
Cherepanovite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 60kB; abgerufen am 21.September 2020]).
123Frank C. Hawthorne, Kenneth W. Bladh, Ernst A. J. Burke, T. Scott Ercit, Edward S. Grew, Joel D. Grice, Jacek Puziewicz, Andrew C. Roberts, Robert A. Schedler, James E. Shigley:New mineral names. In: American Mineralogist. Band71, 1986, S.1543–1548 (englisch, rruff.info[PDF; 681kB; abgerufen am 21.September 2020]).
↑Galina G. Shcheka, Alexandr A. Vrzhosek, Bernd Lehmann, Nadezhda D. Tolstykh:Associations of Platinum-Group Minerals from the Zolotaya Gold Placer, Primorye, Russian Far East. In: The Canadian Mineralogist. Band42, 2004, S.583–599 (englisch, pdfs.semanticscholar.org[abgerufen am 21.September 2020]).
12
Fundortliste für Cherepanovit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 21. September 2020.