Samsung Electronics
| Samsung Electronics Co., Ltd. | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | KR7005930003 (Stammaktie) KR7005931001 (Vorzugsaktie) US7960508882 (St.) (GDR) US7960502018 (VZ) (GDR) |
| Gründung | 1969 |
| Sitz | Suwon, Südkorea |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 262.600 (2024)[5] |
| Umsatz | 301 Bio. ₩ (2024)[5] (202 Mrd. Euro) |
| Branche | Haushaltsgeräte, Elektronik, Halbleiter |
| Website | samsung.com |
| Koreanische Schreibweise | |
|---|---|
| Koreanisches Alphabet: | 삼성전자 |
| Revidierte Romanisierung: | Samseongjeonja |
| McCune-Reischauer: | Samsŏngchŏnja |
Samsung Electronics Co., Ltd. ist ein südkoreanischer Elektronikkonzern, der zu den größten weltweit zählt und zur Samsung-Gruppe gehört.
Samsung Electronics ist mit 240 Niederlassungen in 76 Ländern tätig und beschäftigt rund 263.000 Mitarbeiter (Stand 2024).[5] Das Unternehmen wurde 1969 gegründet, der Sitz befindet sich seither in Suwon.[6] Das Unternehmen ist im Aktienindex KOSPI an der koreanischen Börse gelistet. Laut den Fortune 500 gehört es zu den 20 umsatzstärksten Unternehmen weltweit (Stand: 2019).
Das Unternehmen sieht sich als weltweiter Marktführer bei Fernsehgeräten, Smartphones, Kühlschränken, Speicherprodukten (DRAM, NAND, SSD) und Wearable Devices.[7] Digitale und smarte Geräte von Samsung Electronics werden unter der Marke Samsung Galaxy vertrieben.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jüngere Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Samsung Electronics erwirtschaftete 2011 einen operativen Gewinn von 10,8 Milliarden Euro, der Umsatz betrug 111 Milliarden Euro.[8] Das Investitionsbudget von Samsung Electronics wurde 2010 auf 12,7 Milliarden Euro erhöht; damit investierte Samsung Electronics mehr als seine Konkurrenten Intel, IBM und Sony zusammen.[9] Im April 2011 verkaufte Samsung seine Festplattensparte an Seagate Technology.[10] Im Jahr 2011 konnte Samsung Electronics weltweit 6,99 Millionen Laserdrucker, 47,69 Millionen Fernsehgeräte und 13,17 Millionen Mobile PCs absetzen.[11]

Im Februar 2012 wurde bekannt, dass Samsung sein defizitäres Geschäft mit Flüssigkristall-Bildschirmen abspaltet. Das Defizit wurde unter anderem durch wachsende Konkurrenz aus China und die Rückgänge im Handel mit Fernsehgeräten erzeugt. Aufgrund eines Überangebots im Markt wurde in vier Quartalen hintereinander ein operativer Verlust gemeldet. Durch die Abtrennung der LCD-Sparte wollte man die Ressourcen effektiver einsetzen.[12] Im 4. Quartal 2014 erwirtschaftete Samsung Electronics einen Umsatz in Höhe von 42,81 Milliarden Euro und einen konsolidierten operativen Gewinn von 4,29 Milliarden Euro.
Ab 2014 erwarb das Unternehmen neun Unternehmen: z. B. SELBY, SmartThings, Simpress, LoopPay und Joyent. Samsung Electronics wollte sich mit den Zukäufen von Startups seine Vormachtstellung in der Branche nach der Smartphone-Ära sichern. Das Unternehmen hatte bereits mehrmals betont im IoT-Bereich zu wachsen.[13] 2016 erwarb Samsung Electronics das kanadische Onlinewerbeunternehmen AdGear.[14] Das südkoreanische Unternehmen wollte im Softwaresektor eigenständiger werden und sich von der Abhängigkeit von Googles Android lösen.
Im Fernsehsegment wollte das Unternehmen sich von der OLED-Technik verabschieden und auf die Quantum-Dot-Technik (QLED) setzen. Unlösbare Probleme wie die beschränkte Lebensdauer, der Einbrenneffekt sowie die hohen Herstellungskosten waren die Gründe dafür.[15] Der Konkurrent LG Electronics setzte indes auf die OLED-Technik. Das Unternehmen gab Mitte 2016 bekannt, dass seine OLED-Fernsehgeräte wegen der aufwendigen Qualitätskontrollen 100.000 Stunden halten würden. Die Lebensdauer der OLED-Displays lag zu Beginn der Entwicklung im Jahre 2013 bei 36.000 Stunden.[16]
Im März 2017 übernahm Samsung Electronic für ca. 8 Milliarden Dollar Harman International Industries, die als Tochtergesellschaft jedoch eigenständig bleiben sollte. Einen Großteil seines Umsatzes machte Harman inzwischen mit Elektronik und Software für intelligente Autos und autonomes Fahren.[17]
2015 waren die USA für Samsung Electronics mit einem Umsatzanteil von 34 % der wichtigste Absatzmarkt. Europa machte nur 19 % Umsatzanteil aus (tendenziell fallend), gefolgt von China mit 15 %. Vor allem in China verlor das südkoreanische Unternehmen stark an Marktanteil wegen der starken heimischen Konkurrenten.[18]
Im September 2016 verkaufte Samsung Electronics seine Druckersparte an HP Inc. für zirka eine Mrd. US-Dollar.[19] Die Integration durch HP wurde zum 1. November 2017 abgeschlossen.[20]
Die Deutschland-Zentrale befindet sich seit Ende 2024 in Eschborn.[21]
Am 25. März 2025 verstarb Han Jong-hee, Co-CEO von Samsung Electronics, im Alter von 63 Jahren im Amt an einem Herzinfarkt.[22]
Verkaufsstopp Galaxy Note 7
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kurz nach dem Verkaufsstart des neuen Smartphones Galaxy Note 7 Anfang September 2016 wurden Fälle bekannt, in denen sich der fest verbaute Akku überhitzte und Geräte teilweise in Flammen aufgingen.[23] Samsung Electronics ließ ab dem 19. September mehrere Million ausgelieferte Galaxy Note 7 zurückrufen und gleichzeitig den Verkauf stoppen. Kunden wurden aufgefordert, die Geräte nicht weiter zu nutzen und umzutauschen. Die Akkus wurden von Samsung SDI und Amperex Technology Limited (ATL) produziert. Nachdem die ersten Note-7-Austauschgeräte ausgeliefert worden waren, bestätigten sich erneut Fälle von überhitzten Akkus. Einige größere Mobilfunk-Provider in den USA boten den Käufern die Rückgabe des Note 7 und den Tausch gegen ein anderes Gerät an. Am 11. Oktober 2016 gab Samsung bekannt, dass alle ausgelieferten Geräte erneut zurückgerufen werden und die Produktion des Note 7 endgültig eingestellt wird.[24] Die zurückgerufenen Note-7-Geräte sollen vollständig vernichtet werden. Die entstandenen Verluste für Samsung durch das Galaxy Note 7 werden auf etwa 17 Milliarden US-Dollar geschätzt.[25]
Untersuchungen von Samsung, dem TÜV Rheinland sowie den Prüflaboren UL und Exponent ergaben, dass kein Fehler in der Logistik und beim Einbau gemacht wurden. Vielmehr lag der Fehler in der engen Spezifikation und unzureichender Qualitätskontrolle. Konkret waren die verbogenen Akku-Ecken sowie zu dünne Isolationsschicht der Akkus beider Zulieferer für die Kurzschlüsse verantwortlich. Das Unternehmen versprach die Qualitätskontrolle zu verbessern und entschuldigte sich mehrfach bei den Kunden.[26]
Faltbare Smartphones
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Samsung stellte 2019 das faltbare Smartphone „Galaxy Fold“ vor.[27] Es verfügt über ein 7,3 Zoll großes AMOLED-Display und ist ein Smartphone, das zu einem Tablet aufgeklappt werden kann.[28] 2020 stellten sie das „Samsung Galaxy Z Flip“ vor. Das Smartphone hat ein 6,7 Zoll großes AMOLED-Display und ist ein normal großes Smartphone, das durch das Falten wesentlich kompakter wird.[29]
Robotik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf der CES 2024 stellte Samsung „Ballie“ vor, einen KI-gestützten Haushaltsroboter, der bei alltäglichen Aufgaben helfen, Haustiere im Auge behalten und sich in Smart-Home-Geräte integrieren lässt.[30]
Umsatz durch Chip-Herstellung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Produktion von Halbleitern ist für Samsung ein extrem wichtiges Geschäftsfeld. Auch durch die Knappheit von Chips ab 2021 konnte Samsung mit seiner Herstellung hohe Gewinne erzielen.[31]
Im Jahr 2021 kündigte Samsung Pläne an, 17 Milliarden US-Dollar in den Bau einer neuen Halbleiterfabrik in Taylor, Texas, zu investieren. Die Investition ist Teil von Samsungs Strategie, seine Chip-Produktionskapazitäten angesichts der weltweiten Halbleiterknappheit auszubauen.[32] Das Unternehmen erhält dafür Gelder aus dem CHIPS and Science Act.
Im ersten Quartal 2026 erzielte Samsung einen geschätzten Gewinn von 32,3 Mrd. Euro, mehr als der Gesamtgewinn des Vorjahres. Dies war vorwiegend auf die große Nachfrage nach Samsung-Halbleitern für den Ausbau der KI-Infrastruktur durch die Big-Tech-Konzerne zurückzuführen.[33]
Logo
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da „Samsung“ „Drei Sterne“ bedeutet, waren diese ursprünglich im Logo zu erkennen.
- 1969–1979
- 1979–1993
- 1993–2013
- 2013–2020
- Seit 2020
Unternehmensorganisation und Geschäftsfelder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Konzernstruktur und Unternehmensführung (seit Ende 2021)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Operativ gliedert sich Samsung Electronics seit einer Umstrukturierung im Dezember 2021 – bei der die zuvor getrennten Sparten Consumer Electronics (CE) und IT & Mobile Communications (IM) zusammengelegt wurden – in zwei zentrale Hauptgeschäftsbereiche (Divisions) sowie zwei im Konzernabschluss konsolidierte Großtochtergesellschaften.[34] Um die Unabhängigkeit zwischen dem Endkundengeschäft und dem Zuliefergeschäft für Halbleiter zu wahren, wird das operative Tagesgeschäft traditionell von zwei gleichberechtigten Vorstandsvorsitzenden (Co-CEOs) geführt, während Lee Jae-yong seit Oktober 2022 als Executive Chairman an der Konzernspitze steht (ohne selbst Mitglied des Board of Directors zu sein) und der ehemalige Chef der südkoreanischen Finanzaufsicht, Shin Je-yoon, seit Frühjahr 2025 als unabhängiger Direktor den Vorsitz des Verwaltungsrats (Chairman of the Board) innehat.[1][35]
- DX (Device eXperience): Bündelt das gesamte Endkundengeschäft sowie die Telekommunikationsausrüstung. Dazu gehören die Sparten Mobile eXperience (MX) (Smartphones, Tablets, Wearables), Visual Display (VD) (Fernsehgeräte, Monitore), Digital Appliances (DA) (Haushaltsgeräte), Medizintechnik sowie Networks (Mobilfunknetzwerktechnik). Nachdem der langjährige DX-Chef und Co-CEO Han Jong-hee im März 2025 überraschend verstorben war, übernahm der bisherige Leiter der Mobilfunksparte, Roh Tae-moon, im April 2025 zunächst kommissarisch und im November 2025 offiziell die Gesamtleitung der DX-Division sowie den Posten des Co-CEO.[36][37]
- DS (Device Solutions): Umfasst das gesamte Halbleitergeschäft und unterteilt sich in die drei Kerngeschäfte Memory (DRAM- und NAND-Flash-Speicher), System LSI (Design von Logikchips wie Exynos-SoCs, Modems und Bildsensoren) sowie Foundry (Auftragsfertigung für externe Halbleiterkunden). Im Zuge der anfänglichen Rückschläge bei KI-Speicherchips (HBM) löste Jun Young-hyun im Mai 2024 den bisherigen Spartenleiter Kyung Kye-hyun ab; seit Ende November 2024 leitet Jun als Vice Chairman und Co-CEO neben der gesamten DS-Division in Personalunion auch direkt das zentrale Memory-Geschäft (zuvor geführt von Lee Jung-bae), während Han Jin-man zeitgleich die Leitung der Foundry-Sparte übernahm.[2][38]
- SDC (Samsung Display): Eine Mehrheitstochter (84,8 % Anteil), die OLED- und QD-OLED-Panels für eigene Geräte sowie Drittkunden (u. a. Apple) fertigt.[34]
- Harman: Die 2017 übernommene hundertprozentige US-Tochtergesellschaft verantwortet vernetzte Automobiltechnologien (Digital Cockpit, Telematik) sowie professionelle und Endkunden-Audioprodukte (u. a. JBL, Harman/Kardon, AKG).[34]
Strategische Neuausrichtung und Übernahmen (ab 2024/2025)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem Samsung Electronics seit der Übernahme von Harman im Jahr 2017 rund acht Jahre lang auf größere Zukäufe verzichtet hatte, leitete der Konzern Ende 2024 eine gezielte Akquisitionsoffensive ein. Ziel dieser Strategie ist es, die Abhängigkeit vom stark zyklischen Geschäft mit Endverbrauchergeräten und Standard-Speicherchips zu verringern und durch Zukäufe in den Bereichen KI-Infrastruktur, Automobiltechnik, Robotik und digitale Gesundheit (Digital Health) neue, margenstarke Geschäftsfelder (insbesondere im B2B-Sektor) zu erschließen.[39]
Besonders im Fokus standen dabei auch Akquisitionen in Deutschland sowie strategische Technologietransfers:
- Klimatechnik und Kühlung für KI-Rechenzentren (FläktGroup): Im Mai 2025 gab Samsung Electronics die Übernahme des deutschen Klima- und Lüftungstechnikherstellers FläktGroup (ehemals GEA Air Treatment) mit Hauptsitz in Herne vom Finanzinvestor Triton für 1,5 Milliarden Euro (rund 2,4 Billionen Won) bekannt; der Vollzug der Transaktion erfolgte im November 2025.[40] Mit dem größten Unternehmenszukauf seit 2017 sicherte sich Samsung den direkten Marktzugang zu industriellen Lüftungs- und Flüssigkeitskühlsystemen für Hochleistungs- und KI-Rechenzentren, deren Abwärmebedarf durch den Einsatz moderner KI-Prozessoren stark ansteigt.[40]
- Fahrerassistenzsysteme und Automobilelektronik (ADAS-Sparte von ZF Friedrichshafen): Im Dezember 2025 übernahm Samsung über seine US-Tochtergesellschaft Harman für weitere 1,5 Milliarden Euro (rund 1,77 Milliarden US-Dollar) das Geschäft mit Fahrerassistenzsystemen (Advanced Driver Assistance Systems, ADAS) des deutschen Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen, das unter anderem Fahrzeugkameras, Radarsensoren und ADAS-Steuergeräte umfasst.[41] Durch die Zusammenführung von Harmans bestehender Sparte für vernetzte Fahrzeuginnenräume (Digital Cockpit) mit der ADAS-Sensorik von ZF zielt Samsung auf ganzheitliche Zentralrechner-Plattformen für sogenannte softwaredefinierte Fahrzeuge (Software-Defined Vehicles) ab.[41] Zudem stärkte Harman im Mai 2025 seine Audiosparte durch die Übernahme von Sound United (u. a. Bowers & Wilkins, Denon, Marantz) vom US-Unternehmen Masimo für 350 Millionen US-Dollar.[39]
- Humanoide und industrielle Robotik (Rainbow Robotics): Nachdem Samsung Electronics bereits 2023 mit 14,7 % bei dem aus dem Forschungsinstitut KAIST hervorgegangenen südkoreanischen Robotik-Hersteller Rainbow Robotics eingestiegen war, übte der Konzern Ende Dezember 2024 eine Kaufoption über 267 Milliarden Won aus, erhöhte seinen Anteil auf 35,0 % und gliederte das Unternehmen nach der kartellrechtlichen Freigabe im März 2025 als konsolidierte Tochtergesellschaft ein.[42][43] Parallel rief Samsung ein direkt dem Vorstand unterstelltes Future Robotics Office unter der Leitung des Rainbow-Robotics-Gründers Oh Jun-ho ins Leben, um die eigene KI- und Halbleiterkompetenz mit den kollaborativen, mobilen und zweibeinigen humanoiden Robotern (HUBO) von Rainbow Robotics für die Fabrikautomatisierung und den Servicemarkt zu verbinden.[42]
- Digitale Gesundheitsplattformen (Xealth und Sonio): Um die Gesundheitsfunktionen seiner Endgeräte (wie Galaxy Watch und Galaxy Ring) stärker mit dem professionellen medizinischen Sektor zu verknüpfen, übernahm Samsung im Jahr 2025 das US-amerikanische Softwareunternehmen Xealth (Seattle), dessen digitale Plattform über 500 US-Krankenhäuser anbindet und Ärzten ermöglicht, digitale Gesundheitsanwendungen und Patientendaten-Monitoring direkt in elektronische Patientenakten zu integrieren.[39][44] Zuvor hatte Samsungs Medizintechniksparte Samsung Medison bereits im Jahr 2024 das auf KI-gestützte Ultraschall-Diagnosesoftware spezialisierte französische Unternehmen Sonio übernommen.[39]
Entwicklung von High Bandwidth Memory (HBM)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Frühe Vorreiterrolle und strategischer Rückzug (2015–2019)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem der südkoreanische Konkurrent SK Hynix gemeinsam mit AMD die erste Generation von gestapelten Hochleistungsspeichern (High Bandwidth Memory, HBM) für Grafikkarten entwickelt hatte, übernahm Samsung Electronics bei der zweiten Generation zunächst die Technologieführerschaft: Im Januar 2016 startete Samsung als weltweit erster Hersteller die Massenproduktion von HBM2.[45]
Ende der 2010er-Jahre vollzog das Management jedoch einen tiefgreifenden Strategiewechsel. Um die hohe Abhängigkeit vom stark zyklischen und preissensiblen Speichergeschäft zu verringern, verkündete Konzernchef Lee Jae-yong im April 2019 die Initiative „System Semiconductor Vision 2030“: Mit Investitionen von 133 Billionen Won wollte Samsung bis 2030 auch im profitableren Bereich der Logikchips (System LSI und Auftragsfertigung) zum Weltmarktführer aufsteigen.[46] Da sich HBM im Grafikkartenmarkt aufgrund hoher Produktionskosten nur schleppend verkaufte und als wenig lukratives Nischenprodukt galt, stufte Samsung die HBM-Forschung herab und löste sein dediziertes HBM-Entwicklungsteam im Jahr 2019 vollständig auf.[47]
Krise im KI-Boom und technische Rückschläge (2022–2024)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als ab Ende 2022 infolge des Durchbruchs generativer KI-Systeme die Nachfrage nach KI-Beschleunigern (insbesondere von Nvidia) sprunghaft anstieg, erwies sich der Rückzug aus der HBM-Entwicklung als schwerwiegender strategischer Fehler. Während der Konkurrent SK Hynix seine HBM-Forschung durchgehend fortgeführt hatte und den Markt für die Generationen HBM3 und HBM3E dominierte, geriet Samsung in mehrfacher Hinsicht in Schwierigkeiten.[47]
Neben dem zeitlichen Entwicklungsrückstand führten vor allem fertigungstechnische Entscheidungen zu Problemen: Um bis zu zwölf DRAM-Schichten übereinander zu stapeln, hielt Samsung am thermischen Kompressionsverfahren mit nichtleitenden Folien (TC-NCF) fest, während SK Hynix auf das fortschrittlichere MR-MUF-Verfahren (Mass Reflow Molded Underfill) setzte, das eine bessere Wärmeableitung und höhere Fertigungsausbeuten (Yields) ermöglichte.[48] Im Mai 2024 wurde bekannt, dass Samsungs HBM3- und HBM3E-Speicherchips bei Qualifizierungstests von Nvidia wegen Überhitzungsproblemen und zu hohem Stromverbrauch wiederholt durchgefallen waren.[49]
Die Krise führte im Mai 2024 zur Ablösung des Leiters der Halbleitersparte (DS Division) durch Jun Young-hyun. Nachdem die Gewinne hinter den Markterwartungen zurückgeblieben waren und SK Hynix im KI-Speichergeschäft enteilt war, wandte sich Jun Young-hyun im Oktober 2024 in einer für die Konzerngeschichte beispiellosen öffentlichen Entschuldigung an Aktionäre und Kunden, in der er Versäumnisse bei der technologischen Wettbewerbsfähigkeit einräumte und eine grundlegende Umstrukturierung ankündigte.[50][51]
Aufholjagd mit HBM4 und Speicher-Superzyklus (ab 2025/2026)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um den Rückstand aufzuholen, baute Samsung ab Frühjahr 2024 ein neues HBM-Entwicklungsteam auf und richtete den Fokus frühzeitig auf die sechste Speichergeneration (HBM4 mit 2048-Bit-Schnittstelle).[52][53] Hierbei kam Samsung erstmals seine Struktur als integrierter Halbleiterhersteller (Integrated Device Manufacturer, IDM) zugute, der sowohl über eine Speicher- als auch über eine eigene Logik- und Foundry-Sparte verfügt: Da der unterste Steuerchip eines HBM4-Stapels (Base Die) komplexe Logikfunktionen übernimmt und nicht mehr im herkömmlichen DRAM-Verfahren gefertigt werden kann, produzierte Samsung diesen im hauseigenen 4-Nanometer-Foundry-Prozess und kombinierte ihn mit DRAM-Zellen der sechsten 10-nm-Generation (1c).[54]
Im Februar 2026 startete Samsung die kommerzielle Auslieferung von HBM4, qualifizierte sich erfolgreich für Nvidias nächste KI-Beschleunigergeneration (Vera Rubin) und überschritt bereits im Juni 2026 die Umsatzmarke von einer Milliarde US-Dollar mit HBM4.[55][54] Gleichzeitig sorgte die hauseigene Fertigung der HBM4-Basis-Chips für eine deutlich höhere Auslastung der zuvor defizitären Foundry-Linien.[54] Parallel verkürzte der Konzern seinen Entwicklungszyklus für nachfolgende Generationen (wie HBM4E) im Jahr 2026 von zwei Jahren auf ein Jahr.[56]
Da Samsung und seine Wettbewerber große Teile ihrer Reinraum- und Waferkapazitäten auf die aufwendige HBM-Fertigung sowie auf hochkapazitiven Server-DRAM für KI-Rechenzentren umstellten, kam es ab Ende 2025 zudem zu einer weltweiten Verknappung und drastischen Preissteigerungen bei regulärem Standard-DRAM für PCs und Smartphones.[54] Das Zusammenspiel aus erfolgreicher HBM4-Vermarktung und explodierenden allgemeinen Speicherpreisen führte bei Samsung Electronics im Jahr 2026 zu einer historischen Gewinnsteigerung: Nach einem Rekordgewinn von 89,5 Billionen Won im zweiten Quartal 2026 erzielte der Konzern im dritten Quartal 2026 mit einem operativen Gewinn von 107,4 Billionen Won (einem Anstieg von 783 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum) als erstes südkoreanisches Unternehmen einen Quartalsgewinn von über 100 Billionen Won, wozu die Halbleitersparte über 99 % beitrug.[54][57]
Mit umgerechnet rund 80,2 Milliarden US-Dollar erzielte Samsung Electronics damit zugleich den höchsten Quartalsgewinn eines Technologieunternehmens weltweit und rückte bis auf wenige Milliarden US-Dollar an den branchenübergreifenden historischen Weltrekord des Ölkonzerns Saudi Aramco (86,5 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal 2022) heran.[58][59]
Auftragsfertigung (Foundry) und Expansion in Taylor, Texas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ausgliederung und Rückschläge im Wettbewerb mit TSMC (2017–2024)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um im Bereich der Halbleiter-Auftragsfertigung (Foundry) gezielter gegen den taiwanischen Weltmarktführer TSMC anzutreten, trennte Samsung Electronics das Foundry-Geschäft im Mai 2017 organisatorisch von der System LSI-Sparte ab. Als integrierter Halbleiterhersteller (IDM), der gleichzeitig eigene Prozessoren (Exynos) und Endgeräte entwickelt, stieß Samsung bei reinen Chip-Designern (Fabless-Unternehmen) jedoch lange auf Vorbehalte hinsichtlich möglicher Interessenkonflikte.
Zudem führten fertigungstechnische Probleme bei den Strukturbreiten von 5 und 4 Nanometern (2021/2022) dazu, dass wichtige Großkunden wie Nvidia und Qualcomm ihre Spitzenchips wieder nahezu vollständig bei TSMC fertigen ließen. Zwar führte Samsung im Juni 2022 bei der 3-Nanometer-Fertigung als weltweit erster Hersteller die neuartige Gate-All-Around-Transistorarchitektur (GAA, von Samsung als MBCFET bezeichnet) ein, kämpfte jedoch über längere Zeit mit niedrigen Fertigungsausbeuten (Yields) und einer schwachen Auftragslage.[60] Infolgedessen verzeichnete die Sparte über mehrere Jahre hinweg operative Quartalsverluste in Billionenhöhe (Won) und galt innerhalb des Konzerns lange als Sorgenkind.
Strategischer Turnaround und Großaufträge bei 2 nm (ab 2025/2026)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ende November 2024 übernahm Han Jin-man die Leitung der Foundry-Sparte mit dem Ziel, die Ausbeuten beim kommenden 2-Nanometer-GAA-Prozess zu stabilisieren und das Vertrauen US-amerikanischer Großkunden zurückzugewinnen.[2][61] Da die Kapazitäten des Konkurrenten TSMC infolge des KI-Booms vollständig ausgelastet waren, gelang Samsung im Jahr 2025 ein strategischer Durchbruch: Im Juli und Oktober 2025 sicherte sich die Foundry-Sparte mehrjährige Großaufträge des US-Elektroautoherstellers Tesla im Gesamtwert von rund 16,5 Milliarden US-Dollar, um dessen kommende KI- und Autopilot-Prozessoren (AI5 und AI6 für autonomes Fahren sowie den humanoiden Roboter Optimus) im 2-nm-GAA-Verfahren zu fertigen; im Juni 2026 folgte zudem der Entwicklungsauftrag für die nächste Generation von Gehirn-Computer-Chips des Unternehmens Neuralink.[60][62]
Parallel profitierte die Foundry-Sparte ab 2026 erheblich von der konzerninternen Nachfrage aus dem Speichergeschäft: Da der unterste Steuerchip (Base Die) der neuen HBM4- und HBM4E-Speicherstapel im hauseigenen 4-Nanometer-Foundry-Prozess gefertigt wird, stieg die Kapazitätsauslastung der bestehenden Fertigungslinien sprunghaft an, was die hohen Vorlaufkosten deutlich abfederte.[54]
Ausbau des Halbleiter-Clusters in Taylor, Texas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als zentraler Pfeiler der globalen Foundry-Strategie kündigte Samsung im November 2021 den Bau eines neuen Halbleiterwerks in Taylor, Texas (nahe dem bestehenden Werk in Austin), mit einem ursprünglichen Investitionsvolumen von 17 Milliarden US-Dollar an.[63] Im Rahmen des US-amerikanischen CHIPS and Science Act erweiterte Samsung die Ausbaupläne für den texanischen Standort bis Ende des Jahrzehnts auf ein Gesamtvolumen von rund 37 bis 44 Milliarden US-Dollar (über 50 Billionen Won); das Gesamtprojekt umfasst neben zwei großen Halbleiterfabriken (Fab 1 und Fab 2) auch Anlagen für Advanced Packaging sowie Forschung und Entwicklung und wird von der US-Regierung mit bis zu 4,745 Milliarden US-Dollar an direkten Subventionen gefördert.[64]
Nachdem der ursprüngliche Starttermin der ersten Fabrik (Ende 2024) aufgrund steigender Baukosten und anfangs fehlender Kundenaufträge verschoben worden war, entschied sich Samsung, die Anlagen von Fab 1 von einem ursprünglich geplanten 4-nm-Prozess direkt auf den moderneren 2-nm-GAA-Prozess (SF2P) umzurüsten. Im Herbst 2026 nahm die erste Fabrik in Taylor die 2-nm-Pilot- und Vorserienproduktion (insbesondere für Teslas AI5- und AI6-Prozessoren) auf, während das vollständige Hochfahren der kommerziellen Großserienfertigung (High-Volume Manufacturing) für das Jahr 2027 angesetzt ist.[60][65] Zudem leitete Samsung für Ende 2026 den Baubeginn (Groundbreaking) der zweiten Fabrik (Fab 2) in Taylor ein, die im Jahr 2030 den Betrieb aufnehmen soll.[65]
Produktbereiche (Historische Gliederung bis 2021)
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Samsung Electronics ist in mehrere Divisionen unterteilt. Jede Division ist für zwei bis vier Geschäftsfelder zuständig.
IT und Mobile Kommunikation
- Smartphones
- Tablets
- Laptops
- Smartwatches
- Zubehör (Kopfhörer etc.)
- fabless Chipentwurf[66]
Elektronik für Verbraucher
- Fernseher
- Audiogeräte
- Drucker (2016 an Hewlett-Packard veräußert)
Health Medical Equipment
- Ultraschallgeräte
- Röntgengeräte
- CT-Geräte
Speicherlösungen
- DRAM (DDR, LPDDR, GDDR), HBM
- SSDs
- HDDs
- USB-Speichersticks
- SD-Speicherkarten
Display
- Computermonitore
- B2B-Display-Lösungen
Aktie und Börsennotierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Aktien von Samsung Electronics sind in Südkorea an der Korea Exchange (KRX) in Seoul notiert und gliedern sich in stimmberechtigte Stammaktien (KRX-Code 005930, rund 87,9 % des Grundkapitals) sowie stimmrechtslose Vorzugsaktien (KRX-Code 005935, rund 12,1 % des Grundkapitals).[67] Im Mai 2018 führte das Unternehmen einen Aktiensplit im Verhältnis 50:1 durch, um die optisch hochpreisige Aktie für Privatanleger leichter handelbar zu machen.[68]
Da der direkte Zugang zum südkoreanischen Aktienmarkt für ausländische Privatanleger aufgrund lokaler Kapitalmarkt- und Registrierungsvorschriften eingeschränkt ist, findet der internationale Handel überwiegend über Global Depositary Receipts (GDRs) statt, von denen seit dem Aktiensplit jeweils ein Zertifikat 25 koreanische Originalaktien repräsentiert.[69] Obwohl Samsung Electronics über keine Börsennotierung in den Vereinigten Staaten verfügt, tragen beide GDR-Gattungen (ISIN US7960508882 für Stammaktien und US7960502018 für Vorzugsaktien) ein US-Länderpräfix, da die Hinterlegungsscheine über die New Yorker Citibank als Depotbank (Depositary Bank) ausgegeben und die Dividenden in US-Dollar abgerechnet werden.[70] Das Hauptlisting der GDRs besteht an der London Stock Exchange (unter den Tickersymbolen SMSN bzw. SMSD) sowie für die Vorzugsaktien-GDRs an der Börse Luxemburg; im deutschsprachigen Raum werden beide GDRs unter anderem im Freiverkehr der Börse Frankfurt (Kürzel SSU bzw. SSUN) sowie über elektronische Handelssysteme wie Tradegate in Euro gehandelt.[71]
Standorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Europa war der Konzern bis zum Jahr 2004 mit zwei Fabriken in Katalonien und im britischen Billingham (1995 eröffnet) präsent. Diese Standorte mit insgesamt rund 900 Mitarbeitern wurden im Zuge eines Kosteneinsparungsprogramms bis 2005 ins slowakische Galanta (LCD-Bildschirme, DVD-Geräte und Logistikzentrum) verlegt.[72] 2007 folgte der Baubeginn eines weiteren Werks in der Westslowakei zur Herstellung von LCD-Modulen in Trnava. Die Investitionen über ca. 150 Millionen Euro wurden von der Slowakei mit 70 Millionen Euro subventioniert.[73] Bis 2010 stieg der Beschäftigungsstand an beiden Standorten auf insgesamt rund 3.000 Mitarbeiter an.[74] 2011 war erstmals die neuerliche Verlagerung der Produktion in ein anderes europäisches Land angedacht, konnte aber durch weitere Subventionszusagen des slowakischen Staates für weitere Investitionen in Galanta abgewendet werden.[75] 2018 gab Samsung schließlich bekannt, das Werk in Trnava schließen und mit dem Werk in Galanta zusammenlegen zu wollen.[76]
Bewertung in Rankings
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei dem 2017 von Greenpeace veröffentlichten Bericht zur Nachhaltigkeit von Smartphones, Tablets und Laptops bekam Samsung die zweitschlechteste Bewertung (D−). Dies setzt sich aus Ökologie der verwendeten Energie (D), Wiederverwendbarkeit der Teile (und Einsatz von recycelten Teilen) (D) und Einsatz von schädlichen Chemikalien (D) zusammen. Auch die Reparierbarkeit spielt bei der Bewertung eine Rolle.[77]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Samsung rebounding after Lee's third year as chairman. In: The Korea Times. 26. Oktober 2025, abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch).
- 1 2 3 Jeong-Soo Hwang, Chae-Yeon Kim, Eui-Myung Park: Samsung reshuffles top brass; Co-CEO to control memory business. KED Global, 27. November 2024, abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Samsung Electronics names mobile chief as co-ceo. In: The Korea Times. 21. November 2025, abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Chae-Yeon Kim, Jeong-Soo Hwang: Former FSC chief Shin Je-yoon likely to be tapped as Samsung board chair. KED Global, 14. Februar 2025, abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch).
- 1 2 3 Fast Facts. In: samsung.com (englisch).
- ↑ About Samsung. In: www.samsung.com. Abgerufen am 8. Mai 2016.
- ↑ Sustainability Report 2015. (PDF; 33 MB) Samsung Electronics, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 29. Oktober 2016; abgerufen am 22. Juli 2025 (englisch).
- ↑ Samsung Electronics verkündet die Ergebnisse des vierten Quartals und des Geschäftsjahres 2011 (27. Januar 2012).
- ↑ Wirtschaftsblatt – Milliardeninvestition: Samsung wird zum Maß aller Dinge ( vom 28. August 2010 im Internet Archive) (18. Mai 2010).
- ↑ Samsung verkauft Festplattensparte an Seagate ( vom 22. Mai 2012 im Internet Archive) (19. April 2011).
- ↑ Samsung Electronics – Daten und Fakten Abgerufen am 5. März 2013.
- ↑ Samsung nimmt Abschied von LCD-Bildschirmen, FTD vom 20. Februar 2012 ( vom 20. Februar 2012 im Internet Archive), abgerufen am 20. März 2012.
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