Richterit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist faserige oder nadelige bis prismatische und senkrecht zur kristallographischena-Achse [100] abgeflachte Kristalle bis etwa 15cm Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist durchsichtig bis durchscheinend und meist von brauner bis bräunlichroter, gelber oder grüner Farbe. Auch grauviolette und blaue Richterite sind bekannt. In dünnen Schichten kann er aber auch farblos bis blass gelb sein. Seine Strichfarbe ist dagegen immer weiß. Neben Einkristallen bildet Richterit häufig einfache oder multiple Kristallzwillinge parallel {100} (bc-Ebene) als Zwillings- und Verwachsungsebene.
Richterit bildet mit Ferro-Richterit (Na(NaCa)Fe2+5Si8O22(OH)2) eine lückenlose Mischkristallreihe. Entsprechend wird in verschiedenen Quellen auch eine Mischformel mit Na[CaNa](Mg,Fe2+)5[(OH)2|Si8O22][3] angegeben.
Erstmals entdeckt wurde Richterit in der polymetallischen Lagerstätte von Långban in der schwedischen Gemeinde Filipstad (Provinz Värmlands län). Die Erstbeschreibung erfolgte 1865 durch August Breithaupt (1791–1873), der das Mineral nach Hieronymus Theodor Richter (1824–1898) benannte, um dessen Verdienste um die Mineralchemie zu ehren.
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Glaukophan ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Ketten und der Zugehörigkeit zu enger verwandten Mineralfamilien, so dass das Mineral als Mitglied in der „Ca-Alkali-Klinoamphibole, Winchit-Richterit-Gruppe“ mit der System-Nr. 9.DE.20 zu finden ist.
Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Richterit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2“. Hier ist er in der „Gruppe 3, Natrium-Calcium-Amphibole“ mit der System-Nr. 66.01.03b innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2 Amphibol-Konfiguration“ zu finden.
Als eher seltene Mineralbildung kann Richterit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher etwas mehr als 200 Fundstätten dokumentiert (Stand 2022).[10] Außer an seiner Typlokalität Långban in der Gemeinde Filipstad fand sich das Mineral in der Provinz Värmlands län noch in den nahe gelegenen Gruben Jakobsberg bei Nordmark, Harstigen und Stora Pajsberg bei Pajsberg in der Gemeinde Persberg. Weitere bekannte Fundorte in Schweden sind unter anderem die Grube Garpenberg Norra in der Provinz Dalarnas län, Rakten (Ultevis, Gemeinde Jokkmokk) in der Provinz Norrbottens län, ein Eisenerzfeld bei Hästefeld in der Gemeinde Norberg in der Provinz Västmanlands län, die Manganerzgrube Sjö bei Grythyttan (Gemeinde Hällefors) und die Nybergsgruben bei Fanthyttefeld (Gemeinde Lindesberg) in der Provinz Örebro län.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Richteritfunde ist zudem Wilberforce im Haliburton County in Kanada, wo bis zu 10cm lange Kristalle zutage traten.[11]
In Deutschland trat das Mineral bisher unter anderem am Katzenbuckel bei Eberbach und am Fohberg bei Bötzingen in Baden-Württemberg, am Laacher See im Landkreis Ahrweiler, am Rothenberg, im Steinbruch In den Dellen (auch Grube Zieglowski) und am Thelenberg in der Verbandsgemeinde Mendig sowie am Krufter Ofen, Nickenicher Sattel und Nickenicher Weinberg in der Verbandsgemeinde Pellenz in Rheinland-Pfalz und im Delitzsch-Komplex bei Landsberg in Sachsen-Anhalt auf.
In der Schweiz kennt man das Mineral bisher nur aus dem Steinbruch Quadrada bei Selva in der Gemeinde Poschiavo und vom Piz Grevasalvas nahe Maloja im Kanton Graubünden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Angola, der Antarktis, un Australien, Brasilien, Bulgarien, der Volksrepublik China, Finnland, Frankreich, Grönland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, im Jemen, in Kamerun, Kasachstan, Kenia, Madagaskar, Malawi, Marokko, Myanmar, Namibia, Neuseeland, Niger, Nigeria, Nordmazedonien, Norwegen, Oman, Paraguay, Polen, Portugal, Russland, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, der Türkei, Uganda und den Vereinigten Staaten von Amerika.[12]
August Breithaupt:Mineralogische Studien. In: Berg- und Huettenmännische Zeitung. Vierundzwanzigster Jahrgang, 1865, S.363–365 (rruff.info[PDF; 351kB; abgerufen am 9.August 2022] 25. Richterit).
Roberta Oberti, Luciano Ungaretti, Elio Cannillo, Frank C. Hawthorne:The behaviour of Ti in amphiboles: I. Four- and six-coordinate Ti in richterite. In: European Journal of Mineralogy. Band4, Nr.3, 1992, S.425–439, doi:10.1127/ejm/4/3/0425 (englisch).
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S.240.
Richterite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 9.August 2022(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.630 (englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678910
Richterite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 80kB; abgerufen am 9.August 2022]).
12345Richterite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 9.August 2022(englisch).