Aegirin kristallisiert mit monokliner Symmetrie und entwickelt meist lange, nadelige bis prismatische Kristalle mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Oft sind diese auch zu radialstrahligen Mineral-Aggregaten verbunden. Die durchscheinenden bis undurchsichtigen Kristalle sind von dunkelgrüner bis schwarzgrüner Farbe. Auf der Strichtafel hinterlässt Aegirin allerdings einen hell gelbgrauen Strich.
Erstmals beschrieben wurde das Mineral, ein bräunlicher Pyroxen aus Rundemyr bei Nedre Eiker in der Provinz Buskerud in Norwegen, 1821 von Jöns Jakob Berzelius und P. Ström, die ihn nach dem altgriechischen Wort ἀκμή (auch αιχμή[8]) Achmit (in anderen Quellen auch Acmit oder Akmit) für Spitze oder Speerspitze benannten (vergleiche auch Akme). Die Benennung lehnt sich dabei an die meist spitze Form der Kristalle an.
1835 wurde ein grüner Pyroxen auf der im Langesundsfjord gelegenen Insel Låven in der Provinz Vestfold gefunden und von Berzelius nach Ägir (auch Ægir), dem nordischen Gott des Meeres, benannt. Als man erkannte, dass beide Proben derselben Mineralart angehörten, wurde entschieden, den Namen Acmit beziehungsweise Akmit zukünftig als Synonym des Minerals Aegirin zu führen.[9] Als Typlokalität gelten beide Fundstätten, Rundemyr und Låven.
Gelegentlich wird Aegirin auch mit dem SynonymSchefferit belegt. Dieser Name wurde allerdings 1988 vom IMA Subcommittee einer manganhaltigen Varietät von Diopsid zugewiesen, die in der schwedischen Grubengemeinde Långban entdeckt wurde.[10]
Aegirin war bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Aegirin theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. Aufgrund der 1998 erfolgten Publikation von Paula C. Piilonen, Andrew M. McDonald und Andre E. Lalonde über eine Neuanalyse der Kristallchemie des Minerals mithilfe von Aegirinfunden vom Mont Saint-Hilaire in der kanadischen Provinz Québec[11] wird Aegirin seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1998 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[12]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[14]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Aegirin in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatketten. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden, wo es zusammen mit Jadeit, Jervisit, Kosmochlor, Namansilit und Natalyit die „Na-Klinopyroxene, Jadeitgruppe“ mit der Systemnummer 9.DA.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Aegirin die System- und Mineralnummer 65.01.03c.02. Das entspricht wie in der alten Strunz- und Lapis-Systematik der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ in der Gruppe „C2/c Klinopyroxene (Na-Klinopyroxene)“, in der auch Jadeit, Namansilit, Kosmochlor, Natalyit und Jervisit eingeordnet sind.
Aegirin (grün-schwarz) und Rhodochrosit (rosa) auf Nenadkevichit (rötlichbraun) vom Mont Saint-Hilaire in Québec, KanadaEudialyt-Aegirin-Aggregat vom Chibinen (Halbinsel Kola), Größe: 5,4 × 4,3 × 2,6 cm
Als häufige Mineralbildung ist Aegirin an vielen Fundorten anzutreffen, wobei bisher rund 1200 Fundorte dokumentiert sind (Stand: 2020).[16]
Neben seinen Typlokalitäten Rundemyr (Nedre Eiker, Buskerud) und Låven (Vestfold) trat Aegirin in Norwegen noch in vielen weiteren Regionen der Provinzen Trøndelag, Oppland, Oslo und Telemark auf.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Aegirinfunde sind zudem der Mount Malosa nahe Zomba in Malawi sowie die Umgebung des Langesundsfjord in der ehemaligen norwegischen Provinz Vestfold, wo gut ausgebildete, prismatische Kristalle von bis zu 15 bzw. 30 cm Größe gefunden werden konnten. Des Weiteren lassen sich auch am Mont Saint-Hilaire in Québec und anderen Regionen in Kanada sowie auf der Halbinsel Kola und vielen anderen Regionen in Russland gute Aegirinkristalle finden.[17]
P. Ström:Undersökning af ett nytt Fossil. In: Kungliga Svenska vetenskapsakademiens handlingar. Band9, 1821, S.160–163 (schwedisch, dn790007.ca.archive.org[PDF; 27,1MB; abgerufen am 26.Januar 2026]).
Jöns Jacob Berzelius:Tillägg til föregående Afhandling. In: Kungliga Svenska vetenskapsakademiens handlingar. Band9, 1821, S.163–166 (schwedisch, dn790007.ca.archive.org[PDF; 27,1MB; abgerufen am 26.Januar 2026]).
J. Berzelius:[Unbetitelte Notiz zu Aegirin]. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde. 1835, S.184–185 (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 16. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 123kB; abgerufen am 26.Januar 2026]).
Hans Lüschen:Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S.165, Ägirin.
Martin Okrusch, Siegfried Matthes:Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u.a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S.95.
Aegirine search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 26.Januar 2026(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.621 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12David Barthelmy:Aegirine Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 26.Januar 2026(englisch).
123
Aegirine. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 84kB; abgerufen am 26.Januar 2026]).
123456Aegirine.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 26.Januar 2026(englisch).
↑Tore Prestvik, Calvin G. Barnes:A new occurrence of aegirine in Norway. In: Norwegian Journal of Geology. Band87, 2007, ISSN0029-196X, S.451–456 (englisch, foreninger.uio.no[PDF; 1,2MB; abgerufen am 26.Januar 2026]).
↑Schefferite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 26.Januar 2026(englisch).
↑Paula C. Piilonen, Andrew M. McDonald, Andre E. Lalonde:The crystal chemistry of aegirine from Mont Saint-Hilaire, Quebec. In: The Canadian Mineralogist. Band36, Nr.3, 1998, S.779–791 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 16. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 1,2MB; abgerufen am 26.Januar 2026]).
↑Subcommite on Pyroxenes, CNMMN, Nobuo Morimoto:Nomenclature of Pyroxenes. In: The Canadian Mineralogist. Band27, 1989, S.143–156 (Digitalisat bei mineralogicalassociation.ca (Memento vom 25. September 2018 im Internet Archive) [PDF; 1,6MB; abgerufen am 26.Januar 2026]).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.525.
↑Localities for Aegirine.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 26.Januar 2026(englisch).
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.235.
↑
Fundortliste für Aegirin beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 26. Januar 2026.