In reiner Form ist Serandit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine hellrosa bis rosarote, braune oder schwarze Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist jedoch stets weiß.
Serandit entwickelt meist prismatische bis nadelige sowie tafelige oder blockige Kristalle, kommt aber auch in Form radialstrahliger und massiger Mineral-Aggregate vor. Unverletzte bzw. unverwitterte Kristallflächen weisen einen glas- bis fettähnlichen Glanz auf, Spaltflächen zeigen dagegen Perlmuttglanz und derbe Aggregate sind matt.
Mit einer Mohshärte von 5 bis 5,5 gehört Serandit zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie die Referenzminerale Apatit (5) und Orthoklas (6) mit einem Taschenmesser oder einer Stahlfeile ritzen lassen.
Als Entdecker des Minerals gilt Jules-Numa Mugnier Serand (1872–1933),[8][9] der als Assistent von Antoine Lacroix die zu den Îles de Los gehörende Insel Roume (Guinea) bereiste und dort ein rosafarbenes Erz fand. Lacroix beschrieb das Mineral 1931 in seinem Bericht über die Geologie der Insel Roume und benannte es nach seinem Assistenten Serand, allerdings in der Schreibweise Sérandite (deutsch entsprechend Sérandit[10]).
Diese Schreibweise wurde in verschiedenen mineralogischen Schriften und bis 2015 auch von der International Mineralogical Association übernommen. Mit der im Dezember 2015 erfolgten Publikation „Newsletter 28“ der IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) wird diese Schreibweise allerdings diskreditiert und durch die Schreibweise Serandit(e) ersetzt.[11]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Serandit die System- und Mineralnummer 65.02.01.05. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=3“ in der „Wollastonitgruppe“, in der auch Wollastonit-1A, Wollastonit-2M, Wollastonit-3A-4A-5A-7A, Bustamit, Ferrobustamit, Pektolith, Cascandit, Denisovit und Tanohatait eingeordnet sind.
Serandit, Albit (weiß) und Aegirin (schwarz) aus dem Steinbruch Poudrette, Mont Saint-Hilaire, Kanada (Größe: 8,9 × 4,7 × 4,4 cm)Rhodochrosit-Pseudomorphose nach Serandit mit Polylithionit, ebenfalls aus dem Steinbruch Poudrette (Größe: 5 × 2,6 × 1,8 cm)
Als seltene Mineralbildung konnte Serandit bisher nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 30 Fundorte (Stand: 2013) als bekannt gelten[13] und seine Typlokalität Roume ist der bisher einzige bekannte Fundort in Guinea.
Die bisher größten bekannten und zugleich besten Kristalle mit bis zu 20 Zentimetern Länge wurden am Mont Saint-Hilaire in Kanada gefunden. Mont Saint-Hilaire ist zudem bekannt für seine Pseudomorphosen von Rhodochrosit nach Serandit. Bis zu 6 Zentimeter lange Seranditkristalle traten im „Yubileinaya“-Pegmatitgang am Berg Karnassurt Lowosero-Massiv (Lowosero-Tundra) auf der russischen Halbinsel Kola zutage.[14]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, Italien, Japan, Namibia, Norwegen, Südafrika und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[7]
A. Lacroix (1931): Les pegmatites de la syénite sodalitique de l'île Rouma (archipel de Los, Guinée française). Description d'un nouveau minéral (sérandite) qu'elles renferment, In: Comptes Rendus Hebdomadaires des Séances de l’Académie des Sciences, Band 192, S. 189–194 (PDF 360,3 kB)
W. F. Foshag (1931): New mineral names, In: American Mineralogist, Band 16, S. 343–344 (PDF 126,3 kB)
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.636.
12Sérandite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 77,1 kB)
↑IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC). NEWSLETTER 28 In: Mineralogical Magazine Band 79(7), Dezember 2015, S. 1859–1864 (PDF 79,6 kB)