Prismatischer, grauer Nephelin auf Granat aus Jebel Bou-Agrao, Amersid, Provinz Midelt (Drâa-Tafilalet), Marokko (Sichtfeld: 20 mm, größter Kristall: 15 mm)
Nephelin kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt meist grobkristalline, sechs- bis zwölfseitige Prismen bis etwa 10cm Größe mit einem glas- bis fettähnlichen Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Nephelin farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend bis nahezu undurchsichtig weiß sein und durch Fremdbeimengungen (Fremdatome in der Verbindung oder mechanische Einlagerungen) eine graue, gelbliche, rotbraune bis blaugrüne und andere Farben annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.
Das Mineral gehört zur Gruppe der Foide, was bedeutet, dass es verwandt mit den Alkali-Feldspäten ist, aber arm an Siliciumdioxid (SiO2).
Haüyn (blau) mit Nephelin (farblos unten und rechts) auf Augit (dunkelgrün) aus dem Steinbruch San Vito, Ercolano, Monte Somma (Größe des Haüynkristalls 2mm)
Erstmals entdeckt wurde Nephelin am Monte Somma, einem Bergrücken des Somma-Vesuv-Vulkankomplexes in der südwestitalienischen Region Kampanien. Die Erstbeschreibung erfolgte 1801 durch René-Just Haüy, der das Mineral nach dem griechischen Wort νεφέλη Nephele für „Wolke“ benannte. Der Name bezieht sich auf die Eigenschaft des Minerals, bei der Zersetzung in starken Säuren sich niederschlagende Kieselsäurewolken zu bilden.[8]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Nephelin zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Kaliophilit die „Nephelin-Kaliophilit-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/F.01 und den weiteren Mitgliedern Chkalovit, Kalsilit und Trikalsilit sowie im Anhang mit Bikitait und Petalit bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/J.02-10. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wobei in den Gruppen VIII/J.01 bis 08 die Gerüstsilikate ohne tetraederfremde Anionen einsortiert sind. Nephelin bildet hier zusammen mit Davidsmithit, Malinkoit, Kaliophilit, Kalsilit, Megakalsilit, Panunzit, Trikalsilit, Trinephelin und Yoshiokait eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe.[3]
Die seit 2001 gültige und von der IMA bis 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Nephelin in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zusätzliche Anionen“ zu finden ist, wo es als alleiniger Namensgeber die „Nephelingruppe“ mit der System-Nr. 9.FA.05 und den weiteren Mitgliedern Kaliophilit, Kalsilit, Megakalsilit, Panunzit, Trikalsilit und Yoshiokait bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Nephelin in die Klasse der „Silikate“, dort allerdings in die Abteilung der „Gerüstsilikate mit Al-Si-Gitter“ ein. Hier ist er ebenfalls als Namensgeber der „Nephelingruppe“ mit der System-Nr. 76.02.01 innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter, Feldspatvertreter und verwandte Arten“ zu finden.
Nephelin in Dolerit von Meiches im Vogelsberg (Dünnschliff, linear-polarisiertes Licht)
Nephelin in Dolerit (Dünnschliff, gekreuzte Polarisatoren): der sechseckige Querschnitt bleibt aufgrund der kristallographischen Orientierung dunkel
Nephelin ist schwer von Quarz zu unterscheiden, zersetzt sich allerdings im Gegensatz zu diesem in starken Säuren wie Salzsäure, wobei sich die entstehende Kieselsäure wolkenartig niederschlägt.
Im Dünnschliff ist Nephelin aufgrund seiner geringen Licht- und Doppelbrechung (maximal graue Interferenzfarben unter gekreuzten Polarisatoren) wenig auffällig. Tritt er – wie häufig in vulkanischen Gesteinen – als letzte kristallisierte Phase in Zwickelfüllungen auf, kann er leicht mit Glas oder anderen niedrigbrechenden Mineralen (insbesondere Analcim) verwechselt werden. Wird der Dünnschliff aber mit Salzsäure angeätzt, scheidet sich auf Nephelin Kieselsäure in gelatinöser Form ab, die anschließend mit einem geeigneten Farbstoff (Methylenblau oder Brillantgrün) angefärbt werden kann. Feldspäte, Analcim oder Leucit bleiben bei diesem Verfahren ungefärbt. Idiomorphe Nephelinkristalle zeigen meist rechteckige oder sechseckige Querschnitte.[12]
Nephelin kann Mischkristalle mit Albit bilden, wobei der Gehalt an Albit bis zu 30 Mol-% erreichen kann. Häufig ist der Albitgehalt dabei fleckig oder zonar im Nephelin verteilt und verändert dabei die Doppelbrechung. Der Kristall erscheint dann an diesen Stellen unter gekreuzten Polarisatoren stärker doppelbrechend.[12]
Längliche weiße Nephelin-Kristalle mit grünschwarzem Pyroxen (wahrscheinlich Augit oder Klinopyroxen) und nadeligem Apatit, mit wenig Leucit (gelb) und Melilith (dunkler rotbraun) aus dem Steinbruch Löhley, Üdersdorf, Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz Größe: 55 mm × 30 mm × 18 mmNephelin um Hämatit herumgewachsen vom Wannenköpfe, Ochtendung, Eifel, Deutschland (Bildgröße: 2 mm)
Als häufige Mineralbildung ist Nephelin an vielen Orten anzutreffen. Weltweit sind bisher rund 1500 Fundstätten dokumentiert (Stand: 2022).[13] Neben seiner Typlokalität Monte Somma wurde das Mineral in Italien noch am Vesuv und am Roccamonfina (Provinz Caserta) in Kampanien, in der Grotta del Cervo (Provinz L’Aquila) in den Abruzzen, an mehreren Orten in Latium, bei Lesina in Apulien, am Monte Ferru auf Sardinien, auf Linosa (Sizilien) und bei San Venanzo in Umbrien gefunden.
Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Nephelinfunde ist unter anderem Davis Hill bei Bancroft (Ontario) in Kanada, wo Kristalle von bis zu 70cm Länge entdeckt wurden. Zwar nur 3,5cm lange, dafür aber vollkommen ausgebildete Kristalle kennt man vom Mont Saint-Hilaire in der kanadischen Provinz Québec.[15]
Nephelin hat nur geringe Bedeutung als Aluminium-Erz, wurde aber in der ehemaligen Sowjetunion als solches genutzt, da diese nicht über nennenswerte Lagerstätten des sonst für diesen Zweck verwendeten Bauxits verfügte.[17]
In der Glas- und Keramischen Industrie dient Nephelin als Zusatzstoff und als Füllstoff für bestimmte Polymere. Für letzteres ist bedeutsam, dass Nephelin und gewisse Polymere (etwa Polyvinylchlorid) nahezu denselben Brechungsindex aufweisen, so dass auch bei hohem Füllstoffanteil die Transparenz des Polymers erhalten bleibt.[18]
René-Just Haüy:Népheline. In: Traité de Minéralogie. Band3, 1801, S.186–190 (französisch, rruff.info[PDF; 323kB; abgerufen am 14.Februar 2022]).
K. T. Tait, E. Sokolova, F. C. Hawthorne, A. P. Khomyakov:The crystal chemistry of nepheline. In: The Canadian Mineralogist. Band41, 2003, S.61–70 (englisch, rruff[PDF; 599kB; abgerufen am 18.Februar 2022]).
Nepheline search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 14.Februar 2022(englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.691 (englisch).
↑David Barthelmy:Nepheline Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 14.Februar 2022(englisch).
12345678
Nepheline. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 75kB; abgerufen am 14.Februar 2022]).
123Nepheline.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 18.Februar 2022(englisch).
↑René-Just Haüy:Népheline. In: Traité de Minéralogie. Band3, 1801, S.186–190 (französisch, rruff.info[PDF; 323kB; abgerufen am 14.Februar 2022]).
12W. E. Tröger:Optische Bestimmung der gesteinsbildenden Minerale. 2. Auflage. Band2. Schweizerbart, Stuttgart 1969, S.199–204.
↑Localities for Nepheline.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 18.Februar 2022(englisch).
↑Otto Diehl:Über Nephelindolerite im Vogelsberg. In: Notizblatt der Hessischen Geologischen Landesanstalt zu Darmstadt. BandV, Nr.18. Darmstadt 1937, S.168–176.
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.261.
12
Fundortliste für Nephelin beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat, abgerufen am 18. Februar 2022.
↑Walter Pohl, Wilhelm Petrascheck (Begr.):W. & W. E. Petrascheck's Lagerstättenlehre. 4. Auflage. Schweizerbart, Stuttgart 1992, ISBN 3-510-65150-2, S.203,285–286.
↑D. Klose, W. Tufar:Natural Silicates. In: Wolfgang Gerhartz (Hrsg.): Ullmann’s Encyclopedia of Industrial Chemistry. 5. Auflage. A 23. VCH, Weinheim 1993, ISBN 978-3-527-20123-5, S.682–685.