Gruppe von verzwillingten Orthoklasen (weiß) und mehreren doppelendigen Arfvedsonitkristallen (schwarz) vom Berg Malosa, Bezirk Zomba, Malawi (Größe: 80 mm × 52 mm × 35 mm)
Arfvedsonit (IMA-Symbol Arf[2]) ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung NaNa2(Fe2+)4Fe3+[(OH)2|Si8O22][3], ist also chemisch gesehen ein Natrium-Eisen-Silikat, das strukturell zu den Doppelkettensilikaten und damit zur Gruppe der Amphibole mit der allgemeinen Zusammensetzung A0-1B2C5T8O22(OH)2, gehört. Die ungewöhnlich erscheinende zweimalige Nennung von Natrium am Anfang der chemischen Formel des Arfvedsonits weist auf ebendiese Zugehörigkeit hin, da die Positionen A und B in seiner Kristallstruktur jeweils von Natrium besetzt sind.
Arfvedsonit ist durchscheinend bis undurchsichtig und entwickelt meist tafelige bis prismatische, gestreifte Kristalle von bis zu 60 Zentimetern Länge[5] mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Gelegentlich findet er sich auch in Form radialstrahliger, faseriger Mineral-Aggregate. Das Mineral kommt ausschließlich in dunkelblauer bis schwarzer Farbe vor, wobei dünne Kanten auch dunkelgrün durchscheinen können. Auch seine Strichfarbe variiert zwischen dunkelbläulichgrau und graugrün.
Mit einer Mohshärte von 5 bis 6 gehört Arfvedsonit zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie die Referenzminerale Apatit (5) und Orthoklas (6) mit einem guten Taschenmesser oder einer Stahlfeile ritzen lassen.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Arfvedsonit ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Kristallstruktur und der Zugehörigkeit zu enger verwandten Mineralfamilien, so dass das Mineral als Mitglied in der „Alkali-Klinoamphibole, Glaukophan-Eckermannit-Gruppe“ mit der System-Nr. 9.DE.25 zu finden ist.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Arfvedsonit in die Abteilung der „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2“ ein. Hier gehört er zur „Gruppe 4, Natrium-Amphibole“ mit der System-Nr. 66.01.03c innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2 Amphibol-Konfiguration“.
Aufgrund seiner Ähnlichkeit in Farbe und Härte kann Arfvedsonit mit Aegirin und Augit verwechselt werden. Aegirin hat allerdings im Gegensatz zum Arfvedsonit einen hell gelbgrauen Strich und Augit hat eine stärkere Doppelbrechung mit optisch positivem Charakter (Arfvedsonit optisch negativ).
Vor dem Lötrohr schmilzt Arfvedsonit sehr leicht bei gelber Flammenfärbung und Bildung einer magnetischen Perle.[9]
Arfvedsonit im Dünnschliff (linear-polarisiertes Licht): Intensive Farben und ausgeprägter Pleochroismus. Fundort: Katzenbuckel, Odenwald.
Im Dünnschliff ist Arfvedsonit im linear-polarisierten Licht durch einen ausgeprägten Pleochroismus gekennzeichnet, bei dem die Farbe des Minerals von blaugrün (fast schwarz) über gelbgrün bis ins Bräunliche wechselt.[10]
Als Juddit wird eine manganhaltige Varietät von Arfvedsonit bezeichnet. Benannt wurde Juddit 1908 durch Lewis Leigh Fermor zu Ehren des britischen Geowissenschaftlers John Wesley Judd.[11]
Als eher seltene Mineralbildung kann Arfvedsonit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 570 Fundorte dokumentiert (Stand: 2022).[12] Neben seiner Typlokalität Ilimaussaq/Kangerdluarssuq, wo das Mineral an vielen Stellen zu finden war, trat Arfvedsonit in Grönland noch bei Ivittuut und Narsaarsuk in Westgrönland und bei Kangerlussuaq in Ostgrönland auf.
In Deutschland konnte Arfvedsonit bisher am Katzenbuckel im Odenwald (Baden-Württemberg), am Gabbrosteinbruch (Bärensteinbruch) bei Bad Harzburg (Niedersachsen) und in der Grube „Brüder Einigkeit“ bei Bösenbrunn im sächsischen Vogtland gefunden werden.[13]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Algerien, der Antarktis, Argentinien, Armenien, Australien, Brasilien, Chile, China, der Demokratischen Republik Kongo, Frankreich und Französisch-Polynesien, Griechenland, Guinea, Guyana, Indien, Italien, Japan, Kamerun, Kanada, auf der Kanalinsel Jersey, Kasachstan, Kenia, Korea, Libyen, Madagaskar, Malawi, Marokko, Mazedonien, der Mongolei, Namibia, Neuseeland, Niger, Nigeria, Norwegen, Portugal, auf Réunion, in Rumänien, Russland, auf St. Helena, in Saudi-Arabien, Schweden, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, Uganda, der Ukraine, Ungarn, Uruguay, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[13]
H. J. Brooke:A description of the crystalline form of some new minerals. Arfwedsonite. In: The Annals of Philosophy. Band5, 1823, S.381–384 (englisch, rruff.info[PDF; 342kB; abgerufen am 29.Juli 2022]).
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.534.
Arfvedsonite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 29.Juli 2022(englisch).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.632 (englisch).
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Arfvedsonite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 84kB; abgerufen am 29.Juli 2022]).
123Arfvedsonite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 29.Juli 2022(englisch).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Susanna T. Schmidt:Transmitted Light Microscopy of Rock-Forming Minerals - An Introduction to Optical Mineralogy. Springer Nature Switzerland, Cham 2023, ISBN 978-3-031-19611-9, S.250.
↑Juddite.In:mindat.org.Abgerufen am 25.Juni 2025(englisch).