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Denisovit

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Denisovit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung KCa2Si3O8F[1] und ist damit chemisch gesehen ein Kalium-Calcium-Silikat mit zusätzlichen Fluor-Ionen. Da allerdings bei natürlichen Denisovit-Proben ein Teil des Kaliums durch Natrium sowie ein Teil des Fluors durch Hydroxidionen ersetzt (substituiert) sein kann, wird dies durch die entsprechende Mischformel Ca2(K,Na)[Si3O8(F,OH)][4] ausgedrückt.

Denisovit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist parallele Aggregate aus nadeligen bis säuligen Kristalle von 10 bis 15 cm Größe. Das Mineral ist von grünlichgrauer bis silbergrauer Farbe, in Aggregatform durchscheinend, und weist auf der Oberfläche einen perlmutt- bis seidenähnlichen Glanz auf.

Etymologie und Geschichte

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Erstmals entdeckt wurde Denisovit 1982 in einem Natrolith-Gang am Südhang des Eweslogtschorr[7] und im Material'naya-Stollen am Yukspor[8] in den Chibinen in der Oblast Murmansk auf der russischen Halbinsel Kola. Beide Fundorte gelten daher als Typlokalität für Denisovit.

Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral durch Yuri P. Men'shikov, der es nach Aleksander Petrowitsch Denisow (Александр Петрович Денисов, 1918–1972), einem russischen Spezialisten für Röntgenuntersuchungen von Mineralien im Wissenschaftszentrum Apatity, benannte. Die vollständige Mineralbeschreibung und der gewählte Name wurde bei der International Mineralogical Association (IMA) zur Prüfung eingereicht (Eingangs-Nr. der IMA: 1982-031) und anerkannt. Die Publikation der Neuentdeckung folgte 1984 zunächst auf Russisch im Fachmagazin Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva und wurde ein Jahr später unter der Rubrik New Minerals im American Mineralogist vorgestellt.

Typmaterial des Minerals wird im Geologischen Museum des Wissenschaftszentrums der Russischen Akademie der Wissenschaften in Apatity auf der Halbinsel Kola unter der Katalog-Nr. 557/1–2; im Bergbau-Museum der Staatlichen Bergbau-Universität Sankt Petersburg in Sankt Petersburg unter der Katalog-Nr. 1295/1–2; im Mineral Preserve Museum in Miass unter der Katalog-Nr. 5392; im Mineralogischen Museum der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau unter den Katalog-Nr. 82762 und vis4773 sowie im Natural History Museum in London unter der Katalog-Nr. 1994,7 aufbewahrt.[5]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Denisovit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/F.18-070. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Denisovit zusammen mit Barrydawsonit-(Y), Bustamit, Cascandit, Ferrobustamit, Foshagit, Jennit, Mendigit, Murakamiit, Pektolith, Schizolith, Serandit, Steedeit, Tanohatait, Trabzonit, Vistepit, Wollastonit und Yangit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/F.18 bildet.[9]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Denisovit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Unklassifizierte Silikate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Alkali- und Erdalkali-Elementen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.HA.85 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Denisovit die System- und Mineralnummer 65.02.01.07. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Einfache unverzweigte Ketten, W=1“. Hier findet er sich in der „Wollastonitgruppe“, in der auch Wollastonit-1A (diskreditiert), Wollastonit-2M (diskreditiert), Wollastonit-3A-4A-5A-7A (diskreditiert), Bustamit, Ferrobustamit, Pektolith-1A (diskreditiert), Pektolith-M2abc (diskreditiert), Serandit und Cascandit eingeordnet sind.[11]

Kristallstruktur

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Denisovit kristallisiert monoklin in bisher nicht definierter Raumgruppe mit den Gitterparametern a = 30,92 Å; b = 7,20 Å; c = 18,27 Å und β = 95° sowie 20 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Bildung und Fundorte

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Denisovit bildet sich in Nephelinsyenit in einem differenzierten Alkaligesteinsmassiv.

An seiner Typlokalität in den Chibinen fanden sich als Begleitminerale neben Nephelin unter anderem noch Kalifeldspat, Aegirin, Apatit, Biotit, Fluorit und Yuksporit. An dem bisher einzigen weiteren bekannten Fundort (Stand 2017), dem Murun-Massiv im Aldanhochland in der Republik Sacha (Jakutien) im Fernen Osten Russlands, trat noch Kalsilit als Begleitmineral hinzu.[12]

  • Юрий П. Менъшиков (Yuri P. Men'shikov): Денисовит Ca4(K1.4Na0.6)2Si6O16(F,OH)2новый минерал из хибинского массива. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band 113, Nr. 6, 1984, S. 718–723 (russisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 4. April 2025 im Internet Archive) [PDF; 406 kB; abgerufen am 29. Mai 2026]).
  • Pete J. Dunn, James A. Ferraiolo, Michael Fleischer, Volker Gobel, Joel D. Grice, Richard H. Langley, James E. Shigley, David A. Vanko, Janet A. Zilczer: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 70, 1985, S. 1329–1335 (englisch, minsocam.org [PDF; 929 kB; abgerufen am 29. Mai 2026]).
Commons: Denisovite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: May 2026. (PDF; 3,4 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Mai 2026, abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
  2. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 29. Mai 2026]).
  3. Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 799 (als Demisovit).
  4. 1 2 3 4 5 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 656 (englisch).
  5. 1 2 3 4 Denisovite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 79 kB; abgerufen am 29. Mai 2026]).
  6. 1 2 3 4 Denisovite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
  7. Typlokalität Eweslogchorr (Eveslogchorr), Chibiny (Khibiny), Kola-Halbinsel, Föderationskreis Nordwestrussland. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 29. Mai 2026.
  8. Typlokalität Material'naya-Stollen, Yukspor, Chibiny (Khibiny), Kola-Halbinsel, Föderationskreis Nordwestrussland. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 29. Mai 2026.
  9. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  10. Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  11. Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 1321.
  12. Fundortliste für Denisovit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 29. Mai 2026.
Denisovit
Weiße, faseriges Denisovit-Aggregat aus der Typlokalität Eweslogtschorr, Russland
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1982-031[1]

IMA-Symbol

Dnv[2]

Andere Namen
Chemische Formel
  • KCa2Si3O8F[1]
  • Ca2(K,Na)[Si3O8(F,OH)][4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/F.18-070

9.HA.85
65.02.01.07
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nicht definiert
Raumgruppe nicht definiert
Gitterparameter a = 30,92 Å; b = 7,20 Å; c = 18,27 Å
β = 95°[4]
Formeleinheiten Z = 20[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 5[5]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,76; berechnet: 2,81[5]
Spaltbarkeit senkrecht zur Längsachse der Kristalle[5]
Bruch; Tenazität splittrig; spröde
Farbe grünlichgrau, silbergrau
Strichfarbe weiß bis grauweiß
Transparenz durchscheinend
Glanz Perlmuttglanz, Seidenglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,567[6]
nβ = 1,568[6]
nγ = 1,576[6]
Doppelbrechung δ = 0,009[6]
Optischer Charakter zweiachsig positiv