vor dem Lötrohr fast unschmelzbar, in Säuren unlöslich
Das Enstatit ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Gruppe der Orthopyroxene innerhalb der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der Endgliedzusammensetzung Mg2[Si2O6]. Enstatit ist damit chemisch gesehen ein Magnesium-Silikat, das strukturell zu den Kettensilikaten gehört. Er bildet eine Mischreihe mit Ferrosilit (Fe2+2[Si2O6]). Innerhalb dieser Reihe werden alle Zusammensetzungen mit mehr als 1 Mg und weniger als 0,1 Ca pro Formeleinheit als Enstatit bezeichnet, alle weiteren allgemein als Hypersthen.
Enstatit ist farblos oder blass gelb, grün, oliv oder braun gefärbt, transparent bis undurchsichtig mit Glasglanz auf Kristallflächen und Perlglanz auf Spaltflächen. Die Kristalle sind von prismatischen bis faserigen Habitus, oft lamellar verzwillingt nach {100} und können bis zu 50cm lang werden. Er zeigt eine gute Spaltbarkeit parallel zu den Prismenflächen {210}, wobei sich die Spaltflächen im Winkel von 88° schneiden. Dies unterscheidet ihn von ähnlichen Amphibolen deren Spaltflächen sich im Winkel von ca. 120° schneiden.
Enstatit ist ein verbreitetes gesteinsbildendes Mineral des Erdmantels (Peridotite), der unteren Erdkruste (Granulit), basischer Magmatite (Gabbro, Pyroxenit) sowie granulitfazieller Metabasite (Granulite), Metapelite und metamorpher Kalksilikatgesteine.
Darüber hinaus ist es ein Bestandteil von Enstatit-Chondriten und Aubriten, seltenen Klassen von Steinmeteoriten.
Auch auf der Oberfläche einiger Asteroiden, wie (44) Nysa, (64) Angelina und (216) Kleopatra wurde dieses harte Mineral nachgewiesen.
Erstmals beschrieben und benannt wurde das Mineral 1855 von Gustav Adolf Kenngott. Als Typlokalität gilt der Berg Zdar bei Ruda nad Moravou (deutsch Eisenberg an der March) in Tschechien, da das Material zur chemischen Analyse von dort stammte.[7]
In der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Enstatit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er als Namensgeber die auch als Orthopyroxene bekannte „Enstatit-Reihe (rhombisch-dipyramidal)“ mit der System-Nr. VIII/D.02 und dem weiteren Mitglied Hypersthen (1988 als Mischkristall diskreditiert) bildete.
Im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/F.02-10. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Kettensilikate und Bandsilikate“, wo Enstatit zusammen mit Akimotoit, Bridgmanit, Donpeacorit, Ferrosilit, Nchwaningit und Protoenstatit die Untergruppe der „Orthopyroxene“ innerhalb der Pyroxengruppe bildet (Stand 2018).[3]
Auch die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Enstatit in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatketten sowie der Zugehörigkeit zu größeren Mineralfamilien, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seines Aufbaus in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden ist, wo es als Namensgeber die „Orthopyroxene – Enstatitgruppe“ mit der System-Nr. 9.DA.05 und den weiteren Mitgliedern Akimotoit, Donpeacorit und Ferrosilit bildet.[9]
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Enstatit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Ferrosilit und Donpeacorit in der Gruppe der „Orthopyroxene“ mit der System-Nr. 65.01.02 innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ zu finden.
Die Struktur ist die von Orthopyroxen, wobei Schichten mit gegensätzlicher Orientierung der Oktaeder nach zwei Schichten alternieren. Silizium (Si4+) besetzt die tetraedrisch von 4 Sauerstoffionen umgebenen T-Positionen und Magnesium (Mg2+) die oktaedrisch von 6 Sauerstoffen umgebenen M1- und M2-Positionen.[10]
Unter dem Mikroskop zeigt sich Enstatit in Vulkaniten in der Form farbloser bis blassgrüner (abhängig vom Fe-Gehalt) Prismen (bei Schnittlagen parallel zur c-Achse) oder vier- oder achteckiger Querschnitte (bei Schnittlagen senkrecht zur c-Achse). In Plutoniten und Metamorphiten überwiegen hypidiomorphe bis xenomorphe, körnige Ausbildungen. Im polarisierten Licht zeigt er weiße bis orangefarbene Interferenzfarben erster Ordnung.[11]
Enstatit bezeichnet MgSiO3 mit Pyroxenstruktur in der zuvor beschriebenen orthorhombischen Symmetrie mit der Raumgruppe Pbca(Nr. 61)Vorlage:Raumgruppe/61. Er ist bei Temperaturen über ~600°C und Drucken bis ~7–12GPa stabil. Bei höherem Druck wandelt sich Enstatit in Hochklinoenstatit mit der Struktur von Diopsid in der Raumgruppe C2/c(Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 um. Bei niedrigen Druck unter ~1Gpa wandelt sich Enstatit oberhalb von ~1000°C in den ebenfalls orthorhombischen Protoenstatit (Pbcn(Nr. 60)Vorlage:Raumgruppe/60) um. Bei tieferen Temperaturen ist der Klinoenstatit mit der Raumgruppe (P21/c(Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14) die stabile Phase.[12] Bei rascher Abkühlung wandelt sich Protoenstatit nicht in Enstatit, sondern bei ~865°C metastabil in Klinoenstatit um.[13][14]
Bei niedrigen Druck unter 1GPa und Temperaturen über 1500°C gibt es noch ein kleines Stabilitätsfeld eines monoklinen Hochtemperatur-Klinoenstatits, der ab ~1600–1700°C schmilzt. Enstatit schmilzt bei Drucken zwischen 1 und 12GPa und Temperaturen zwischen 1700 und 2200°C.[12]
Oberhalb von 17–18GPa ist die Pyroxenstruktur von MgSiO3 nicht mehr stabil und das Magnesiummetasilikat liegt bei Temperaturen über ~1600°C in der Struktur von Granat (Majorit) und unterhalb von 1600 bis 2000°C in der Ilmenitstruktur (Akimotoit) vor. Bei extrem hohen Drucken oberhalb von ~22GPa geht MgSiO3 in die Perowskitstruktur (Bridgmanit) über.
Als häufige Mineralbildung ist Enstatit weltweit an vielen Orten anzutreffen. Bisher sind rund 1200 Fundorte für Enstatit dokumentiert (Stand: 2020).[18] Neben seiner Typlokalität Eisenberg an der March wurde Enstatit noch an mehreren Orten in Böhmen und Mähren gefunden.
Adolf Kenngott:Mineralogische Notizen, betreffend die bekannten Species: Karstenit, Dolomit, Millerit, Turmalin, Galaktit, Wasser, Plagionit, Diopsid, Zinkit, Calcit und Felsöbanyt, sowie zwei neue: den Enstatit im Geschlechte der Augit-Spathe und den Pseudophit im Geschlechte der Serpentin-Steatite. In: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Band16, 1855, S.152–179 (rruff.info[PDF; 1,6MB; abgerufen am 13.August 2018]).
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S.232.
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Enstatite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 26.Februar 2020(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.619 (englisch).
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Enstatite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 76kB; abgerufen am 26.Februar 2020]).
1234Enstatite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 26.Februar 2020(englisch).
↑Adolf Kenngott:Über den Enstatit, eine neue Species in dem Geschlechte der Augit-Spathe. In: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Band16, 15.März 1855, S.162 (rruff.info[PDF; 1,6MB; abgerufen am 26.Februar 2020]).
↑Subcommite on Pyroxenes, CNMMN; Nobuo Morimoto:Nomenclature of Pyroxenes. In: The Canadian Mineralogist. Band27, Nr.1, 1989, S.143–156 (rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 26.Februar 2020]).
12B. E. Warren and D. I. Modell:The structure of enstatite MgSiO3. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band75, 1930, S.1–14 (rruff.info[PDF; 1,7MB; abgerufen am 29.Februar 2020]).
↑Hans Pichler, Cornelia Schmitt-Riegraf:Gesteinsbildende Minerale im Dünnschliff. 2. Auflage. Enke, Stuttgart 1993, ISBN 3-8274-1260-9, S.84–87.
123Dean C. Presnall:Phase Diagrams of Earth-Forming Minerals. In: Mineral physics and crystallography: a handbook of physical constants. 1995, S.252–273 (citeseerx.ist.psu.edu[PDF; 24,1MB; abgerufen am 19.Mai 2019]).
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12Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.510.
↑Roland Vinx:Gesteinsbestimmung im Gelände. 3. Auflage. Spektrum, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-2748-9, S.78.
↑Localities for Enstatite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 26.Februar 2020(englisch).
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12
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↑Localities for Bronzite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 26.Februar 2020(englisch).
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.208.
↑Michael R. W. Peters:Enstatit.In:realgems.org.26.Dezember 2010,abgerufen am 26.Februar 2020(mit Bildbeispielen geschliffener Enstatite).