Reinerit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt grob ausgebildete, pseudohexagonale Kristalle bis knapp 5cm Größe,[6] kommt aber auch in Form von großen Krusten[8] vor. Das Mineral ist durchsichtig und meist von lichtgelbgrüner Farbe, die allerdings unter Lichteinwirkung mit der Zeit ins Meerblaue wechselt. Die Kristall- und Bruchflächen weisen einen glas- bis diamantähnlichen Glanz auf.
Erstmals entdeckt wurde Reinerit in Mineralproben aus der Tsumeb Mine in Namibia, die der damalige Mineraloge der Tsumeb Mine Bruno Hermann Geier dort gesammelt hatte.[9] Die Analyse und Erstbeschreibung führte Geier zusammen mit dem Physiker Kurt Weber durch. Das Mineral benannten sie nach dem Seniorchemiker der Tsumeb Corp.Ltd. Willy Reiner und veröffentlichten die Erstbeschreibung 1958 im Fachmagazin Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte.
Das Typmaterial des Minerals wird im Institut für Mineralogie und Kristallographie der Technischen Universität Berlin (IMK-TU) in Berlin unter den Inventarnummern 94/32 oder 89-3[9], 86/70 und 86/71 (HT) und in der Mines ParisTech (auch École nationale supérieure des mines de Paris, ENSM) in Paris unter der Inventarnummer 50963 (CT) aufbewahrt.[10][11]
Da der Reinerit bereits im Gründungsjahr der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Reinerit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Reinerit lautet „Rnr“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/J.01-010. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Arsenite (mit As3+)“, wo Reinerit als einziges Mineral eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/J.01 bildet.[4]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Reinerit die System- und Mineralnummer 45.01.01.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Saure und normale Antimonite, Arsenite und Phosphite“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Saure und normale Antimonite, Arsenite und Phosphite mit verschiedenen Formeln“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 45.01.01.
Die Kristallstruktur von Reinerit besteht aus eckenteilenden ZnO4-Tetraedern, die parallel der a-Achse [100] doppelte Kettenreihen bilden. Diese werden durch kantenverknüpfte Dimere aus ZnO4-Tetraedern und trigonalen AsO3-Pyramiden verbunden.[2]
An seiner Typlokalität in der Tsumeb Mine fand sich das Mineral in der sogenannten zweiten Oxidationszone in einer Tiefe von 900m.[13] Es ist zudem der bisher einzige dokumentierte Fundort für Reinerit in Namibia.
In Deutschland kennt man mit den Schlackenhalden der ehemaligen Ochsenhütte (heute Schutzgebiet) nahe der Granetalsperre und der Stadt Langelsheim im niedersächsischen Landkreis Goslar[14] bisher ebenfalls nur einen Fundort.
Die einzigen weiteren bestätigten Fundorte weltweit sind das Dunzhugur-Ophiolith-Massiv im Westsajan-Gebirge in der russischen Region Krasnojarsk und die Sterling Mine am Sterling Hill nahe Ogdensburg (New Jersey) in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ein möglicher Fundort in der Blei-Zink-Lagerstätte Lalongla im Kreis Riwoqê des Autonomen Gebiets Tibet in der Volksrepublik China gilt bisher als fraglich.[15]
B. H. Geier, K. Weber:Reinerit Zn3[AsO3]2, ein neues Mineral der Tsumeb Mine Südwestafrika. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1958, S.160–167.
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band44, 1959, S.207–210 (englisch, rruff.info[PDF; 287kB; abgerufen am 13.August 2025]).
Subrata Ghose, Paul Boving, William A. LaChappelle, Che’ng Wan:Reinerite, Zn3(AsO3)2: an arsenite with a novel type of Zn-tetrahedral double chain. In: American Mineralogist. Band62, 1977, S.1129–1134 (englisch, rruff.info[PDF; 627kB; abgerufen am 13.August 2025]).
Silmarilly Bahfenne, Llew Rintoul, Ray L. Frost:Single-crystal Raman spectroscopy of natural leiteite (ZnAs2O4) and comparison with the synthesised mineral. In: Journal of Raman Spectroscopy. Band42, 2011, S.659–666, doi:10.1002/jrs.2751 (englisch, Autorenmanuskriptversion bei eprints.qut.edu.au[PDF; 386kB; abgerufen am 13.August 2025]).
Reinerite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 13.August 2025(englisch).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.263 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Reinerite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 13.August 2025(englisch).
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Reinerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; abgerufen am 13.August 2025]).
1234Reinerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 13.August 2025(englisch).