Violetter bis weißer, blättriger Martinit aus dem „Poudrette quarry“, Mont Saint-Hilaire, Kanada (Größter Durchmesser des blättrigen Martinit-Aggregats: ca. ~ 2¼ mm)
Martinit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung (Na,☐,Ca)12Ca4(Si,S,B)14B2O38(OH,Cl)2F2·4H2O[1] und damit chemisch gesehen ein komplexes, wasserhaltigesNatrium-Calcium-Borosilikat. Strukturell gehört Martinit zu den Schichtsilikaten (Phyllosilikaten). Die in den runden Klammern angegebenen Elemente können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Martinit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt dreieckige bis sechseckige, tafelige Kristalle, die meist in Form von rosettenförmigen Mineral-Aggregaten mit einem Durchmesser zwischen 50 Mikrometern bis einem Millimeter angeordnet sind. In reiner Form ist er farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder multikristalliner Ausbildung kann er allerdings auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine violette Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist jedoch immer weiß.
Erstmals entdeckt wurde Martinit 2001 im Steinbruch „Poudrette“ am Mont Saint-Hilaire in der kanadischen Provinz Québec und beschrieben durch Andrew M. McDonald und George Y. Chao, die das Mineral nach Robert François Martin (* 1941), dem Professor der Geologie an der McGill University und langjährigem Herausgeber des Canadian Mineralogist benannten.
McDonald und Chao reichten ihre Untersuchungsergebnisse sowie den gewählten Namen zur Prüfung bei der International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nr. der IMA: 2001-059[1]), die den Martinit 2004 als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation des neu entdeckten und anerkannten Minerals folgte 2007 im Canadian Mineralogist.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen allerdings noch nach der alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/H.34-029. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Martinit zusammen mit Armstrongit, Cairncrossit, Ellingsenit, Fedorit, Gyrolith, Lalondeit, Minehillit, Orlymanit, Reyerit, Truscottit, Tungusit und Zeophyllit die unbenannte Gruppe VIII/H.34 bildet.[5]
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Martinit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Schichtsilikate mit kondensierten tetraedrischen Schichten“ ein. Hier ist er zusammen mit Lalondeit in der „Reyeritgruppe (Trikline Untergruppe)“ mit der System-Nr. 73.02.02d innerhalb der Unterabteilung der „Schichtsilikate: Kondensierte Tetraederschichten mit doppelten und einfachen Lagen“ zu finden.
Andrew M. McDonald, George Y. Chao:Martinite, a new hydrated sodium calcium fluorborosilicate species from Saint-Hilaire, Québec: Description, structure determination and genetic implications. In: The Canadian Mineralogist. Band45, Nr.5, Oktober 2007, S.1281–1292, doi:10.2113/gscanmin.45.5.1281 (englisch, rruff.info[PDF; 402kB; abgerufen am 25.Februar 2023]).
↑David Barthelmy:Martinite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 25.Februar 2023(englisch).
1234567891011Andrew M. McDonald, George Y. Chao:Martinite, a new hydrated sodium calcium fluorborosilicate species from Saint-Hilaire, Québec: Description, structure determination and genetic implications. In: The Canadian Mineralogist. Band45, Nr.5, Oktober 2007, S.1281–1292, doi:10.2113/gscanmin.45.5.1281 (englisch, rruff.info[PDF; 402kB; abgerufen am 25.Februar 2023]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.