Lueshit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist würfelähnliche oder unregelmäßig oktaedrischeKristalle bis etwa 1,5 Zentimeter Größe mit einem schwachen Metallglanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und von schwarzer Farbe. Nur dünne Ecken und Kanten sind rötlichbraun bis braunviolett durchscheinend. Die Strichfarbe ist allerdings grau.
Entdeckt wurde Lueshit in der „Lueshe Mine“, etwa 180km nördlich von Goma (Nord-Kivu) in der Demokratischen Republik Kongo. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Alexandre Safiannikoff,[6] der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte. Seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen veröffentlichte er 1959 im französischen Fachmagazin Bulletin des Séances der Académie Royal des Sciences d’Outre-Mer.
Da die International Mineralogical Association (IMA) zwar schon 1958 gegründet wurde, aber die für die Nomenklatur und An- bzw. Aberkennung zuständige Commission on New Minerals and Mineral Names (CNMMN; später Commission on new Minerals, Nomenclature and Classification, CNMNC) erst 1960 ihre Arbeit aufnahm, gehört Lueshit zu den „Übergangsmineralen“, die keine offizielle IMA-Nummer haben. Stattdessen wurde das Mineral zusammen mit vielen anderen durch eine Abstimmung der Mitglieder mit einer Stimmenmehrheit von über 60% nachträglich anerkannt und diese Summenanerkennung 1962 publiziert.[7] Lueshit wird seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA/CNMNC unter der Summenanerkennung „IMA 1962 s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die 2021 ebenfalls offiziell anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Lueshit lautet „Lue“.[2]
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Lueshit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „M2O3- und verwandte Verbindungen“, wo er zusammen mit Latrappit, Loparit-(Ce) (ehemals Loparit), Perowskit und Zirkelit sowie den inzwischen diskreditierten Mitgliedern Dysanalyt (Varietät von Perowskit), Nioboloparit (Varietät von Loparit-(Ce)) und Uhligit die „Perowskit-Gruppe“ mit der System-Nr. IV/C.07 bildete.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Lueshit in die erweiterte Abteilung der „Metall: Sauerstoff = 2: 3, 3: 5 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Barioperowskit, Lakargiit, Latrappit, Natroniobit und Perowskit die „Perowskit-Lueshit-Gruppe“ mit der System-Nr. 4.CC.30 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Lueshit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Oxide“ ein. Hier ist er zusammen mit Barioperowskit, Isolueshit, Lakargiit, Latrappit, Loparit-(Ce), Perowskit, Tausonit in der „Perowskit-Gruppe“ mit der System-Nr. 04.03.03 innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 3+ (A2O3)“ zu finden.
Die Verbindung NaNbO3 ist dimorph und kommt in der Natur neben dem orthorhombisch kristallisierenden Lueshit noch als kubisch kristallisierender Isolueshit vor; möglicherweise auch als monoklin kristallisierender Natroniobit, wobei dessen Mineralstatus bisher noch fraglich ist.[1]
Als seltene Mineralbildung konnte Lueshit bisher nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Vorkommen[10] dokumentiert sind (Stand 2023). Seine Typlokalität „Lueshe Mine“ ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in der Demokratischen Republik Kongo.[11]
A. Safiannikoff:Un nouveau minéral de niobium. In: Académie Royal des Sciences d’Outre-Mer. Bulletin des Séances. Band5, 1959, S.1251–1255 (französisch).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band46, 1961, S.1004 (englisch, rruff.info[PDF; 83kB; abgerufen am 25.Juni 2023]).
Lueshite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 25.Juni 2023(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.200 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123
Lueshite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 58kB; abgerufen am 25.Juni 2023]).
↑
International Mineralogical Association: Commission on new minerals and mineral names. In: Mineralogical Magazine. Band33, 1962, S.260–263 (englisch, rruff.info[PDF; 168kB; abgerufen am 25.Juni 2023]).
↑Roger H. Mitchell, Mark D. Welch and Anton R. Chakhmouradian:Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band81, Nr.3, 2017, S.411–461, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, cambridge.org[PDF; 2,2MB; abgerufen am 25.Mai 2025]).