Isolueshit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung NaNbO3[1] und damit chemisch gesehen ein Natrium-Niob-Oxid oder auch Natriumniobat. Da bei natürlichen Isolueshiten allerdings meist ein geringer Teil des Natriums durch Calcium und/oder verschiedene Metalle der Seltenen Erden (hier vor allem Lanthan) sowie ein Teil des Niobs durch Titan ersetzt (substituiert) ist, wird die chemische Formel in verschiedenen Quellen auch mit (Na,Ca,La)(Nb,Ti)O3[4] angegeben.
Entdeckt wurde Isolueshit im Apatit-Bergwerk Kirow (auch Kirovsky oder Kirovskii, russischКировский рудник) am Kukiswumtschorr (Kukisvumchorr) in den Chibinen auf der russischen Halbinsel Kola. Die Erstbeschreibung erfolgte durch Anton Chakhmouradian, Viktor Yakovenchuk, Roger H. Mitchell und Alla Bogdanova, die das Mineral in Anlehnung an dessen kubische (isometrische) Struktur beziehungsweise optische Isometrie sowie dessen nahe Verwandtschaft mit Lueshit als Isolueshit bezeichneten.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1995 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1995-024[1]), die den Isolueshit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung erfolgte zwei Jahre später im Fachmagazin European Journal of Mineralogy. Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Isolueshit lautet „Isl“.[2]
Da der Isolueshit erst 1995 als eigenständiges Mineral anerkannt und dies 1997 publiziert wurde, ist er in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz nicht verzeichnet.
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Isolueshit in die erweiterte Abteilung der Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis „Metall:Sauerstoff=2:3, 3:5 und vergleichbare“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Loparit-(Ce), Macedonit und Tausonit die „Loparit-Macedonit-Gruppe“ mit der System-Nr. 4.CC.35 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Isolueshit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Oxide“ ein. Hier ist er zusammen mit Barioperowskit, Lakargiit, Latrappit, Loparit-(Ce), Lueshit, Perowskit und Tausonit in der „Perowskit-Gruppe“ mit der System-Nr. 04.03.03 innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 3+ (A2O3)“ zu finden.
Die theoretische Zusammensetzung von stoffreinem Isolueshit (NaNbO3) besteht aus 14,027 Gew.-% Natrium (Na), 56,687 Gew.-% Niob (Nb) und 29,286 Gew.-% Sauerstoff (O).
Die Analyse des Typmaterials ergab allerdings zusätzlich Fremdbeimengungen von Titan (Ti), Calcium (Ca), Strontium (Sr), Thorium (Th) und den Seltenen Erden Lanthan (La) und Cer (Ce) sowie Spuren von Kalium (K), Tantal (Ta) und den Seltenen Erden Praseodym (Pr), Neodym (Nd) und Samarium (Sm).[5] Auf der Grundlage von drei Sauerstoffionen wurde daraus die durchschnittliche, empirische Zusammensetzung (Na0,73Ca0,08La0,05Ce0,03Sr0,03Th0,01)Σ=0,93(Nb0,66Ti0,35)Σ=1,01O3,00 berechnet und zu der Formel (Na,Ca,La)(Nb,Ti)O3 idealisiert.[10]
Im Gegensatz zu seiner bräunlichschwarzen Oberflächenfarbe erscheint Isolueshit im Auflichtmikroskop bläulich mit internen rötlichbraunen Reflexionen.[5]
Die Mikrohärte von Isolueshit beträgt bei einer eingesetzten Prüfkraft von 70g zwischen 544 und 616 nach {110} und 479–544 nach {100}. Dies entspricht einer durchschnittlichen Vickershärte von 580 und einer Mohshärte von 5,5.[5]
Die Verbindung NaNbO3 ist trimorph und kommt in der Natur neben dem kubisch kristallisierenden Isolueshit noch als orthorhombisch kristallisierender Lueshit und als trigonal kristallisierender Pauloabibit vor; möglicherweise auch als monoklin kristallisierender Natroniobit, wobei dessen Mineralstatus bisher noch fraglich ist.[1]
Außer seiner Typlokalität, dem Apatit-Bergwerk Kirow auf der Halbinsel Kola in Russland, ist bisher kein weiterer Fundort für Isolueshit dokumentiert (Stand 2023).[11]
Anton Chakhmouradian, Viktor Yakovenchuk, Roger H. Mitchell, Alla Bogdanova:Isolueshite: a new mineral of the perovskite group from the Khibina alkaline complex. In: European Journal of Mineralogy. Band9, 1997, S.483–490 (englisch, online verfügbar bei rruff.info[PDF; 1,2MB; abgerufen am 27.Juni 2023]).
John Leslie Jambor, Edward S. Grew, Andrew C. Roberts:New mineral names. In: American Mineralogist. Band83, 1998, S.186 (englisch, verfügbar bei rruff.info[PDF; 79kB; abgerufen am 27.Juni 2023]).
Sergey V. Krivovichev, Anton R. Chakhmouradian, Roger H. Mitchell, Stanislav K. Filatov, Nikita V. Chukanov:Crystal structure of isolueshite and its synthetic compositional analogue. In: European Journal of Mineralogy. Band12, Nr.3, 2000, S.597–607, doi:10.1127/ejm/12/3/0597 (englisch).
Roger H. Mitchell, Mark D. Welch, Anton R. Chakhmouradian:Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band81, Nr.3, 2017, S.411–461 (englisch, verfügbar bei rruff.info[PDF; 2,2MB; abgerufen am 27.Juni 2023]).
Isolueshite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 66kB; abgerufen am 27.Juni 2023]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.201 (englisch).
123456789Anton Chakhmouradian, Viktor Yakovenchuk, Roger H. Mitchell, Alla Bogdanova:Isolueshite: a new mineral of the perovskite group from the Khibina alkaline complex. In: European Journal of Mineralogy. Band9, 1997, S.483–490 (englisch, online verfügbar bei rruff.info[PDF; 1,2MB; abgerufen am 27.Juni 2023]).
↑Roger H. Mitchell, Mark D. Welch and Anton R. Chakhmouradian:Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band81, Nr.3, 2017, S.411–461, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, cambridge.org[PDF; 2,2MB; abgerufen am 25.Mai 2025]).
↑John Leslie Jambor, Edward S. Grew, Andrew C. Roberts:New mineral names. In: American Mineralogist. Band83, 1998, S.186 (englisch, verfügbar bei rruff.info[PDF; 79kB; abgerufen am 17.März 2019]).
↑
Fundortliste für Isolueshit beim Mineralienatlas (englisch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 27. Juni 2023.