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HydroGNSS

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HydroGNSS
Phase: E1 / Status: aktiv

Grafik eines HydroGNSS-Satelliten (2021)
Typ Erdbeobachtungssatelliten (zwei Kleinsatelliten)
LandEuropa
OrganisationESA
COSPAR-Bezeichnung2025-276DA und DB
(HydroGNSS 1 und 2)
Missionsdaten
Startdatum28. November 2025, 18:44 UTC
StartplatzVandenberg Space Force Base, SLC-4E
TrägerraketeFalcon 9 (Transporter-15)
Missionsdauer3 Jahre (Primärmission)
(+ 2 Jahre optionale Verlängerung)
Bahndaten
KoordinatenursprungErde
Bahnhöheca. 540 km
Bahnneigungsonnensynchron, Orbit-Ebenen um 180° versetzt
Allgemeine Raumfahrzeugdaten
Startmasse65 oder 75 kg je Satellit[1][2]
Leermasse40 kg (?) – Satellitenbus ohne Nutzlast
Abmessungen45 cm × 45 cm × 70 cm (vor Entfaltung)
HerstellerSSTL
Spezifische Raumfahrzeugdaten
Stabilisationdreiachsenstabilisiert
Elektrische Leistung56 W (Durchschnittsverbrauch max. 41,5 W)
AntriebssystemXenon-Ionenantrieb
Nutzlastdaten
SatellitenbusSSTL-21
Instrumente
  • GNSS-Reflektometrie-Empfänger (Dual-Frequenz/Dual-Polarisation)
Sonstiges
Vorherige
Mission
Biomass (FutureEO)
Nachfolgende
Mission
FLEX (FutureEO)
NanoMagSat (Scout)

HydroGNSS (auch als Scout-2 geführt) ist eine Erdbeobachtungsmission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Sie besteht aus zwei identischen Kleinsatelliten, die im Formationsflug operieren und mit hochpräzisen Instrumenten zur GNSS-Reflektometrie ausgestattet sind.[3] Die Mission nutzt reflektierte Signale der Satellitennavigationssysteme GPS und Galileo, um wesentliche Klimavariablen des globalen Wasserkreislaufs auf dem Festland zu erfassen.[4][5] Die Primärmission ist auf drei Jahre ausgelegt;[6] die gesamte Mission soll mehr als drei Jahre dauern.[2]

Funktionsprinzip

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HydroGNSS verwendet das Verfahren der GNSS-Reflektometrie (GNSS-R). Diese Fernerkundungsmethode basiert auf dem Prinzip eines bistatischen Radars: Sie benötigt keine eigenen Radarsender, sondern fängt die Radiosignale bestehender Navigationskonstellationen auf.

Die Satelliten besitzen nach oben gerichtete Antennen, um die direkten Signale der Navigationssatelliten zu empfangen, sowie nach unten (zum Nadir) gerichtete Antennen für an der Erdoberfläche gestreute und reflektierte Signale. Durch genauen Vergleich von Phasenlaufzeiten und Amplituden von Direkt- und Reflektionssignal lassen sich Rückschlüsse auf die Eigenschaften der reflektierenden Oberfläche ziehen. Die Form der reflektierten Signalwellen verändert sich je nach Beschaffenheit des Bodens, was eine Mengenbestimmung von Feuchtigkeit, Biomasse und Eis ermöglicht.[7]

Die Satelliten sollten hauptsächlich für die Messung von vier hydrologischen Eigenschaften ausgelegt werden, wobei eine räumliche Auflösung von 25 Kilometern angestrebt wurde:[8][7]

Angestrebte Zielvorgaben für HydroGNSS (Stand 2021)
Hydrologische VariableMaßeinheit / TypMax. MessunsicherheitZeitliche Auflösung
Bodenfeuchtem³/m³± 0,04 m³/m³15 Tage (mit 2 Satelliten)
Feuchtgebiete / ÜberflutungsflächenJa / Nein> 90 % Erkennungsrate15 Tage (mit 2 Satelliten)
Gefrier-/Tauzustand von PermafrostJa / Nein> 90 % Erkennungsrate15 Tage (mit 2 Satelliten)
Oberirdische Biomasse (Wälder)Tonnen / Hektar± 20 % (bzw. ± 10 t/ha bei Werten < 50 t/ha)15 Tage (mit 2 Satelliten)

Als sekundäre Missionsziele gelten die Erfassung der Windgeschwindigkeit über Ozeanen sowie die Bestimmung der Meereisausdehnung.[8] Die gewonnenen Datensätze dienen als Ergänzung zu den wesentlich teureren Großmissionen wie SMOS, Biomass und Sentinel-1 der ESA sowie SMAP der NASA.[7]

Hintergrund und Projektgeschichte

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Die Mission baut technologisch auf früheren Projekten zur GNSS-Reflektometrie auf, insbesondere auf der CYGNSS-Konstellation der NASA und dem britischen Technologiedemonstrator TechDemoSat-1. Der Hauptauftragnehmer Surrey Satellite Technology (SSTL) war federführend an diesen Vorläufermissionen beteiligt.[9] Die wissenschaftlichen Auswertungsverfahren wurden von einem europäischen Konsortium entwickelt, dem unter anderem das National Oceanography Centre (Großbritannien), das Nottingham Geospatial Institute (Großbritannien), die Sapienza-Universität von Rom (Italien), das Institut d’Estudis Espacials de Catalunya (Spanien) und das Finnische Meteorologische Institut angehören.

HydroGNSS ist die erste erfolgreich gestartete Mission innerhalb der Scout-Serie, einer Unterkategorie des Erdbeobachtungsprogramms der ESA.[4] Obwohl als Scout-2 geführt, rückte HydroGNSS an die erste Stelle der Startliste auf, nachdem die ursprünglich geplante Mission Scout-1 (CubeMAP) aufgrund von Budgetrestriktionen eingestellt worden war.[10][11] Bei Scout-Missionen darf die Entwicklung bis zum Start maximal drei Jahre dauern und das Gesamtbudget ist streng limitiert.[12]

Im März 2021 genehmigte die ESA die Umsetzung des Projekts.[13] Der Bauvertrag für den ersten Satelliten mit SSTL über 24 Millionen Euro wurde im Oktober 2021 unterzeichnet.[14] Im März 2023 zog die ESA eine vertragliche Option zur Aufstockung der Mission auf zwei identische Satelliten. Dies ermöglichte es, die globale Wiederholrate der Messungen von 30 auf 15 Tage zu halbieren.[15] Nach dem erfolgreichen Abschluss der Flugtauglichkeitsprüfung (Flight Acceptance Review) im August 2025 wurden die Satelliten im Folgemonat zur Startvorbereitung nach Kalifornien transportiert.[9]

Technische Daten

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Die beiden Satelliten sind baugleich und basieren auf dem Satellitenbus SSTL-21, dem kleinsten Mikrosatelliten-Modell des Herstellers SSTL.

  • Abmessungen und Masse: Die Satelliten wiegen beim Start möglicherweise jeweils 65 kg (bei einer Trockenmasse des Busses von 40 kg) und weisen vor Entfaltung der Anhänge kompakte Dimensionen von 45 cm × 45 cm × 70 cm auf.[7] Die ESA gibt die Masse mit je 75 kg an.[2]
  • Energieversorgung: Entfaltbare Galliumarsenid-Solarpaneele erzeugen im Orbit eine elektrische Leistung von 56 Watt, während der durchschnittliche Maximalverbrauch des Systems im Betrieb bei 41,5 Watt liegt.[7]
  • Antriebssystem: Für Bahnkorrekturen, Phasenanpassungen im Formationsflug, Kollisionsvermeidungsmanöver und das spätere Deorbiting am Lebensende ist ein elektrisches, mit Xenon betriebenes Antriebssystem verbaut. Das System ermöglicht insgesamt eine Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) von rund 30 m/s.[7]
  • Kommunikation und Nutzlast: Die Erfassung der Signale erfolgt über hochempfindliche Patchantennen in zwei unterschiedlichen Bereichen des L-Bands und in dualer Polarisation. Ein Signalprozessor berechnet daraus sekündlich sogenannte Delay Doppler Maps (DDM). Die gewonnenen Daten werden im X-Band mit einer Übertragungsrate von bis zu 160 Mbit/s zu den Bodenstationen (u. a. auf Spitzbergen) übertragen.[16]

Missionsverlauf und Status

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Der Start der beiden Satelliten erfolgte am 28. November 2025 um 18:44 UTC an Bord einer Falcon 9-Trägerrakete im Rahmen der Rideshare-Mission Transporter-15 von der Vandenberg Space Force Base.[17] 79 beziehungsweise 82 Minuten nach dem Abheben[18] wurden die beiden Raumfahrzeuge von der oberen Raketenstufe in rund 540 Kilometern Höhe ausgesetzt. Am selben Abend bestätigte SSTL den Empfang der ersten Telemetriesignale.[19]

Im Dezember 2025 lieferten die Satelliten erste Testdaten in Form von unkalibrierten Delay Doppler Maps über Zentralafrika.[20] Die Satelliten befinden sich im Jahr 2026 in ihrer planmäßigen mehrmonatigen Inbetriebnahmephase, in der die Instrumente kalibriert und erste wissenschaftliche Probemessungen über Europa und Afrika ausgewertet werden.[21]

  • Martin J. Unwin, Nazzareno Pierdicca, Estel Cardellach, Kimmo Rautiainen, Giuseppe Foti, Paul Blunt et al.: An Introduction to the HydroGNSS GNSS Reflectometry Remote Sensing Mission. In: IEEE Journal of Selected Topics in Applied Earth Observations and Remote Sensing. Vol. 14, Juni 2021, S. 6987–6999, doi:10.1109/JSTARS.2021.3089550 (englisch).

Einzelnachweise

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  1. ↑ https://www.hydrognss.org/about/mission-information/
  2. 1 2 3 https://www.esa.int/Applications/Observing_the_Earth/FutureEO/HydroGNSS/HydroGNSS_facts_and_figures
  3. ↑ Peter Gutierrez: GNSS Reflectometry Project HydroGNSS to Launch in 2025. Inside GNSS, 20. Januar 2025, abgerufen am 24. September 2025 (englisch).
  4. 1 2 HydroGNSS/Scout-2. eoPortal, archiviert vom Original am 23. August 2025; abgerufen am 24. September 2025 (englisch).
  5. ↑ About HydroGNSS. ESA Earth Online, abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
  6. ↑ Mission Information. HydroGNSS, abgerufen am 13. Februar 2025 (englisch).
  7. 1 2 3 4 5 6 Martin J. Unwin, Nazzareno Pierdicca, Estel Cardellach, Kimmo Rautiainen, Giuseppe Foti, Paul Blunt et al.: An Introduction to the HydroGNSS GNSS Reflectometry Remote Sensing Mission. In: IEEE Journal of Selected Topics in Applied Earth Observations and Remote Sensing. Band 14, Juni 2021, S. 6987–6999, doi:10.1109/JSTARS.2021.3089550 (englisch).
  8. 1 2 Watch: HydroGNSS, IRIDE and Greek mission satellites launch. ESA, 18. November 2025, abgerufen am 18. November 2025 (englisch).
  9. 1 2 HydroGNSS: ESA’s first Scout begins launch preparations. ESA, 29. September 2025, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
  10. ↑ GomSpace and ESA cancel next phase of climate observation mission. Space Daily, abgerufen am 30. September 2025 (englisch).
  11. ↑ CubeMAP mission development halted. ESA, abgerufen am 30. September 2025 (englisch).
  12. ↑ ESA’s HydroGNSS Scout satellites ready for launch. ESA, 6. November 2025, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  13. ↑ Second Scout gets the go-ahead. ESA, 19. März 2021, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
  14. ↑ Contract secures build for HydroGNSS Scout mission. ESA, 21. Oktober 2021, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
  15. ↑ HydroGNSS twice as good. ESA, 22. März 2023, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
  16. ↑ Martin Unwin: Scout-2 HydroGNSS GNSS-Reflektometrie-Mission. Centre for Earth Observation Instrumentation, 7. September 2021, abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
  17. ↑ ESA’s HydroGNSS mission lifts off. ESA, 28. November 2025, abgerufen am 28. November 2025 (englisch).
  18. ↑ https://www.spacex.com/launches/transporter15
  19. ↑ ESA’s HydroGNSS mission launched to ‘scout’ for water. ESA, 28. November 2025, abgerufen am 28. November 2025 (englisch).
  20. ↑ HydroGNSS Commissioning Update. SSTL, 19. Dezember 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).
  21. ↑ ESA’s HydroGNSS on track to scout for water. ESA, 12. März 2026, abgerufen am 14. März 2026 (englisch).