IRIS²
| IRIS² | |
|---|---|
| Typ: | Konstellation, Kommunikation |
| Land: | |
| Betreiber: | |
| Hersteller: | OHB, Aerospacelab, Airbus |
| Missionsdaten | |
| Masse: | 2,6 t für die MEO-Satelliten |
| Start: | 2029 bis 2030 |
| Trägerrakete: | europäische Trägerraketen |
| Status: | im Bau |
| Bahndaten | |
| Umlaufbahn: | multi orbit (LEO und MEO) |
IRIS² (Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite), ausgesprochen Iris square, ist eine geplante Satellitenkonstellation der EU, die eine flächendeckende Internetanbindung aufbauen und für öffentliche und private Nutzer bieten soll.
Geplante Konstellation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Konstellation soll durch die ESA entwickelt werden und nach der Planung von 2025 ab 2030 ihren Betrieb aufnehmen.[1] Die Europäische Kommission verfügt für die geplante Weltrauminfrastruktur über ein Budget von 2,4 Milliarden Euro bis 2027, hinzu kommen 642 Millionen Euro, die von der Europäischen Weltraumorganisation über drei Jahre bereitgestellt werden.[2][3] Das Projekt wurde vom ESA-Ministerrat im November 2025 bestätigt.
Aufgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]IRIS² soll verschiedene flächendeckende Dienste im Bereich von zivilen und militärischen Regierungsorganisationen anbieten, z. B. Überwachung, Krisenmanagement von Polizei und Rettungsdiensten, das Vernetzen von kritischer Infrastruktur, Versorgung abgelegener Gebiete. Zudem soll es eine Breitbandanbindung für B2B-Kunden geben.[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Bedarf für eine staatliche Kommunikationsinfrastruktur war bereits Thema beim Europäischen Rat vom 19. und 20. Dezember 2013, dabei wurden die Pläne für ein gemeinsames Unternehmen von Mitgliedstaaten, der EU-Kommission und der ESA angesprochen. Diese Pläne wurden im Juni 2016 als eines der Elemente der Globalen Strategie für die Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union genannt. Bei den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 21./22. März 2019 wurde besprochen dass die Union die Pläne weiterverfolgt. Die Kommission vom 22. Februar 2021 gab den „Aktionsplan für Synergien zwischen der zivilen, der Verteidigungs- und der Weltraumindustrie“ heraus. Darin wird erklärt, dass „Hochgeschwindigkeitsanbindungen für jedermann in Europa zugänglich“ gemacht werden sollen, und dass „für ein widerstandsfähiges Konnektivitätssystem“ gesorgt werden soll, „das es Europa ermöglicht, unter allen Umständen die Anbindung nicht zu verlieren“.[4] Bis dahin gab es Konzepte, aber noch keine konkreten Planungen oder Haushaltsmittel.
Durch die Invasion russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar 2022 wurden mit der Infrastruktur in der Ukraine auch Datenleitungen und terrestrische Mobilfunknetze und damit Internetverbindungen zerstört. In der Ukraine wurde danach das neue Satellitennetz Starlink verwendet. Dazu hatte sein Errichter SpaceX eingeladen, später zahlten westliche Staaten und die Ukraine für die Nutzung. Im Februar 2023 kündigte SpaceX an, die militärische Nutzung von Starlink durch die Ukraine einzuschränken, insbesondere wegen der Nutzung zur Steuerung von Drohnen.
Erste konkrete Pläne, ein EU-eigenes Satellitennetz für verschlüsseltes Internet aufzubauen, gab es 2022. Weniger als ein Jahr danach wurde am 18. Februar 2023 kommuniziert, dass das EU-Parlament konkreteren Plänen „kürzlich grünes Licht gegeben hat“.[5] Nach dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo und der Erdbeobachtung durch das Copernicus-Programm, soll IRIS² als dritte Komponente zur strategischen Weltrauminfrastruktur dazukommen. Die Satelliten sollen ausschließlich von Unternehmen der EU-Mitglieder gebaut werden und mit europäischen Trägerraketen starten, dabei werden Startups, kleine und mittlere Unternehmen bei der Vergabe bevorzugt, wenn möglich.[4]
Als kurzfristige Maßnahme beschloss man die Einrichtung von GOVSATCOM, ein Kommunikationsmittel, das die freien Kapazitäten von Kommunikationssatelliten unter der Kontrolle der Regierungen der Mitgliedsstaaten nutzt, zusätzlich sollen bei Bedarf weitere Kapazitäten von Satelliten der kommerziellen europäischen Kommunikationsanbieter gemietet werden. Das so geschaffene Netzwerk hat jedoch noch hohe Latenzzeiten, und aufgrund der Verwendung von geostationären Satelliten auch geringe Bandbreite. Die Nutzung bleibt daher vorerst den staatlichen Diensten vorbehalten. Es kann jedoch bereits die für IRIS² benötigten Frequenzen nutzen, vor allem im militärischen Ka- und im Ku-Band, und die erforderlichen Protokolle entwickeln, testen und implementieren. Dazu gehören auch die Entwicklung und später Implementierung neuartiger abhörsicherer Protokolle unter der Nutzung von Quantenverschlüsselung. GOVSATCOM wird anschließend als Teil von IRIS² integriert und weiterbetrieben. Für die Regierungen der EU-Staaten soll die Nutzung der Dienste kostenfrei sein. Durch die später mögliche kommerzielle Nutzung dürfen die Dienste der Regierungen nicht in Funktionalität oder Bandbreite eingeschränkt werden.[4]
Mehrere Betreiber und Satellitenhersteller schlossen sich im Mai 2023 zu einem Konsortium unter dem Namen SpaceRISE (Space Consortium for a Resilient, Interconnected and Secure Europe) zusammen, um sich für den IRIS²-Auftrag zu bewerben. Das offene Konsortium wird von Airbus Defence and Space, Eutelsat, Hispasat, SES und Thales Alenia Space geleitet. Außerdem wird sich das Konsortium auf ein Kernteam folgender Unternehmen stützen: Deutsche Telekom, OHB, Orange, Hisdesat, Telespazio und Thales.[6]
Im Dezember 2024 wurde schließlich durch die Europäische Kommission der Vertrag mit SpaceRISE über den Aufbau von IRIS² abgeschlossen. In der ersten Jahreshälfte 2026 wurde das abschließende Systemdesign verhandelt, wodurch statt ursprünglich 290 geplanten Kommunikationssatelliten 348 festgelegt wurden.[7] Es handelt sich dabei um 330 Satelliten im Low Earth Orbit (LEO) und 18 im Medium Earth Orbit (MEO).[1] 66 der geplanten LEO-Satelliten sollen in einer „kombinierten High-Low-Earth-Orbit-Architektur“ eingesetzt werden und gezielt für Verteidigung, Sicherheit und Notfalldienste zur Verfügung stehen. Zusammen sollen sie in mehreren Satellitenkonstellationen ein weltweites Breitbandnetzwerk sicherstellen. Erklärtes Ziel der EU ist, ein sicheres und widerstandsfähiges europäisches Satellitennetzwerk aufzubauen und hierdurch eine strategische Autonomie zu erreichen.[8] Das System bleibt offen für künftige Erweiterungen und verwendet offene Standards.
Die gesamten Kosten für das Projekt inklusive einer Konzession für den Betrieb über 12 Jahre soll nach der Planung von 2024 circa 10,6 Milliarden Euro betragen. Die EU will 6 Milliarden beitragen über drei Legislaturperioden, von ESA sollen 550 Millionen kommen und vom privaten Sektor über 4 Milliarden.[9] Mit der Erweiterung des Programms von 290 auf 348 Satelliten wachsen jedoch auch die Kosten auf mindestens 15,6 Milliarden.[10][11]
Bau der Satelliten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die 18 MEO Satelliten werden von OHB gebaut, dafür gibt es Verträge im Umfang von knapp 1 Mrd. Euro. Die MEO-Satelliten sollen ein Startgewicht von ca. 2,6 Tonnen haben bei einer maximale Leistung von etwa 15 Kilowatt.[12] Das belgische Start-up Aerospacelab sicherte sich einen Vertrag über den Bau von bis zu 264 der LEO-Satelliten, 66 LEO-Satelliten für die militärische Nutzung von Mil-Ka-Band sollen von Airbus gebaut werden.[13]
Partnerschaften mit Nicht-EU-Ländern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es besteht die Möglichkeit für Nicht-EU-Länder, am Dienst teilzunehmen. Dieses geschieht über Verträge, wobei die Partner finanzielle Beiträge leisten und sich an die von der EU vorgegebenen Regeln halten müssen. Die ersten Partner waren Island und Norwegen. Südkorea unterzeichnete einen Vertrag mit der EU.[14]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Space Consortium for a Resilient, Interconnected and Secure Europe. In: https://www.spacerise.eu/. Abgerufen am 13. August 2025 (englisch).
- 1 2 Welcome to IRIS². In: Blog von Thierry Breton. Abgerufen am 18. November 2022 (englisch).
- ↑ Anne Bauer: L'Europe lance sa constellation de satellites pour ne pas rester dans la main de Starlink. Les Echos, 14. Februar 2023, abgerufen am 16. Juli 2024 (französisch).
- 1 2 3 Regulation (EU) 2023/588 of the European Parliament and of the Council of 15 March 2023 establishing the Union Secure Connectivity Programme for the period 2023-2027. Abgerufen am 22. Oktober 2026.
- ↑ Katja Lehner, ORF.at, aus Brüssel: Krieg als Faktor: EU baut Starlink-Alternative auf. 18. Februar 2023, abgerufen am 17. Juli 2024.
- ↑ Raumfahrer net Redaktion: Airbus: Partnerschaftsabkommen zur Bewerbung um IRIS²-Konstellation. 2. Mai 2023, abgerufen am 16. Juli 2024 (deutsch).
- ↑ Navid Linnemann: IRIS²-Vertrag besiegelt – 348 Satelliten für Europa. 7. August 2026, abgerufen am 7. August 2026.
- ↑ Commission takes next step to deploy the IRIS² secure satellite system. In: defence-industry-space.ec. 16. Dezember 2024, abgerufen am 28. Dezember 2024 (deutsch, englisch).
- ↑ ESA to support the development of EU’s secure communication satellites system. Abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ Thomas Jahn: Raumfahrt: Start-up baut Großteil der Iris2-Satelliten. 17. August 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026.
- ↑ Andrew Parsonson: IRIS2 Gets Green Light With More Money and More Satellites. In: European Spaceflight. 8. August 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ OHB erhält Auftrag im Wert von knapp 1 Milliarde Euro für die Entwicklung und den Bau von achtzehn Satellitenplattformen für das europäische Satellitenkommunikationssystem IRIS² – Secure Connectivity Programme - ohb.de. 31. August 2026, abgerufen am 23. Oktober 2026 (deutsch).
- ↑ manager magazin: Starlink-Alternative: EU vergibt Großauftrag für Iris2-Satelliten an Aerospacelab. 17. August 2026, abgerufen am 23. Oktober 2026.
- ↑ SpaceRISE. Abgerufen am 23. Oktober 2026 (englisch).