Dickthomssenit
| Dickthomssenit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2000-047[1] |
| IMA-Symbol |
Dth[2] |
| Chemische Formel | Mg(V2O6)·7H2O[3][1] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Oxide (Hydroxide, V[5,6]-Vanadate, Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite, Iodate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
IV/F.09 ? IV/G.07-045 4.HD.25 47.01.04.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m |
| Raumgruppe | C2/c (Nr. 15) |
| Gitterparameter | a = 38,954 Å; b = 7,2010 Å; c = 16,3465 Å β = 97,602°[3] |
| Formeleinheiten | Z = 16[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2,5[3] |
| Dichte (g/cm3) | > 1,96 und < 2,09 (gemessen); 2,037 (berechnet)[3] |
| Spaltbarkeit | sehr vollkommen nach {100}[3] |
| Bruch; Tenazität | hakig[3]; spröde[3] |
| Farbe | hell goldbraun[3] |
| Strichfarbe | weiß[3] |
| Transparenz | durchscheinend[3] |
| Glanz | Glasglanz[3] |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,6124[3] nβ = 1,6740[3] nγ = 1,7104[3] |
| Doppelbrechung | δ = 0,0980[3] |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ[3] |
| Achsenwinkel | 2V = 74° (gemessen); 2V = 73° (berechnet)[3] |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | schnelle Dehydratation unter dem Elektronenstrahl[3] |
| Kristallstruktur von Dickthomssenit |
|
| Farblegende: _ V _ Mg _ O _ H |
Dickthomssenit besitzt eine sehr vollkommene Spaltbarkeit nach {100}, wobei die Spaltflächen aufeinanderfolgende Vanadat-Mg-Oktaeder-Schichten voneinander separieren. Die dazwischenliegenden Schichten bestehen aus H2O-Molekülen sowie Mg2(H2O)6- und Mg3(H2O)6-Oktaedern, wobei kein Mg-Oktaeder mit anderen Polyedern außer durch Wasserstoffbrückenbindungen verknüpft ist.[3]
Insgesamt wird im Dickthomssenit die Struktureinheit durch die zwei [V2O6]-Dimere und die Zwischenräume bildende Einheit durch [[6]Mg2(H2O)10(H2O)0]4+ gebildet, wobei die vier ungebundenen H2O-Moleküle die Einheitszelle komplettieren.[3]
Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Morphologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dickthomssenit findet sich als Überzug auf Sandsteinen, die lokal organisches Material einschließlich Resten von Holz enthalten, welches stellenweise eine Uran- und Vanadiummineralisation führt. Das Mineral bildet bis 0,25 mm lange, nadelige Kristalle oder 0,5 × 1,5 mm große, kurzprismatische Kristalle mit basalen Endflächen. Die Kristalle sind typischerweise zu radialfaserigen Gruppen von circa 5 mm Durchmesser angeordnet, wobei massive Überzüge von 1,5 × 2,5 cm Größe entstehen.[3]
Physikalische und chemische Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kristalle des Dickthomssenits sind hell goldbraun, während ihre Strichfarbe immer weiß ist.[3] Die Oberflächen der durchscheinenden Kristalle zeigen einen charakteristischen glasartigen Glanz.[3] Dickthomssenit besitzt entsprechend diesem Glasglanz eine mittelhohe Lichtbrechung (nα = 1,6124; nβ = 1,6740; nγ = 1,7104) und eine sehr hohe Doppelbrechung (δ = 0,0980).[3] Letztere zählt zu den höchsten Doppelbrechungen, die an zweiachsigen Mineralen gemessen worden sind.[3]
Dickthomssenit zeigt eine sehr vollkommene Spaltbarkeit nach {100}, bricht aber aufgrund seiner Sprödigkeit ähnlich wie gediegen Gold, wobei die Bruchflächen hakig ausgebildet sind.[3]
Das Mineral weist eine Mohshärte von 2,5[3] auf und gehört damit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich gut wie die Referenzminerale Gips (Härte 2) mit dem Fingernagel bzw. Calcit (Härte 3) mit einer Kupfermünze ritzen lassen. Die gemessene Dichte für Dickthomssenit ist > 1,96 g/cm³ und < 2,09 g/cm³ (gemessen), die berechnete Dichte beträgt 2,037 g/cm³.[3]
Dickthomssenit-Kristalle fluoreszieren weder im kurzwelligen noch im langwelligen UV-Licht.[3] Unter dem Elektronenstrahl zeigt das Mineral eine schnelle Dehydratation.[3] Zum Verhalten des Minerals vor dem Lötrohr oder gegenüber Säuren und Laugen existieren keine Angaben.
Bildung und Fundorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als sehr seltene Mineralbildung wurde der Dickthomssenit bisher (Stand 2019) lediglich von sechs Fundpunkten beschrieben.[7][8] Die Typlokalität für Dickthomssenit ist die seit 1956 stillliegende Uran-Vanadium-Lagerstätte „Firefly-Pigmay“, die sich 16 km östlich von La Sal im San Juan County in Utah, USA, befindet.[3] Es handelt sich um die Oxidationszone einer in Sandsteinen sitzenden U-V-Lagerstätte vom Typ „Colorado-Plateau“.
Dickthomssenit wurde an seiner Typlokalität in Form von Überkrustungen auf Sandstein identifiziert. Die Bildung des Minerals erfolgte offensichtlich erst nach Einstellung der Bergbauaktivitäten infolge der Einwirkung zirkulierender Grundwässer, wie es ähnlich für die Bildung des Pascoits beschrieben wurde.[3] U-V-Minerale sind im Gebiet von La Sal auf bestimmte Schichten im Sandstein (Paläokanäle) beschränkt. Die Erzkörper sind in den meisten Fällen an kalkiges Material gebunden, welches möglicherweise eine reduzierende Umgebung für die in Lösungen enthaltene Vanadyl- und Uranyl-Ionen darstellt. In der „Firefly-Pigmay Mine“ treten sowohl oxidierte als auch nur teilweise oxidierte U-V-Minerale auf. Im Bereich der oberen Abbaue sind hauptsächlich Carnotit und Tyuyamunit vorhanden, während in den unteren, an Grundwasser reichen Abbauen des Bergwerks nicht oxidierte Minerale wie Uraninit, Coffinit, Corvusit und Montroseit vorherrschen.[3]
Typische Begleitminerale des Dickthomssenits sind Pascoit, Sherwoodit, gediegen Selen, Bariandit, Devillin, Rossit, Hewettit, Carnotit, Clausthalit, Coffinit, Tyuyamunit, Uraninit, Corvusit, Montroseit, Roscoelith, Galenit, Pyrit und Tennantit.[3]
Neben der Typlokalität existieren noch einige weitere Fundstellen für Dickthomssenit, die sich alle in genetisch ähnlichen Lagerstätten in den US-amerikanischen Bundesstaaten Colorado und Utah befinden.[5]
- die „Packrat Mine“ bei Gateway im Gateway District, Mesa County, Colorado, USA[9]
- die „Little Eva Mine“ und die „Paris No. 25 Mine“ bei Yellow Cat Mesa, Thompsons District (S. E. Thomsons), Grand County, Utah, USA[10]
- die „Vanadium Queen Mine“ bei La Sal im La Sal District (Paradox Valley District), San Juan Co., Utah, USA
- die „Blue Cap Mine“ im Lion Canyon, La Sal District (Paradox Valley District), San Juan Co., Utah, USA[11]
Fundstellen für Dickthomssenit aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind damit unbekannt.[5]
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dickthomssenit ist aufgrund seiner Seltenheit nur für den Sammler von Mineralen von Interesse.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- John M. Hughes, Forrest E. Cureton, Joseph Marty, Robert A. Gault, Mickey E. Gunter, Charles F. Campana, John Rakovan, André Sommer, Matthew E. Brueseke: Dickthomssenite, Mg(V2O6)·7H2O,a new mineral species from the Firefly-Pigmay mine, Utah: descriptive mineralogy and arrangement of atoms. In: The Canadian Mineralogist. Band 39, Nr. 6, 2001, S. 1691–1700, doi:10.2113/gscanmin.39.6.1691 (englisch, rruff.info [PDF; 3,9 MB; abgerufen am 20. Februar 2019]).
- Joseph A. Mandarino: New minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band 40, Nr. 4, 2002, S. 1215–1234, doi:10.2113/gscanmin.40.4.1215 (englisch, rruff.info [PDF; 145 kB; abgerufen am 20. Februar 2019]).
- Dickthomssenite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 71 kB; abgerufen am 20. Februar 2019]).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mineralienatlas: Dickthomssenit (Wiki)
- Dickthomssenite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
- David Barthelmy: Dickthomssenite Mineral Data. In: webmineral.com. (englisch).
- Dickthomssenite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Dickthomssenite. In: rruff.geo.arizona.edu. (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
- ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 John M. Hughes, Forrest E. Cureton, Joseph Marty, Robert A. Gault, Mickey E. Gunter, Charles F. Campana, John Rakovan, André Sommer, Matthew E. Brueseke: Dickthomssenite, Mg(V2O6)·7H2O,a new mineral species from the Firefly-Pigmay mine, Utah: descriptive mineralogy and arrangement of atoms. In: The Canadian Mineralogist. Band 39, Nr. 6, 2001, S. 1691–1700, doi:10.2113/gscanmin.39.6.1691 (englisch, rruff.info [PDF; 3,9 MB; abgerufen am 20. Februar 2019]).
- ↑ Dickthomssenite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 71 kB; abgerufen am 20. Februar 2019]).
- 1 2 3 Dickthomssenite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 20. Februar 2019 (englisch).
- 1 2 Dickthomssenite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF), abgerufen am 20. Februar 2019 (englisch).
- ↑ Localities for Dickthomssenite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 20. Februar 2019 (englisch).
- ↑ Fundortliste für Dickthomssenit beim Mineralienatlas und bei Mindat (abgerufen am 20. Februar 2019)
- ↑ Anthony Kampf, Barbara P. Nash, Joe Marty, John M. Hughes: Mesaite, CaMn2+5(V2O7)3·12H2O, a new vanadate mineral from the Packrat mine, near Gateway, Mesa County, Colorado, USA. In: Mineralogical Magazine. Band 81, Nr. 2, 2017, S. 319–327, doi:10.1180/minmag.2016.080.095 (englisch).
- ↑ Anatoly V. Kasatkin, Jakub Plášil, Joseph Marty, Atali Al Agakhanov, Dimitrii Ilyich Belakovskiy, Inna S. Lykova: Nestolaite, CaSeO3·H2O, a new mineral from the Little Eva mine, Grand County, Utah, USA. In: Mineralogical Magazine. Band 78, Nr. 3, 2014, S. 497–505, doi:10.1180/minmag.2014.078.3.02 (englisch).
- ↑ Anthony Kampf, John M. Hughes, Joe Marty, Barbara P. Nash: Postite, Mg(H2O)6Al2(OH)2(H2O)8(V10O28)∙13H2O, a new mineral species from the La Sal mining district, Utah: crystal structure and descriptive mineralogy. In: The Canadian Mineralogist. Band 50, Nr. 1, 2001, S. 45–53, doi:10.3749/canmin.50.1.45 (englisch, rruff.info [PDF; 733 kB; abgerufen am 20. Februar 2019]).
