Consolidated PBY
| Consolidated PBY Catalina | |||||
|---|---|---|---|---|---|
Restaurierte Catalina in den Farben und Markierungen einer OA-10A Catalina (44-33915) der United States Army Air Forces, wie sie Anfang 1945 von der 5th ERS (Emergency Rescue Squadron) der 8th Air Force von Halesworth in Suffolk aus eingesetzt wurde | |||||
| Typ | Seefernaufklärer | ||||
| Entwurfsland | |||||
| Hersteller | Consolidated Aircraft/Consolidated Vultee | ||||
| Erstflug | 28. März 1935 | ||||
| Indienststellung | Oktober 1936 | ||||
| Produktionszeit | 1936 bis 1945 | ||||
| Stückzahl | 3272 gesamt (1854 Flugboote, 1418 Amphibienflugzeuge)[1] | ||||
| Hersteller | Version | 1943 | 1944 | 1945 | SUMME |
|---|---|---|---|---|---|
| Consolidated, New Orleans | PBY | 51 | 184 | 235 | |
| Naval Aircraft, Philadelphia | PBN | 39 | 97 | 19 | 155 |
| SUMME | 39 | 148 | 203 | 390 |
Aus der US-Produktion erhielt die RAF insgesamt 448 Flugzeuge, davon 174 durch Akquisition durch die British Air Commission und 274 im Rahmen von Lend-Lease.[8] In Kanada wurden 307 Catalinas auf britische Rechnung und 424 auf kanadische Rechnung, zusammen also 731, gebaut. 193 Flugzeuge von Boeing, Vancouver, und 2 aus der Produktion von Vickers gingen an die RAF.[9] Von der kanadischen Produktion übernahm die US-Regierung 520 Flugzeuge auf eigene Rechnung. Canadian Vickers baute insgesamt 369 Flugzeuge, davon 230 O-10A für die USAAF und 139 Canso A für die RCAF.[10] Boeing Canada produzierte 55 Canso A von Oktober 1942 bis Juli 1943 für die RCAF, 240 PB2B-1 von Juli 1943 bis Oktober 1944 und 67 PB2B-2 von September 1944 bis März 1945, zusammen also 362 Catalina.[11]
Produktion der Consolidated Catalina durch kanadische Firmen auf US-Rechnung:[12]
| Hersteller | Version | 1943 | 1944 | 1945 | SUMME |
|---|---|---|---|---|---|
| Boeing, Vancouver | PB2B-1 | 75 | 148 | 223 | |
| PB2B-2 | 55 | 12 | 67 | ||
| Vickers, Montreal | OA-10A | 4 | 201 | 25 | 230 |
| SUMME | 79 | 404 | 37 | 520 |
Somit wurden in Nordamerika insgesamt 3.279 Catalinas gebaut (2.158 Consolidated, San Diego, 235 Consolidated, New Orleans, 155 NAF, 362 Boeing, Canada, 369 Canadian Vickers). Die sowjetische Produktion belief sich im Jahre 1939 auf eine GST und 1940 auf 27, nachdem Consolidated drei Flugzeuge, davon zwei in Teilen, als Muster geliefert hatte.[13]
Technische Daten
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| Kenngröße | Daten |
|---|---|
| Typ | Seeaufklärer und U-Boot-Jäger |
| Besatzung | 9 |
| Länge | 19,46 m |
| Spannweite | 31,70 m |
| Flügelfläche | 130,06 m² |
| Flügelstreckung | 7,7 |
| Flächenbelastung | 124,00 kg/m² |
| Leermasse | 7.976 kg |
| max. Startmasse | 16.081 kg |
| Antrieb | zwei Sternmotoren Pratt & Whitney R-1830 mit je 882 kW (ca. 1.200 PS) |
| Höchstgeschwindigkeit | 315 km/h |
| Reichweite | 4.055 km |
| Bewaffnung | drei 7,62-mm-MG, zwei 12,7-mm-MG, 1.816 kg Bombenlast |
Zivile Nutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Qantas Verbindung von Perth nach Karatschi (1943 bis 1945)

Die von Qantas betriebene Flugverbindung bestand vom Juli 1943 bis zum 18. Juli 1945 und wurde eingerichtet infolge der Unterbrechung der Fluglinien nach der Eroberung Singapurs durch die Japaner im Februar 1942.
Personal der australischen Luftwaffe wurde aufgefordert, Catalina-Flugzeuge für die Qantas-Fluggesellschaft zu fliegen. In den ersten Monaten mussten die Flugboote auf der US Navy-Station Nedlands in unmittelbarer Nähe von Crawley aufgetankt werden.[14] Die Flüge starteten am Swan River in der Nähe von Perth an der Westküste Australiens und verbanden diese mit der Basis der Royal Air Force in Koggala bei Galle im äußersten Süden der Insel Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, über eine Entfernung von 6.480 km. Ab 4. November 1943 wurde die Linie nach Karachi in Pakistan verlängert.[15]
Die Flüge waren mit einer Flugdauer von 27 bis 33 Stunden die längsten der kommerziellen Luftfahrt. Aus diesem Grund wurden diese Flüge, bei denen die Passagiere den Sonnenaufgang zweimal sehen konnten, „The Double Sunrise“ genannt. Sie mussten unter strikter Funkstille durchgeführt werden, um keine japanischen Flugzeuge anzulocken. Zum Navigieren nutzte man nur den Kompass und die Sterne (Astronomische Navigation mittels Rigel, Spica, Altair, Wega und Antares – diese waren auch die Namensgeber für die eingesetzten Maschinen). Der erste Flug fand am 7. Juli 1943 statt.
Die Abflugzeit wurde so festgelegt, dass man nachts über die von den Japanern besetzten Gebiete in Niederländisch-Ostindien flog. Die Route folgte der Westküste Australiens von Crawley nach Exmouth, wandte sich dann den Kokosinseln oder der Weihnachtsinsel zu und passierte sie in einer gewissen Entfernung. Nach dem Erfolg der ersten Flüge wurde der Service wöchentlich angeboten.
Die Nutzlast war sehr gering: 500 kg oder 3 Passagiere mit höchstens 65 kg Gepäck oder Post. Aus Gewichtsgründen wurden alle nicht wesentlichen Geräte wie Enteisungs- oder Heizgeräte entfernt. Dies wurde während des Fluges problematisch, da die Außentemperatur auf unter −10 °C abfiel und die Flugzeuge schlecht isoliert waren. Das Startgewicht betrug dennoch 15.900 bis 16.000 kg und lag damit nahe des maximalen Startgewichts von 16.100 kg. Es beinhaltete ca. 9.000 l Kraftstoff und gab den Catalinas eine Reichweite von ca. 6.700 km. Insgesamt wurden 271 Flüge mit 860 Passagieren und 4.500 kg Post durchgeführt. Am Ende des Fluges erhielten alle Passagiere von der Fluggesellschaft Qantas das Zertifikat des „Geheimen Ordens des Doppelten Sonnenaufgangs“. Es war eine illustrierte Bescheinigung die allen Passagieren bestätigte, dass sie länger als 24 Stunden in der Luft waren.[16]
Trotz aller Probleme bei diesen Flügen ging keine Catalina verloren. Ab dem Sommer 1944 wurden die Catalinas durch größere und komfortablere Consolidated LB-30 Liberator II Transport ersetzt.[17]
Zwischenfälle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Am 16. Juli 1948 wurde eine Consolidated PBY-5A Catalina der Cathay Pacific (Luftfahrzeugkennzeichen VR-HDT) auf einem Flug von Macau nach Hongkong von vier Männern entführt. Kurz nach dem Start kam der Kapitän beim Handgemenge ums Leben und das Flugzeug stürzte in den Perlfluss bei Zhuhai. Bis auf einen der Entführer überlebte den Absturz niemand, insgesamt starben 25 Personen (siehe auch Entführung der Miss Macao).[18]
- Am 17. Oktober 1951 wurde eine Consolidated Canso A der kanadischen Queen Charlotte Airlines (CF-FOQ) bei schlechtem Wetter in den Mount Benson (British Columbia, Kanada) geflogen. Grund waren Navigationsfehler beim dennoch durchgeführten Sichtflug. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Kildala (British Columbia) nach Vancouver. Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 23 Insassen getötet, drei Besatzungsmitglieder und 20 Passagiere.[19]
- Am 18. Mai 1952 verunglückte ein Amphibienflugzeug des Typs Typ Boeing-Canada PB2B-1 Canso A (PBY-5A) der Maritime Central Airways (CF-FAN), mit dem ein Frachtcharterflug vom Flughafen Gander nach Cartwright durchgeführt werden sollte, bei der Wasserlandung in der Sandwich Bay. Bei dem Unfall wurden alle drei Personen an Bord der Maschine getötet. Unfallursache war, dass der verantwortliche Pilot vergessen hatte, das Fahrwerk der Maschine für die Wasserlandung einzufahren, wodurch beim Aufsetzen der Räder eine Hebelwirkung erzeugt und das Heck der Maschine im Wasser augenblicklich in eine vertikale Position hochgehebelt wurde (siehe auch Flugunfall der Maritime Central Airways in der Sandwich Bay).[20]
- Am 11. Mai 1953 verunglückte ein Amphibienflugzeug des Typs Boeing-Canada PB2B-1 Canso A (PBY-5A) der Canadian Pacific Air Lines (CF-CRV) bei einer Wasserlandung in Prince Rupert. Ein Passagier und ein Besatzungsmitglied starben.[21]
- Am 22. August 1961 wurde eine Canadian Vickers PBV-1A Canso der indischen Airways (India) (VT-DID) an einem unbekannten Ort in Indien bei einem Unfall zerstört. Über Personenschäden ist nichts bekannt.[22]
- Am 12. Mai 1962 verunglückte ein im Namen der Greenlandair betriebenes Amphibienflugzeug vom Typ Canadian Vickers PBV-1A Canso (PBY-5A) der Eastern Provincial Airways (CF-IHA), mit der ein Inlandslinienflug von Kangerlussuaq nach Nuuk durchgeführt werden sollte, bei der Wasserlandung in einem Fjord. Die Maschine lief nach der Landung vom Bug aus mit Wasser voll, nachdem die Bugfahrwerksklappen bei der Landung ausgerissen und der Fahrwerksschacht verformt worden waren. Da die Notausgänge durch Gepäckstücke verstellt waren, ertranken von den 21 Personen an Bord 15 Passagiere (siehe auch Flugunfall der Greenlandair bei Nuuk 1962).[23][24]
- Am 4. November 1965 wurde eine Consolidated PBY-5A Catalina der kolumbianischen Aeropesca Colombia (HK-811) auf einem Flug von Villavicencio nach Mitú nahe El Encanto (Kolumbien) aufgrund schlechten Wetters notgelandet. Die beiden Piloten wurden getötet, die vier Passagiere überlebten und wurden neun Tage später in der Nähe der Grenze zu Peru gefunden.[25]
- Am 19. Oktober 1966 stürzte eine Consolidated PBY-5A Catalina der brasilianischen Cruzeiro do Sul (PP-PEC) auf einem Trainingsflug nahe ihrem Startflughafen Belem-Val-de-Cans ab. Alle vier Besatzungsmitglieder wurden getötet.[26]
- Am 17. Oktober 1968 verunglückte ein Consolidated/Canadian Vickers PBV-1 Canso-Amphibienflugzeug der brasilianischen Cruzeiro do Sul (PP-PCW) bei der Wasserlandung auf dem Rio Purus bei Canutama (Amazonas (Brasilien)). Beim Aufsetzen berührte der linke Tragflächenschwimmer das Wasser, woraufhin die Flugzeugnase eintauchte und die Kabine volllief. Das Flugzeug schwamm noch 15 Minuten, bevor es sank. Von den 14 Insassen kamen 4 Passagiere ums Leben, alle 5 Besatzungsmitglieder und die restlichen 5 Passagiere überlebten.[27]
- Am 28. Juni 1979 verunglückte die Consolidated PBY-6A Catalina N101CS „Calypso 2“ nach der Wasserlandung auf dem Fluss Tajo bei Alverca do Ribatejo (Portugal). Das Flugzeug war zuvor während 5 Monaten generalüberholt worden und hatte in den vorausgegangenen Tagen Versuchsflüge absolviert.[28] Von den 8 Insassen kam nur Philippe Cousteau (der Sohn von Jacques-Yves Cousteau) ums Leben, als der linke Motor in den Cockpitbereich prallte. Der Hergang des Unfalls ist unklar.[29]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Catalina-Affäre, ein diplomatischer Zwischenfall zwischen Schweden und der Sowjetunion im Jahr 1952, bei dem zwei schwedische Flugzeuge – darunter eine Catalina – von sowjetischen Jagdflugzeugen abgeschossen worden waren.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ulrich Israel: Consolidated „Catalina“. In: Wolfgang Sellenthin (Hrsg.): Fliegerkalender der DDR 1981. Militärverlag der DDR, Berlin 1980, ZDB-ID 192211-7, S. 138–152.
- David Legg: Consolidated PBY Catalina. The peacetime record. Airlife, Shrewsbury 2002, ISBN 1-84037-276-1 (englisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Daten und Foto auf Flugzeuginfo.net
- Catalina Society (englisch)
- Flugfähige PBY-5A Catalina der Neptun Association auf Niederländisch
- Flugfähige PBV-1A Canso von Plane Sailing auf Englisch
- Seite zur GST auf Englisch
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ W. E. Scarborough: PBY Catalina in action, Aircraft Number 62. squadron/signal publications, 1983, ISBN 0-89747-149-0, S. 50.
- ↑ FlugRevue März 2010, S. 92–95, Zu Hause in allen Elementen – Consolidated Catalina.
- ↑ Wladimir Kotelnikow: Consolidated GST. In: Klassiker der Luftfahrt Nr. 5/2014, S. 48–53.
- ↑ Ulrich Unger: Abenteuer sowjetischer Flieger. Militärverlag der DDR, Berlin 1987, ISBN 3-327-00306-8, S. 196.
- ↑ Wilfried Kopenhagen: Legendäre Flugzeuge – Consolidated „Catalina“. Militärverlag der DDR, Berlin 1990. ISBN 3-327-00863-9. S. 98.
- ↑ William Wagner: Reuben Fleet and the Story of Consolidated Aircraft. Fallbrock 1976, S. 253.
- ↑ Statistical Digest of the USAF 1946. S. 100 ff.
- ↑ K.J. Meekcoms: The British Air Commission and Lend-Lease. Trowbridge 2000, S. 54, S. 70.
- ↑ K.J. Meekcoms: The British Air Commission and Lend-Lease. Trowbridge 2000, S. 54, S. 155 f.
- ↑ K.J. Meekcoms: The British Air Commission and Lend-Lease. Trowbridge 2000, S. 54, S. 192.
- ↑ Peter M. Bowers: Boeing Aircraft since 1916. London 1989, S. 280 f.
- ↑ Statistical Digest of the USAF 1946, S. 100 ff.; Bowers, Peter M.: Boeing Aircraft Since 1916, S. 28 f.
- ↑ Lennart Andersson: Aeroflot Origins. Red Stars, Tallin 2009, S. 176 f.
- ↑ L. R. Ambrose: QANTAS Cat Ops – Part 2. In: Aeroplane Monthly Dezember 1986 S. 644.
- ↑ L. R. Ambrose: QANTAS Cat Ops – Part 1. In: Aeroplane Monthly November 1986 S. 581.
- ↑ Frank Stanley Stuart, Henri Charles Biard: Modern Air Transport. J. Long Ltd., 1946, S. 95.
- ↑ François Prins: Pioneering Spirit – The QANTAS story. In: AIR Enthusiast Vol. 53, Frühling 1994, S. 30 f.
- ↑ Unfallbericht PBY-5A Catalina VR-HDT, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 2. November 2020.
- ↑ Flugunfalldaten und -bericht PBY-5A CF-FOQ im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 26. März 2021.
- ↑ Unfallbericht PBY-5A CF-FAN, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 6. Juni 2020.
- ↑ Unfallbericht PBY-5A Canso CF-CRV, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. November 2017.
- ↑ Flugunfalldaten und -bericht PBY-5 Canso VT-DID im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Januar 2022.
- ↑ Unfallbericht PBY-5A CF-IHA im ICAO Circular 71-AN/63.
- ↑ Unfallbericht PBY-5A CF-IHA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 6. Juni 2020.
- ↑ Flugunfalldaten und -bericht PBY-5A HK-811 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. März 2021.
- ↑ Unfallbericht PBY-5 PP-PEC, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 2. November 2015.
- ↑ Unfallbericht PBV-1 Canso PP-PCW, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 3. August 2020.
- ↑ PBY CATALINA CALYPSO 2
- ↑ Unfallbericht N101CS
- Zweimotoriges Flugzeug mit Kolbenmotoren
- Seeaufklärer
- Flugboot
- Amphibienflugzeug
- Flugzeugtyp des Zweiten Weltkrieges (Vereinigte Staaten)
- Luftfahrzeug im Koreakrieg
- U-Boot-Jagdflugzeug
- Militärluftfahrzeug (Dänemark)
- Militärluftfahrzeug (Frankreich)
- Militärluftfahrzeug (Niederlande)
- Militärluftfahrzeug (Norwegen)
- Militärluftfahrzeug (Portugal)
- Militärluftfahrzeug (Spanien)
- Militärluftfahrzeug (Schweden)
- Militärluftfahrzeug (Argentinien)
- Militärluftfahrzeug (Israel)
- Militärluftfahrzeug (Südafrika)
- Erstflug 1935
- Consolidated PBY
- Flugzeug mit Kreuzleitwerk








