Wöhlerit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist dicktafelige bis prismatische Kristalle und pseudorhombische Zwillinge, kommt aber auch in Form körniger Aggregate vor. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle von hellgelber bis gelber, brauner oder grauer Farbe bei hellgelber Strichfarbe. Unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Bruchflächen dagegen eher Harz- bis Fettglanz.
Mit einer Mohshärte von 6 bis 6,5 gehört Wöhlerit zu den harten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Orthoklas (Härte6) mit einer Stahlfeile ritzen lassen.
Erstmals entdeckt wurde Wöhlerit in den Syenitpegmatitgängen einiger Steinbrüche unter anderem auf der Insel Løvøya (Løvø, Lovoya, Lövö, Lövöe) im Langesund-Fjord nahe der Stadt Brevik in der norwegischen Provinz Telemark und beschrieben 1843 durch Theodor Scheerer (1813–1875), der das Mineral nach dem deutschen Chemiker Friedrich Wöhler benannte.[7]
Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung des Mineralogisch-Petrographischen Instituts der Universität Göttingen (MSU-Göttingen) in Göttingen unter der Sammlungsnummer GZG.MIN.8.3.39.19 aufbewahrt.[8][9]
Da der Wöhlerit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Wöhlerit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[10] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Wöhlerit lautet „Wöh“.[1]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/C.11-010. In der Lapis-Systematik entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Gruppensilikate“, wo Wöhlerit zusammen mit Baghdadit, Burpalit, Dovyrenit, Hiortdahlit, Janhaugit, Låvenit, Marianoit, Niocalit, Normandit und Roumait die „Wöhleritreihe“ mit der Systemnummer VIII/C.11 bildet.[3]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Wöhlerit die System- und Mineralnummer 56.02.04.05. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort in die Abteilung der „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O“. Hier ist er zusammen mit Cuspidin in der „Cuspidin-Wöhlerit-Gruppe“ mit der Systemnummer 56.02.04 und den weiteren Mitgliedern Baghdadit, Burpalit, Cuspidin, Hainit, Hiortdahlit, Janhaugit, Jennit, Kochit, Komarovit, Kristiansenit, Låvenit, Marianoit, Mongolit, Natrokomarovit, Niocalit, Rosenbuschit und Suolunit innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen in [4] und/oder >[4]-Koordination“ zu finden.
Vor dem Lötrohr in einer Platinzange lässt sich Wöhlerit bis zum Glühen erhitzt werden, ohne dass er sich verändert. Bei stärkerer Glühhitze schmilzt das Mineral allerdings zu einem gelblichen Glas ohne Blasen zu werfen.[7]
Wöhlerit (zitronengelb, teilweise umschlossen von durchsichtigem Analcim) und Titanit (orange) aus dem Steinbruch Poudrette, Mont Saint-Hilaire, Québec, Kanada (Sichtfeld: 2,0mm × 2,8mm)
Als seltene Mineralbildung konnte Wöhlerit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2014) rund 70 Fundorte bekannt sind.[12] Neben seiner Typlokalität Løvøya trat das Mineral in Norwegen noch an mehreren Stellen im Langesundsfjord sowie in den Gebieten um Bjørkedalen, Langangen und Mørje in der Provinz Telemark auf. Des Weiteren wurde es an vielen Orten in der Provinz Vestfold entdeckt.
In Deutschland fand man Wöhlerit bisher vor allem in der rheinland-pfälzischen Vulkaneifel, so unter anderem bei Niedermendig, am Wingertsberg und am Krufter Ofen in der Nähe des Laacher Sees, im Steinbruch „Löhley“ bei Üdersdorf und am Hüttenberg in der Gemeinde Glees. Daneben trat es noch im Steinbruch Badloch am Badberg im Kaiserstuhl in Baden-Württemberg auf.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Angola, Australien, Grönland, Guinea, Italien, Kanada, Malawi, Mali, Rumänien, Russland, Schweden und den Vereinigten Staaten von Amerika (New Hampshire).[13]
Th. Scheerer:Ueber den Wöhlerit, eine neue Mineralspecies. In: Annalen der Physik und Chemie. Band59, 1843, S.327–336 (rruff.info[PDF; 663kB; abgerufen am 16.Mai 2024]).
Р. П. Шибаева, Н. В. Белов:Кристалли ческая структура велерита Ca2Na(Zr,Nb)[Si2O7](O,F)2. In: Доклады Академии наук СССР. Band146, 1960, S.897–900 (russisch, rruff.info[PDF; 270kB; abgerufen am 16.Mai 2024] R. I. Shibayeva, N. V. Belov: Crystal structure of wöhlerite, Ca2Na(Zr,Nb)[Si2O7](O,F)2. In: Doklady Akademii Nauk SSSR.).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band46, 1961, S.241–244 (englisch, rruff.info[PDF; 298kB]).
M. Golyshev, L. P. Otroshchenko, V. I. Simonov, N. V. Belov:Refining the atomic structure of wöhlerite, NaCa2(Zr,Nb)[Si2O7](F,O)2. In: Soviet Physics – Doklady. Band8, 1973, S.287–289 (russisch).
M. Mellini, S. Merlino:Refinement of the crystal structure of wöhlerite. In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mitteilungen. Band26, 1979, S.109–125, doi:10.1007/BF01081296 (englisch).
Wöhlerite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 16.Mai 2024(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.576 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Wöhlerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 81kB; abgerufen am 16.Mai 2024]).
123456Wöhlerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 16.Mai 2024(englisch).
12Th. Scheerer:Ueber den Wöhlerit, eine neue Mineralspecies. In: Annalen der Physik und Chemie. Band59, 1843, S.327–336 (rruff.info[PDF; 663kB; abgerufen am 16.Mai 2024]).