Im Oktober 1914 erhielt die Germaniawerft den Auftrag für UB 2 und begann im November mit dem Bau. Mit kaum mehr als 28m Länge verdrängteUB2 127t im aufgetauchten und 142t im getauchten Zustand. Es war mit zwei Bugtorpedorohren, zwei Torpedos und einem an Deck montierten Maschinengewehr bewaffnet. Stapellauf und Indienststellung erfolgten im Februar 1915.
UB 2 war das einzige UB-I-Boot, dessen Transport nach Antwerpen nicht per Bahn erfolgte, sondern das auf dem Seeweg zur U-Flottille Flandern in Seebrügge überführt wurde. Unter dem Kommando von Werner Fürbringer versenkte es elf britische Schiffe mit insgesamt 1374BRT. UB2 verlegte im März 1916 zur U-Flottille Kurland und im Dezember desselben Jahres zur U-Schule. Da es am Ende des Krieges nicht mehr seetüchtig war, konnte es nicht mit dem Rest der deutschen U-Boot-Flotte in Harwich an die Briten übergeben werden. Im Februar 1920 wurde es von Stinnes in Deutschland abgewrackt.
Nach dem schnellen Vorstoßen des Deutschen Heers entlang der Nordseeküste zu Beginn des Ersten Weltkriegs verfügte die Kaiserliche Marine über keine U-Boote, die in den engen und seichten Gewässern vor der Küste Flanderns operieren konnten.[1][2] Ursprünglich forderte das Reichsmarineamt kleine, rein elektrisch betriebene U-Boote mit 80t Verdrängung und einem Torpedorohr, die per Bahn nach Antwerpen transportiert werden konnten. Nach der Überarbeitung durch die U-Boot-Inspektion entstand die eigentliche Konstruktion (Projekt 34) für den Typ UBI mit 125t Verdrängung, 28m Länge und zwei Torpedorohren, die das RMA Anfang Oktober 1914 genehmigte.[3][4]UB2 war eines der acht UB-I-Boote– UB1 bis UB 8– für welche die Germaniawerft knapp zwei Monate nach dem Beginn der Planungen am 15. Oktober 1914 den Auftrag erhielt.[1][5]
Die Germaniawerft legte UB 2 gemeinsam mit UB1 am 1. November 1914 auf Kiel. Am 13. Februar 1915 erfolgte der Stapellauf in Kiel.[6]UB2 war 28,1m lang, 3,2m breit und hatte einen Tiefgang von 3m.[1] Es verfügte über nur eine Antriebswelle, an die ein 45kW (60PS) leistender Daimler-4-Zylinder-Dieselmotor für die Überwasserfahrt und ein Siemens-Schuckert-Elektromotor mit 89kW (120PS) für die Fahrt unter Wasser gekuppelt waren.[1] Damit konnte es maximal 6,5kn (12km/h) über Wasser und 5,5kn (10,2km/h) unter Wasser erreichen. Bei Überwasserfahrt hatte es eine Reichweite bis zu 1.650sm (3.056km) und mit einer Batterieladung kam es unter Wasser bis zu 45sm (83km) weit. Wie alle Boote seiner Klasse war es für eine Tauchtiefe von 50m ausgelegt und konnte aufgrund der vielen Flutöffnungen seiner Tauchtanks in 22Sekunden tauchen.[4]
UB 2 war mit zwei 45-cm-Torpedos in zwei Bugtorpedorohren bewaffnet. Ein 8-mm-Maschinengewehr konnte an Deck aufgebaut werden.[1] Die Besatzung bestand aus einem Offizier und 13 Unteroffizieren und Mannschaften.[2]
Nach der Erprobung überführte Werner Fürbringer UB2 vom 8. bis 10.Mai 1915 auf dem Seeweg zur U-Flottille Flandern in Seebrügge. Damit war es das einzige UB-I-Boot, das nicht auf dem Schienenweg nach Antwerpen verfrachtet wurde.[6][2] Zu dem Zeitpunkt, als UB2 bei der Flottille eintraf, war die im Februar begonnene erste deutsche U-Boot-Offensive in vollem Gange. Während dieses Feldzugs erklärte Deutschland das Seegebiet um die britischen Inseln zum Sperrgebiet, in dem alle feindlichen Schiffe zu versenken seien. Schiffe neutraler Länder würden nicht angegriffen, es sei denn, sie könnten als unter falscher Flagge fahrende Feindschiffe identifiziert werden.[9]
Zunächst waren die Unternehmungen der UB-I-Boote der U-Flottille Flandern auf Patrouillenfahrten in den Hoofden, dem südlichen Teil der Nordsee zwischen Großbritannien und den Niederlanden und Belgien, begrenzt.[2] Am 9. und 10.Juni, während einer Patrouille in diesem Gebiet, 50sm (93km) bis 60sm (111km) südöstlich von Lowestoft, versenkte UB2 sechs britische Fischkutter mit einer Gesamttonnage von knapp 300BRT.[10][11] Alle sechs Fahrzeuge– britische Kutter mit ockerroten Segeln getakelt– wurden gestoppt, vom Prisenkommando von UB2 geentert und mit Sprengpatronen versenkt.[12]
Britischer Kutter
Nachdem UB6, ein Schwesterboot von UB2, Ende Juni einen Weg durch das britische U-Boot-Netz und die Minenfelder in der Straße von Dover erkundet hatte, begannen die Boote der Flottille im westlichen Teil des Ärmelkanals zu patrouillieren. UB2, UB5 und UB10 konnten ebenfalls bald ihre Patrouillentätigkeit im Ärmelkanal aufnehmen. Obwohl keines der Boote ein Schiff versenkte, bewiesen ihre erfolgreichen Fahrten, dass die britischen Sperrmaßnahmen in der Straße von Dover umgangen werden konnten.[2]
Während der folgenden Operation gegen alliierte Schiffe kam es auf UB 2 am 1. Juli 1915 zu einer folgenschweren Havarie vor Le Havre: Die Kupplung zwischen Diesel- und Elektromotor brach mitten im Ärmelkanal und konnte mit Bordmitteln nicht mehr repariert werden. Das Boot hatte zu diesem Zeitpunkt noch eine Batteriekapazität für ca. 3 bis 4 Stunden bei halber Fahrt. Um UB 2 nicht selbstversenken zu müssen, entschied sich Fürbringer, das Boot mit den Gezeiten durch den Kanal treiben zu lassen. Wenn die Tiede umsprang, wurde es– um nicht zurückgetrieben zu werden – auf Grund gelegt. Zusätzlich fertigte die Besatzung ein improvisiertes Hilfssegel, das am Sehrohr gehisst werden konnte, und Ruder an. Mit viel Glück und unter Ausnutzung aller Möglichkeiten passierte UB 2 am 5. Juli die Netzsperren bei Kap Gris Nez. Erst am Folgetag konnte das Boot vom zur Suche nach UB 2 ausgesandten Schwesterboot UB 16 gefunden und anschließend nach Ostende eingeschleppt werden.[13][14]
Am frühen Morgen des 28. August konnte UB 2 in der Gegend zwischen Corton und Yarmouth den britischen Navy TrawlerMiura mit einem Torpedoschuss versenken.[7][10][15] Am Vormittag gab es ein Gefecht mit einem britischen Q-Ship, vor dem UB2 aufgrund einer Ladehemmung beim MG und eines Torpedofehlschusses zweimal schnelltauchen musste. Die U-Boot-Falle Pet LT 560 konnte sich absetzen.[7] Anfang des nächsten Monats versenkte UB2 mit der Unterstützung von UB1644sm (81km) ostsüdöstlich von Lowestoft die britischen Fischkutter Constance mit 57BRT[16] und Emanuel mit 44.BRT[17] Drei Tage später konnte nach dem Beheben einer Maschinenstörung noch der 47-BRT-Kutter Boy Ernie58sm (107km) östlich von Cromer versenkt werden.[7][18] Wie im Juni wurden die drei Kutter gestoppt und mittels Sprengpatronen versenkt.[12]
Nach der Versenkung der Lusitania im Mai 1915 und weiteren aufsehenerregenden Versenkungen im August (Arabic-Vorfall) und September forderten die Vereinigten Staaten Garantien für die Sicherheit US-amerikanischer Staatsbürger auf unbewaffneten Handelsschiffen. Als Reaktion darauf beendete der Chef des Admiralstabs der Kaiserlichen Marine, Henning von Holtzendorff, am 18.September die deutsche U-Boot-Offensive. Holtzendorffs Weisung befahl den Rückzug aller U-Boote aus dem Ärmelkanal und der Keltischen See und forderte die strikte Einhaltung der Prisenordnung.[9]UB2 konnte in den folgenden vier Monaten kein Schiff versenken.[10]
Die Kaiserlichen Marine begann ihre zweite U-Boot-Offensive im Februar 1916, in der sie unter anderem bekanntgab, dass alle Feindschiffe, die sich innerhalb des Kriegsgebiets aufhielten, ohne Warnung versenkt würden.[9] Am 26. Februar 1916 torpedierte und versenkte UB2 das FrachtschiffArbonne nahe bei Kentish Knock Feuerschiff.[19] Mit 672BRT war sie das letzte und größte der von UB2 versenkten Schiffe. Keines der vierzehn Besatzungsmitglieder überlebte.[19]
Anfang März 1916 erhielt Oberleutnant zur See Karl Neumann, der bisherige Kommandant von UB13 und ehemaliger Klassenkamerad aus Fürbringers Kadettenzeit, das Kommando auf UB2.[7][20] Fürbringer kommandierte sechs weitere U-Boote und versenkte fast 100.000BRT an Schiffsraum.[8] Im Jahr 1933 veröffentlichte er seine Erinnerungen an seine Dienstzeit auf U-Booten während des Ersten Weltkriegs unter dem Titel Alarm! Tauchen!! U-Boot in Kampf und Sturm.[21]
Anfang Februar 1916 erhielt die U-Flottille Flandern die ersten neuen und größeren Boote vom Typ UBII.[9] Eine Woche nach der Kommandoübernahme Neumanns erfolgte im Zeitraum vom 15.März bis zum 4.April 1916 die Verlegung von UB2 zur V.Halbflottille in Libau. Dort löste Oberleutnant zur See Thomas Bieber am 5.April Neumann ab. Oberleutnant zur See Harald von Keyserlingk folgte im Juli als Kommandant von UB2. Während ihrer Dienstzeit bei der U-Flottille Kurland führte UB2 mehrere Unternehmungen zur Sicherung der Ostseeküste bei Libau und zur Überwachung des Gebietes zwischen den Inseln Gotska Sandön und Ösel durch.[7] Ab Dezember 1916 erhielt Keyserlingk den Befehl über UB 16[22] und UB2 diente kurz bis Januar 1917 unter Waldemar von Fischer zur Schulung.[6] Für Schulungszwecke wurden nach den Autoren R.H. Gibson und Maurice Prendergast im Krieg abgenutzte Boote verwendet, die für den aktiven Dienst nicht mehr geeignet waren.[23]
Am Ende des Kriegs forderten die Alliierten die Übergabe aller deutschen U-Boote in Harwich.
UB 2 war eines der acht nicht mehr seetüchtigen U-Boote, die in Deutschland verblieben. Die anderen sieben waren U1, U2, U4, U17 und die UB-I-Boote UB5, UB9 und UB11. Die Hugo Stinnes GmbH wrackte UB2 ab dem 3.Februar 1920 ab.[6]
12345Robert Gardiner, Randal Gray:Conway’s all the world’s fighting ships, 1906–1921. 1. (US) Auflage. Naval Institute Press, Annapolis MD 1985, ISBN 0-87021-907-3 (englisch).
12345Mark D. Karau:Wielding the Dagger: the MarineKorps Flandern and the German War Effort, 1914–1918. Praeger, Westport CT 2003, ISBN 0-313-32475-1 (englisch).
↑Eberhard Rössler:Die Unterseeboote der Kaiserlichen Marine. Bernard und Graefe, Bonn 1997, ISBN 3-7637-5963-8.
12Eberhard Rössler:Geschichte des deutschen U-Bootbaus. Band1: Entwicklung, Bau und Eigenschaften der deutschen U-Boote von den Anfängen bis 1943. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-153-8.
↑Gordon Williamson:U-boats of the Kaiser’s Navy. Osprey, Oxford 2002, ISBN 1-84176-362-4 (englisch).
123456789GuðmundurHelgason:WWI U-boats: UB-2.In:U-Boat War in World War I.Uboat.net,abgerufen am 4.März 2009(englisch).
1234567891011Harald Bendert:Die UB-Boote der Kaiserlichen Marine 1914–1918: Einsätze – Erfolge – Schicksal. Mittler, Hamburg/ Berlin/ Bonn 2000, ISBN 3-8132-0713-7.
↑Arno Spindler: Der Handelskrieg mit U-Booten. Band 2: Von Februar bis September 1915. In: Eberhard von Mantey: Der Krieg zur See 1914-1918.E. S. Mittler, Berlin 1933, S. 146–149.
↑Harald Bendert: Die UB-Boote der Kaiserlichen Marine 1914–1918. Einsätze – Erfolge – Schicksal. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg, Berlin, Bonn 2000, ISBN 978-3-8132-0713-2, S. 39.
↑GuðmundurHelgason:Ships hit during WWI: Miura.In:U-Boat War in World War I.Uboat.net,abgerufen am 4.März 2009(englisch).