Im Oktober 1914 erhielt die Germaniawerft den Auftrag für UB7 und begann im November mit dem Bau. Mit kaum mehr als 28 m Länge verdrängteUB7 127t im aufgetauchten und 142t im getauchten Zustand. Es war mit zwei Bugtorpedorohren, zwei Torpedos und einem an Deck montierten Maschinengewehr bewaffnet. UB7 war ursprünglich eines von zwei UB&-I-Booten, die der k.u.k. Kriegsmarine übergeben werden sollten, um zwei österreichische U-Boote, die zu den Dardanellen abkommandiert wurden, zu ersetzen. In Sektionen zerlegt wurde UB7 per Bahn im März 1915 zum Österreich-Ungarischen Hafen von Pola verfrachtet und dort wieder zusammengebaut. Die Kaiserliche Marine stellte das Boot im Mai in Dienst, da die Österreicher es nach dem Stapellauf im April nicht mehr benötigten.
Nach dem Stapellauf war UB7 nur kurz Teil der U-Halbflottille Pola. Den größten Teil seiner Dienstzeit war das U-Boot für die U-Halbflottille Konstantinopel im Schwarzen Meer im Einsatz. UB7 versenkte im September 1915 einen britischen Dampfer mit 6011 BRT. Bei der Beschießung von Warna durch russische Seestreitkräfte im Oktober trug das U-Boot wesentlich zur Abwehr bei. Das Boot sollte eigentlich der Bulgarischen Marine übergeben werden, als es Ende September 1916 vor Warna auf eine Mine lief und sank.
Nach dem schnellen Vorstoßen des Deutschen Heers entlang der Nordseeküste zu Beginn des Ersten Weltkrieges verfügte die Kaiserliche Marine über keine U-Boote, die in den engen und seichten Gewässern vor der Küste von Flandern operieren konnten.[1][2] Ursprünglich forderte das RMA kleine, rein elektrisch betriebene U-Boote mit 80t Verdrängung und einem Torpedorohr, die per Bahn zum Einsatzhafen transportiert und dort schnell zusammengebaut werden konnten. Nach Überarbeitung durch die U-Boot-Inspektion entstand die eigentliche Konstruktion (Projekt 34) für den Typ UBI mit 125t Verdrängung, 28m Länge und zwei Torpedorohren, die das RMA am 5. Oktober 1914 genehmigte.[3]UB7 war eines der acht UB-I-Boote– UB1 bis UB8– für welche die Germaniawerft knapp zwei Monate nach Beginn der Planungen am 15. Oktober 1914 den Auftrag erhielt.[3]
Die Germaniawerft legte UB7 am 30. November 1914 auf Kiel.[4]UB7 war 28,1 m lang, 3,2m breit und hatte einen Tiefgang von 3m.[5] Es verfügte über eine Antriebswelle, an die ein 45kW (61PS) starker Daimler-4-Zylinder-Dieselmotor für die Überwasserfahrt und ein 89kW (121PS) leistender Siemens-Schuckert-Elektromotor für die Fahrt unter Wasser gekuppelt waren.[5] Damit konnte es maximal 6,5kn (12km/h) über Wasser und 5,5kn (10,2km/h) unter Wasser erreichen. Bei Überwasserfahrt hatte es eine Reichweite bis zu 1.650sm (3.056km) und mit einer Batterieladung kam es unter Wasser bis zu 45sm (83km) weit. Wie alle Boote seiner Klasse war es für eine Tauchtiefe von 50m ausgelegt und konnte aufgrund der vielen Flutöffnungen seiner Tauchtanks in 22Sekunden tauchen.[3]
UB7 war mit zwei 45-cm-Torpedos in zwei Bugtorpedorohren bewaffnet. Ein 8-mm-Maschinengewehr konnte an Deck aufgebaut werden.[5] Die Besatzung bestand aus einem Offizier und 13 Unteroffizieren und Mannschaften.[2]
Kurz vor der Fertigstellung von UB7, im März 1915, baten Enver Pascha und andere türkische Anführer ihre deutschen und österreich-ungarischen Alliierten, U-Boote zu den Dardanellen zu entsenden. Die Boote sollten die britische und die französische Flotte angreifen, welche die türkischen Stellungen bei Gallipoli beschossen.[6] Die Deutschen veranlassten, dass die k. u. k. Kriegsmarine zwei ihrer– auf der Germaniawerft gebauten Boote U3 und U4– abstellten. Als Ersatz waren den Österreichern UB7 und UB8 versprochen.[7]
Nach ihrer Fertigstellung auf der Germaniawerft wurden UB7 und UB8 für den Bahntransport vorbereitet. Zum Verladen eines Bootes waren drei Tiefladewagen für die drei Sektionen des Bootskörpers und weitere Waggons für den Turm, Teile des Oberdecks, die Maschinen und die Akkumulatoren notwendig.[3] Am 15. März waren die Boote für den Transport zum Hauptkriegshafen der österreich-ungarischen Marine in Pola bereit. Die beiden österreichischen Boote waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht einsatzbereit.[7] Deutsche Pioniere und Techniker unter der Leitung von KapitänleutnantHans Adam, dem Chef des neu geschaffenen „U-Boot-Sonderkommandos Pola“ in Pola, begleiteten den Transport.[7] Die Montage in Pola dauerte normalerweise zwei bis drei Wochen,[2] folglich lief UB7 irgendwann im April vom Stapel.[8]
Während der Probeläufe trat bei UB7 ein Leck auf, dessen Reparatur einige Zeit dauerte.[7] In der Zwischenzeit bekam das Boot einen österreichischen Kommandanten und die k.u.k. Marine registrierte es als U7.[5][7] Die deutsche Besatzung trug Zivilkleidung oder österreichische Uniformen, da die ursprüngliche Absicht, das Boot an die k.u.k. Marine zu übergeben, immer noch bestand.[7] Die Zeit zog sich hin, ohne dass die österreichischen Boote U3 und U4 ihre Einsatzbereitschaft erreichten.[9] Da sich der Seitenwechsel des früheren Alliierten Italien abzeichnete, fühlte sich vermutlich auch Admiral Anton Haus, der Oberbefehlshaber der k. u. k. Kriegsmarine, nicht mehr an sein Wort gebunden.[6]
Aufgrund des Sinneswandels der Österreicher beschlossen die Deutschen, UB7 zu behalten und den Türken zur Unterstützung zu schicken.[10] Nach dem Abschluss der Leckreparaturen stellte Oberleutnant zur SeeWilhelm Werner, 26 Jahre alt, das Boot für die Kaiserliche Marine am 6. Mai 1915 in Dienst.[11][12][13] Nach der Indienststellung war das Boot vorübergehend der U-Halbflottille Pola zugeordnet.[4]
Infolge seiner beschränkten Reichweite war es für UB7 nicht möglich, den gesamten Weg in die Türkei selbstständig zurückzulegen. In der Nacht vom 15. auf den 16. Mai schleppte der österreichische ZerstörerTriglav das Boot durch die Straße von Otranto in das Ionische Meer.[10][14] Am 30. Mai lief UB7– bis dato erfolglos– in Smyrna ein[11] und schloss sich zusammen mit UB8 und U21 der Mittelmeerdivision an.[15] Als Folge der limitierten Versorgung mit Torpedos und der schwachen Maschinen, die das Überwinden der starken Meeresströmungen bei den Dardanellen nahezu unmöglich machten, erwies sich UB7 dort als wenig effektiv.[6] Deswegen wurde das Boot vom 5. bis zum 22. Juli als erstes deutsches U-Boot im Schwarzen Meer auf Erkundungsfahrt geschickt.[6][11]
Im September 1915 wurden UB7 und UB8 nach Warna in Bulgarien beordert, um an der russischen Schwarzmeerküste zu patrouillieren. Am 15. September torpedierte und versenkte UB7 den britischen Dampfer Patagonia ungefähr 10,5sm (19km) nordöstlich von Odessa.[11][16][17] Das Frachtschiff mit 6011BRT war in diesem Monat das einzige Schiff, das die Mittelmeerdivision versenken konnte.[15][18]
Da Bulgarien an der Seite der Mittelmächte in den Krieg eingetreten war, begannen Kriegsschiffe der russischen Schwarzmeerflotte und Flugzeuge von den FlugzeugmutterschiffenAlmas und Imperator Nikolai I., am 25. Oktober Warna und die bulgarische Küste anzugreifen. Die zu diesem Zeitpunkt außerhalb von Warna stationierten UB7 und UB8 liefen zum Angriff aus, um die Beschießung zum Erliegen zu bringen.[6] Am 27. Oktober konnte UB7 einen Torpedo auf die Panteleimon abfeuern.[19] Auch wenn die Besatzung von UB7 dachte, eine Torpedoexplosion zu hören, gab es keinen Treffer auf der Panteleimon. Dessen ungeachtet brachen die russischen Seestreitkräfte die Beschießung ab und zogen sich zurück.[6]
Anfang 1916 waren UB7 und UB8 immer noch im Schwarzen Meer im Einsatz.[19] Die Deutschen konnten keine Erfolge im Schwarzen Meer verzeichnen, was aber auch nicht das Ziel war.[6] Die Bulgaren erkannten den Wert der U-Boote bei der Abwehr der russischen Angriffe und begannen über den Kauf der beiden Boote zu verhandeln.[1] Bulgarische Seeleute fuhren auf den beiden Booten mit und Techniker erhielten eine Ausbildung an der Unterseebootschule in Kiel.[20]UB8 wurde am 25. April an die Bulgarische Marine überstellt.[20] Aus in der Literatur nicht zu klärenden Gründen fuhr UB7 weiterhin unter der deutschen Flagge.
Im April 1916 übernahm Oberleutnant zur See Hans Lütjohann[21] das Kommando von Wilhelm Werner, der nach seiner Rückkehr nach Deutschland neuer Kommandant von U 55 werden sollte.[12]
Im Juli 1916 beauftragten die Deutschen die Midilli, vor Noworossijsk Minen auszubringen.[6]UB7 ging vor Sewastopol in Wartestellung, um zum Gegenangriff auslaufende Schiffe zu attackieren.[6] Unglücklicherweise entdeckten russische Wasserflugzeuge UB7, bombardierten das Boot und zwangen es zum Rückzug. KonteradmiralKoltschak konnte mit dem Schlachtschiff Imperatriza Marija, dem Kreuzer Kagul und fünf Zerstörern auslaufen.[6] Die russische Flotte stellte die Breslau am 22. Juli. Die Breslau konnte mit Splitterschäden entkommen.[22] In der Literatur ist nichts über Schäden an UB7 bekannt.
Am 27. September 1916 verließ UB7 Warna mit Ziel Sewastopol und verschwand spurlos. Das Schicksal von UB7 blieb lange ungeklärt.[8][23] Am 8. September 2010 entdeckten bulgarische Wracktaucher 15sm (28km) südöstlich von Warna bei 43°2′N, 28°6′O43.0328.1Koordinaten: 43°2′N, 28°6′O in 36 m Tiefe das Wrack eines unbekannten U-Bootes vom Typ UBI.[4][24][25] Das Wrack konnte 2012 als UB7 identifiziert werden.[4][25][26]UB7 geriet in ein 1916 ausgebrachtes bulgarisches Minenfeld, lief auf eine Mine und sank.[4] Unter den fünfzehn Besatzungsmitgliedern, die ihr Leben verloren, waren auch der leitende Funkoffizier der Mittelmeerdivision[23] und ein bulgarischer U-Boot-Fahrer, ein Praktikant aus Widin.[27]
12David Miller:The Illustrated Directory of Submarines of the World. MBI Pub. Co., St. Paul MN 2002, ISBN 0-7603-1345-8, S.46–47 (englisch).
123Mark D. Karau:Wielding the Dagger: the MarineKorps Flandern and the German War Effort, 1914–1918. Praeger, Westport CT 2003, ISBN 0-313-32475-1, S.48–49,50,51 (englisch).
1234Eberhard Rössler:Geschichte des deutschen U-Bootbaus. Band1: Entwicklung, Bau und Eigenschaften der deutschen U-Boote von den Anfängen bis 1943. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-153-8, S.59–62,264.
1234Robert Gardiner, Randal Gray:Conway’s all the world’s fighting ships, 1906–1921. 1. (US) Auflage. Naval Institute Press, Annapolis MD 1985, ISBN 0-87021-907-3, S.180,341 (englisch).
12345678910Paul G. Halpern:The naval war in the Mediterranean, 1914–1918. Naval Institute Press, Annapolis MD 1987, ISBN 0-87021-448-9, S.116,118,132,233,236,246 (englisch).
123456Charles W. Koburger:The central powers in the Adriatic, 1914–1918: war in a narrow sea. Praeger, Westport CT 2001, ISBN 0-275-97071-X, S.82–83 (englisch).
126104978 UB-7.In:Miramar Ship Index. (Abonnement erforderlich).R. B. Haworth,abgerufen am 2.April 2009(englisch).
↑U 3 hatte ein Leck, dessen Reparatur in Pola sich vermutlich bis zum 27. April 1915 hinzog. Siehe: Tengeralattjárók.(pdf)Imperial and Royal Navy Association,S.3,archiviertvomOriginal(nicht mehr online verfügbar)am11.Oktober 2021;abgerufen am 14.März 2016(ungarisch).
12Dwight R. Messimer:Verschollen: World War I U-boat losses. Naval Institute Press, Annapolis MD 2002, ISBN 1-55750-475-X, S.268 (englisch).
1234Harald Bendert:Die UB-Boote der Kaiserlichen Marine 1914–1918: Einsätze – Erfolge – Schicksal. Mittler, Hamburg/ Berlin/ Bonn 2000, ISBN 3-8132-0713-7, S.13,30,46–48.
↑Die Patagonia war vom Vereinigten Königreich abgeschnitten, da der Bosporus unter Kontrolle der Osmanen stand, und als Frachtschiff im Dienst der russischen Marine, als sie sank.
12Richard H. Gibson, Maurice Prendergast:The German Submarine War, 1914–1918. Naval Institute Press, St. Paul MN 2003, ISBN 1-59114-314-4, S.39,50,57,89,97,73,124–125 (englisch).
12Николай Йорданов:Първата българска подводница (The First Bulgarian Submarine). кн. 3. Военно-исторически сборник, София 1999, S.143–146 (bulgarisch).