Im Oktober 1914 erhielt die Germaniawerft den Auftrag für UB3 und begann im November mit dem Bau. Mit kaum mehr als 28m Länge verdrängteUB3 127t im aufgetauchten und 142t im getauchten Zustand. Es war mit zwei Bugtorpedorohren, zwei Torpedos und einem an Deck montierten Maschinengewehr bewaffnet. Stapellauf und Indienststellung erfolgten im März 1915.
In Sektionen zerlegt wurde UB3 per Bahn im April 1915 zum Österreich-Ungarischen Hafen von Pola verfrachtet und dort wieder zusammengebaut. Es nahm seinen Dienst am 1. Mai bei der U-Halbflottille Pola auf. Seit dem Auslaufen zu seiner ersten Unternehmung in der Türkei am 23. Mai 1915 gilt es als verschollen. Eine deutsche Untersuchung nach dem Krieg kam zu dem Schluss, dass UB3, da Minenfelder und Feindeinwirkung auszuschließen waren, einem ungeklärten technischen Problem zum Opfer gefallen war.
Nach dem schnellen Vorstoßen des Deutschen Heeres entlang der Nordseeküste am Anfang des Ersten Weltkrieges verfügte die Kaiserliche Marine über keine U-Boote, die in den engen und seichten Gewässern vor der Küste von Flandern operieren konnten.[2][3] Ursprünglich forderte das RMA kleine, rein elektrisch betriebene U-Boote mit 80 t Verdrängung und einem Torpedorohr, die per Bahn zum Einsatzhafen transportiert und dort schnell zusammengebaut werden konnten. Nach der Überarbeitung durch die U-Boot-Inspektion entstand die eigentliche Konstruktion (Projekt 34) für den Typ UB I mit 125 t Verdrängung, 28 m Länge und zwei Torpedorohren, die das RMA Anfang Oktober 1914 genehmigte.[4][5]UB3 war eines der acht UB-I-Boote– UB 1 bis UB 8– für welche die Germaniawerft knapp zwei Monate nach dem Beginn der Planungen am 15. Oktober 1914 den Auftrag erhielt.[2][6]
Die Germaniawerft legte UB3 am 3. November 1914 auf Kiel. Am 5. März 1915 erfolgte der Stapellauf in Kiel.[7]UB3 war 28,1 m lang, 3,2 m breit und hatte einen Tiefgang von 3 m.[8] Es verfügte über nur eine Antriebswelle, an die ein 45 kW (60 PS) leistender Daimler-4-Zylinder-Dieselmotor für die Überwasserfahrt und ein Siemens-Schuckert-Elektromotor mit 89kW (120 PS) für die Fahrt unter Wasser gekuppelt waren.[8] Damit konnte es maximal 6,5kn (12km/h) über Wasser und 5,5kn (10,2km/h) unter Wasser erreichen. Bei Überwasserfahrt hatte es eine Reichweite bis zu 1.650sm (3.056km) und mit einer Batterieladung kam es unter Wasser bis zu 45sm (83km) weit. Wie alle Boote seiner Klasse war es für eine Tauchtiefe von 50 m ausgelegt und konnte aufgrund der vielen Flutöffnungen seiner Tauchtanks in 22 Sekunden tauchen.[5]
UB3 war mit zwei 45-cm-Torpedos in zwei Bugtorpedorohren bewaffnet. Ein 8-mm-Maschinengewehr konnte an Deck aufgebaut werden.[8] Die Besatzung bestand aus einem Offizier und 13 Unteroffizieren und Mannschaften.[3]
Oberleutnant zur See Siegfried Schmidt, 27 Jahre alt, erhielt mit UB3 sein erstes U-Boot-Kommando und stellte es für die Kaiserliche Marine am 24. März 1915 in Dienst.[9][10][11]
UB3 wurde für den Bahntransport vorbereitet, da es eines der UB-I-Boote war, die im Mittelmeerraum eingesetzt werden sollten.[7] Zum Verladen des Bootes waren drei Tiefladewagen für die drei Sektionen des Bootskörpers und weitere Waggons für den Turm, Teile des Oberdecks, die Maschinen und die Akkumulatoren notwendig.[5] Am 15. April wurde das Boot zum Hauptkriegshafen der österreich-ungarischen Marine in Pola transportiert.[12] Das dortige Marinearsenal benötigte ungefähr zwei Wochen, um UB3 wieder zu montieren.[12] Der U-Halbflottille Pola wurde UB3 am 1. Mai 1915 unterstellt. Um die Anwesenheit deutscher U-Boote im Mittelmeerraum zu verschleiern, bekamen die Boote k.u.k.-Bootsnummern und führten die österreich-ungarische Flagge. UB3 wurde zu U 9. Da sich das Deutsche Reich und Italien erst ab 28. August 1916 im Krieg befanden, ließen sich so Auseinandersetzungen mit italienischen Schiffen rechtfertigen.[9]
Ende Mai befand sich UB3 im österreich-ungarischen Hafen von Cattaro.[12] Obwohl die U-Halbflottille in Pola stationiert war, operierten die meisten ihrer Boote von Cattaro aus. In der Regel kehrten die Boote nur für Reparaturen nach Pola zurück.[13] Für seine erste Unternehmung wurde UB3 mit Munition für die türkischen Streitkräfte in Izmir beladen.[12][14] Wegen seiner begrenzten Reichweite schleppte der Kleine KreuzerNovara der k. u. k. Kriegsmarine[9] das Boot durch die Straße von Otranto bis zur Insel Kerkyra. Der geplante Kurs von UB3 führte südlich an den Ionischen Inseln vorbei, um den Peloponnes, durch die Kykladen, nördlich um Chios und Karaburun in den Golf von Izmir. Wäre alles gut gegangen, hätte UB3 Izmir zwischen dem 28. und 29. Mai 1915 mit halbvollem Treibstoffbunker erreicht. Ungefähr 80sm (148km) vor Izmir empfingen die Deutschen einen verstümmelten Funkspruch, der nicht komplett zu verstehen war. Von UB3 waren keine Spuren mehr zu finden.[12]UB3 war das erste UB-I-Boot, das während des Krieges verlorenging.[1] Zudem war es der erste Verlust eines deutschen U-Bootes im Mittelmeer.[15]
Eine deutsche Untersuchung nach dem Krieg kam zu dem Schluss, dass UB3, da es keine Minenfelder entlang seines Kurses gab und keine Aufzeichnungen über Angriffe gegen U-Boote in dieser Gegend existierten, einem ungeklärten technischen Problem zum Opfer gefallen war.[12] Britische Aufzeichnungen und einige Quellen,[16] die darauf basieren, verzeichnen den Untergang von UB3 am 24. April 1916 in der Nordsee. Die Autoren R. H. Gibson und Maurice Prendergast bestätigen jedoch, dass dies das Schicksal von UB13 war. Sie betonen, dass UB3 fast ein Jahr vor diesem vermeintlichen Untergang in der Nordsee verlorenging.[14]
12V.E. Tarrant:The U-Boat Offensive: 1914–1945. Naval Institute Press, Annapolis MD 1989, ISBN 0-87021-764-X, S.24,172 (englisch).
12David Miller:The Illustrated Directory of Submarines of the World. MBI Pub. Co., St. Paul MN 2002, ISBN 0-7603-1345-8, S.46–47 (englisch).
12Mark D. Karau:Wielding the Dagger: the MarineKorps Flandern and the German War Effort, 1914–1918. Praeger, Westport CT 2003, ISBN 0-313-32475-1, S.48–49 (englisch).
↑Eberhard Rössler:Die Unterseeboote der Kaiserlichen Marine. Bernard und Graefe, Bonn 1997, ISBN 3-7637-5963-8, S.59–62.
123Eberhard Rössler:Geschichte des deutschen U-Bootbaus. Band1: Entwicklung, Bau und Eigenschaften der deutschen U-Boote von den Anfängen bis 1943. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-153-8, S.39,62,85.
↑Gordon Williamson:U-boats of the Kaiser’s Navy. Osprey, Oxford 2002, ISBN 1-84176-362-4, S.12 (englisch).
12Guðmundur Helgason:WWI U-boats: UB-3.In:U-Boat War in World War I.Uboat.net,abgerufen am 4.März 2009.
123Robert Gardiner, Randal Gray:Conway’s all the world’s fighting ships, 1906–1921. 1. (US) Auflage. Naval Institute Press, Annapolis MD 1985, ISBN 0-87021-907-3, S.180 (englisch).
123Harald Bendert:Die UB-Boote der Kaiserlichen Marine 1914–1918: Einsätze – Erfolge – Schicksal. Mittler, Hamburg/ Berlin/ Bonn 2000, ISBN 3-8132-0713-7, S.13,30,40.
123456Dwight R. Messimer:Verschollen: World War I U-boat losses. Naval Institute Press, Annapolis MD 2002, ISBN 1-55750-475-X, S.126–127 (englisch).
↑Paul G. Halpern:The naval war in the Mediterranean, 1914–1918. Naval Institute Press, Annapolis MD 1987, ISBN 0-87021-448-9, S.384 (englisch).
12Richard H. Gibson, Maurice Prendergast:The German Submarine War, 1914–1918. Naval Institute Press, St. Paul MN 2003, ISBN 1-59114-314-4, S.71–91 (englisch).
↑Paul Kemp: Die deutschen und österreichischen U-Boot-Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes, Gräfelfing vor München 1998, ISBN 3-924896-43-7, S. 12.
↑Alfred C. Dewar:Munitions of War: Minesweeping and Minelaying. Hrsg.: Franklin Henry Hooper (=Encyclopædia Britannica. BandXXXI). 12. Auflage. The Encyclopædia Britannica, 1922, OCLC15093864, S.953.